Zugegeben, von großen Lebensmittelskandalen sind wir dieses Jahr verschont geblieben. Aufreger rund ums Essen und unsere Lebensmittel gab es dafür genug.

Der "Bio-Burger" von McDonald's, der nicht bio ist

Die Fast-Food-Kette McDonald's will unter wachsendem Konkurrenzdruck durch junge Burger-Ketten erstmals auch Bio-Burger in ihren Filialen in Deutschland verkaufen.

McDonald's hat es derzeit nicht leicht: Der Fast-Food-Riese steckt in der Krise. Junge Burger-Ketten mit trendigerem Angebot breiten sich in Städten rasant aus und machen dem alteingesessenen Fast-Food-Anbieter Konkurrenz. Zeit für McDonald's, "neu zu denken und uns neu zu orientieren", sagte Deutschland-Chef Holger Beeck der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Den McB mit Bio-Rindfleisch gab es für kurze Zeit bei McDonald's.

Ziel sei es daher, eine Bio-Linie zu etablieren. Ab Oktober gab es den McB und den Long McB mit Bio-Rindfleisch für einen begrenzten Zeitraum. Bio-Burger kann man das trotzdem nicht nennen: Denn ausschließlich das Fleisch wird in EU-Bio-Qualität produziert. Brötchen, Salat, Käse, Tomaten sind wie gewohnt konventionell hergestellt und damit nicht bio.

Kritik folgt auf dem Fuße, denn McDonalds wirbt unter anderem damit, seine Filialen seien nun "Bio-Läden". Eine absurde Übertreibung für einen eigentlich lobenswerten Vorstoß. Mittlerweile ist die Bio-Aktion vorbei. Man könne schlicht nicht genug Bio-Rindfleisch beschaffen, um den McB dauerhaft anzubieten, zitiert "Meedia" Deutschland-Chef Beeck.

Sarah Wiener: Sojamilch "so künstlich wie Cola"

Sarah Wiener scheut offenbar nicht davor zurück, sich Feinde zu machen. Die Fernsehköchin rechnet mit dem Trend zur veganen Ernährung ab - "denn leider rettet auch sie nicht die Welt".

Sarah Wiener hätte wissen müssen, dass man sich nicht mit Veganern anlegt. Schließlich ist dieser Teil der Menschheit dem Rest doch vermeintlich moralisch weit überlegen – und deshalb nicht gerade kritikfähig.

Die TV-Köchin stocherte also im Schlangennest, als sie im Juni dieses Jahres in einem Gastbeitrag für das "Enorm Magazin" sagte, vegane Ernährung sei nicht die Lösung für umweltschädliches Konsumverhalten: "Denn leider rettet auch sie nicht die Welt. Sie garantiert noch nicht einmal eine gesunde und nachhaltige Ernährung."

Ein Dorn im Auge sind ihr vor allem stark verarbeitet Fleisch- und Milch-Ersatzprodukte. "Sojamilch ist in etwa so künstlich wie eine Cola." Die Reaktion seitens der Veganer blieb da natürlich nicht aus: "Ignorant" heißt es zum Beispiel in den sozialen Medien, nebst groben Beschimpfungen. "Verwirrungen" titelt die Seite vegan.eu und belehrt neben einigen veganen Bloggern Sarah Wiener und den Rest der Welt in einem Beitrag epischen Ausmaßes.

Wiener zeigt sich allerdings wenig beeindruckt – und bekommt größtenteils Rückenwind bei Twitter und Co. Im Oktober legte sie in einem Gespräch mit Focus Online nach: "Veganismus ist eine diätische Mangelernährung."

Was Cola mit dem Körper macht

Ein Gesundheits-Blogger sorgte im Mai für Schlagzeilen: The Renegade Pharmacist, "der abtrünnige Apotheker", zeigte in einer Infografik, was eine Dose Cola mit dem Körper anstellt:

  • In den ersten zehn Minuten, so schreibt er, treffen zehn Teelöffel Zucker auf den Organismus.
  • 20 Minuten später komme es zu einer Insulinexplosion im Körper. Diesen Überfluss handhabe die Leber, indem sie den Zucker in Fett umwandle.
  • Nach 40 Minuten steige der Blutdruck.
  • 60 Minuten später binde das Phosphor in der Cola Kalzium, Magnesium und Zink – wichtige Mineralstoffe, die unter anderem für die Knochen zentral sind. Diese würden dann ausgeschieden.

Wurst ist krebserregend

Es geht um die Wurst: Verarbeitetes Fleisch erhöht nach Erkenntnissen von Forschern das Krebsrisiko. Auch bei rotem Fleisch gibt es entsprechende Hinweise. Müssen Steak-Fans sich Sorgen machen?

Jetzt ist offiziell, was Ernährungsexperten schon lange predigen: Zu viel Wurst ist schädlich. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte verarbeitetes Fleisch (also z.B. Wurst) als krebserregend ein: Das Darmkrebs-Risiko steige je 50 Gramm verarbeiteten Fleisches (z.B. gepökeltes oder geräuchertes) pro Tag um 18 Prozent.

Rotes Fleisch sei zudem "wahrscheinlich krebserregend", das heißt, es gebe "begrenzte Belege" für eine Krebsgefahr.

Auf Fleisch und Wurst verzichten müsse man dennoch nicht, schließlich habe Fleisch auch positive gesundheitliche Wirkungen, liefert zum Beispiel Eisen und viele Vitamine. Eine unbedenkliche Untergrenze gebe es aber nicht, heißt es in dem Bericht.

Es gilt also nach wie vor die gängige Empfehlung, Fleisch und Wurstwaren in Maßen zu konsumieren: "Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche essen", rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). 43 bis 86 Gramm pro Tag sollte man insgesamt also nicht überschreiten.

Chlor-Hühnchen dank TTIP?

Die USA und Europa könnten unterschiedlicher nicht sein, was die Standards in der Lebensmittelherstellung betrifft. Das Freihandelsabkommen TTIP soll diese Vorstellungen miteinander in Einklang bringen. Was das für die Qualität unserer Lebensmittel bedeuten könnte, macht vielen Angst.

Das Freihandelsabkommen TTIP ("Transatlantic Trade and Investment Partnership") bewegt die Gemüter - vor allem, wenn es um Lebensmittel geht. Was bedeutet es für Verbraucher, wenn die EU und die USA die weltgrößte Freihandelszone mit 800 Millionen Menschen schaffen?

Die Angst ist groß, dass europäische Lebensmittelstandards ausgehebelt werden und Chlor-Hühnchen und Klon-Steak dann auch auf unseren Tellern landen. In Berlin hatten Anfang Oktober daher mindestens 150.000 Menschen gegen das geplante Freihandelsabkommen protestiert.

Ob die Furcht berechtigt ist, weiß niemand so richtig; die Verhandlungen finden größtenteils im Geheimen statt. Immerhin: Ab 2016 sollen zumindest Abgeordnete Einblick in die vertraulichen Papiere bekommen.

Attila Hildmann als Vegangsta

Attila Hildmann hat es mit seiner veganen Lebensweise, die er durch Kochbücher für jeden praktikabel macht, im deutschsprachigen Raum zu einiger Berühmtheit gebracht. Nun will er auch im englischen Sprachraum groß rauskommen. Schließlich, so lässt er in einem "Stern"-Interview verlautbaren, habe er auch Ambitionen, in Hollywood Schauspieler zu werden…

Der Bestseller-Autor macht seit Februar 2015 auf Gangsta, genauer: Vegangsta. Bewaffnet mit akzentschwangerem Englisch, einem Kampfmesser als Kochutensil, übertriebenen Gangster-Moves und einer Prise Sexismus zeigt er auf seinem YouTube-Kanal kurze Clips, in denen er vegane Speisen zubereitet.

Ob er mit seinem neuen Format Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. "Peinlich", kommentieren viele YouTube-Nutzer die Clips.

Das zwingt Hildmann im März zu einer Stellungnahme auf Facebook: Vegangsta sei eine reine Kunstfigur, die keinen Bezug zur Wirklichkeit oder ihm selbst habe. Er verfolge damit vor allem ein Ziel: "junge Menschen, die nichts mit Vegan anfangen können, darauf aufmerksam zu machen, wie lecker, maskulin und sexy vegane Küche sein kann."

Einen langen Atem hat er diesmal nicht bewiesen. Zumindest hat Hildmann seit April keine neuen Clips mehr gepostet.