Das Bier strömt in rauen Mengen, die Hendl brutzeln duftend vor sich hin, die Blaskapelle ruft zum "Prosit" – die Stimmung auf dem Oktoberfest ist immer fröhlich und ausgelassen. Doch die Wiesn hat auch ein hässliches Gesicht: Jedes Jahr kommt es zu sexuellen Übergriffen auf Frauen. Wir nennen Ihnen zwölf Tipps für eine sichere Wiesn.

Brauchtum, Tradition, Genuss – das verbinden viele Besucher und Wirte mit dem Münchner Oktoberfest. Doch die fröhliche Ausgelassenheit kann auch ins Gegenteil umschlagen. Im Gedränge werden junge Frauen begrapscht oder sexuell genötigt. Seit zwölf Jahren gibt es deshalb die Anlaufstelle "Sichere Wiesn". Übergriffsopfer erhalten dort Beistand.

Oktoberfest: 156 Opfer im vergangenem Jahr

Im Jahr 2013 hat "Sichere Wiesn" 156 Opfer betreut, darunter zwei Vergewaltigungsopfer. Von Jahr zu Jahr wachse die Zahl, die Fälle würden auch beratungsintensiver und zeitaufwendiger. "Das liegt wohl nicht daran, dass mehr Taten stattfinden - sondern dass mehr bedrohte Mädchen und Frauen den Weg zu uns finden", vermutet Kristina Gottlöber, die bei "Sichere Wiesn" für die Logistik zuständig ist.

90 Prozent der Hilfesuchenden sind unter 30 Jahre alt. Über ein Drittel kam im vergangenen Jahr aus dem Ausland. An den besucherstarken Samstagen ist die Hilfsstation noch stärker besetzt und öffnet bereits am frühen Nachmittag.

Stadt München unterstützt Hilfe für Frauen

Gegründet wurde die Anlaufstelle von drei Münchner Organisationen: dem Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch AMYNA, der Initiative für Münchner Mädchen IMMA und dem Frauennotruf München. Hilfe erhält die von der Stadt München getragene Aktion von vielen Seiten. Die Taxizentrale IsarFunk stellt zum Beispiel ein Taxi-Rufgerät und ein Kontingent an Taxigutscheinen zur Verfügung. Die Wiesn-Wirte liefern Geldspenden.

Auf der Internetseite der Anlaufstelle gibt es zahlreiche Informationen und Tipps, wie sich Frauen und Mädchen auf die Wiesn vorbereiten können und was im Ernstfall zu tun ist.

Tipps für eine sichere Wiesn

1. Treffpunkt mit FreundInnen vereinbaren, falls jemand verloren geht, zum Beispiel am Riesenrad oder vor dem Servicezentrum.

2. "WiesnProtect"-App auf dem Smartphone herunterladen: Von der Aktion "Sichere Wiesn" gibt es eine App, die wichtige Informationen liefert. So finden Oktoberfest-besucherinnen alle wichtigen Telefonnummern, eine separate Notruf-Funktion, den MVG-Fahrplan, eine Ortsbestimmung und den Security Point auf der Karte. Zudem gibt es wichtige Tipps für Mädchen und Frauen und Funktionen wie den Wiesn-Translator Deutsch-Bairisch und eine Dirndl-Schablohne.

3. "Survival Kit": Geld, Handy, Schlüssel und ggf. die Hoteladresse am Körper tragen. Wer Angst vor Übergriffen hat, darf sich auch mit einer Pfeife oder einem Schrill-Alarm "bewaffnen". Pfefferspray und andere Verteidigungswaffen sind in den Zelten nicht erlaubt.

4. Achtung, K.O.-Tropfen! Es gab mehrere Verdachtsfälle auf dem Oktoberfest – Getränke sollten daher nie unbeaufsichtigt bleiben.

5. Wiesn-Bier: Das Bier auf dem Oktoberfest ist besonders stark. Ratsam ist es, zwischendurch Wasser oder Radler zu trinken. Wenn jemand eine Runde Bier ausgibt, sollte sich niemand verpflichtet fühlen, mitzutrinken.

6. Nein-Sagen, wenn man etwas als unangenehm empfindet. Grapschen und blöde Anmache muss sich niemand gefallen lassen. Manchmal kippt auch eine nette, witzige Situation. Ein klares "Stopp!" oder "Lassen Sie das!" macht klar, dass die Grenze erreicht ist.

7. Keine Angst vor Peinlichkeiten: Betroffene sollten laut und deutlich sagen, wenn sie etwas nicht wollen oder sich über jemanden oder etwas ärgern. Zum Beispiel: "Nehmen Sie Ihre Hände von mir weg!"

8. Schließen der Zelte bei Überfüllung: Verlassen Sie das Zelt zusammen mit einer vertrauten Person. Es kann sein, dass man nicht wieder hineingelassen wird.

9. Fahrgeschäfte: Auch hier gibt es sexuelle Übergriffe. Am besten, Sie fahren mit einer vertrauten Person. Wenn Ihnen etwas Unangenehmes passiert, sollten sie den Security Point aufsuchen.

10. Im Notfall sollten Sie immer zum Helfen auffordern – am besten eine konkrete Person: "Sie mit dem roten Pulli ...!" Oder holen Sie direkt Hilfe vom Personal des Zeltes. Verteidigen sich, wenn nötig und rufen Sie die Polizei (110).

11. Heimweg planen: Vor allem wer sich in München nicht auskennt, sollte seinen Weg zur Unterkunft vorab genau planen. Außerdem: Niemand sollte das Oktoberfest alleine oder mit einem Unbekannten verlassen. Wer sich unsicher fühlt, sollte sich einer Frauengruppe anschließen.

12. Nicht zum Schlafen hinlegen! Wer müde oder betrunken ist und seine Freunde verloren hat, sollte zum Security Point kommen. (dpa/far)