Der Konsum betäubungsmittelhaltiger Kräutermischungen und Badesalze stellt Giftnotrufzentralen vor eine zunehmende Herausforderung. Die Nebenwirkungen der sogenannten Legal Highs seien oft schwerwiegend, sagte Uwe Stedtler von der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg.

Jährlich werden in Deutschland sieben Tonnen Quecksilber ausgestoßen.

Doch da die Inhaltsstoffe der als Kräutermischungen, Badesalz oder Lufterfrischer getarnten Drogen meist nicht genau bekannt seien, sei die Behandlung von Vergiftungssymptomen problematisch. Die Giftnotrufzentrale ist ein 24-Stunden-Notfall-Service für jeden, der Informationen im Zusammenhang mit Vergiftungen und Drogen sowie zu Medikamentenwirkungen benötigt.

Giftnotruf immer häufiger alarmiert

Die Anfragen beim Giftnotruf im Südwesten wegen Legal Highs seien in diesem Jahr drastisch gestiegen, sagte Uwe Stedtler. Allein bei synthetischen Cannabinoiden, die in Kräutermischungen enthalten sind, habe sich die Zahl der Anrufe gegenüber 2014 auf rund 120 verdoppelt.

Das Problem sei, dass die synthetischen Stoffe deutlich schwerere Nebenwirkungen hätten als ähnliche illegale Drogen auf pflanzlicher Basis. Synthetische Cannabinoide etwa lösten sehr viel häufiger als Cannabis epileptische Anfälle und Herzrhythmusstörungen aus, warnte Stedtler.

Symptome können gravierend sein

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Da die derzeit verkauften Mischungen noch stärker wirksam seien als früher, fielen die Symptome oft noch gravierender aus. Auch als Badesalze getarnte Drogen, die Amphetamine und Halluzinogene enthielten, könnten zu Herzproblemen und Krampfanfällen führen.

Erst vor kurzem mussten in Nürtingen zwei Kinder nach dem Konsum einer als Kräutermischung getarnten Droge in einem Krankenhaus behandelt werden. Im bayerischen Unterfranken starb Anfang Dezember ein 22-Jähriger, nachdem er Legal Highs geraucht hatte. Bundesweit gab es nach Angaben der Polizei bereits mehrere Fälle von lebensgefährlichen Vergiftungen durch Legal Highs. Sie werden wegen der unberechenbaren Wirkung als sehr gefährlich eingeschätzt, allerdings besteht eine Gesetzeslücke, da nicht alle dieser Drogen verboten sind. Häufig werden sie im Internet bestellt.

Experten kritisieren E-Zigarette

Sorgen bereitet den Experten vom Giftnotruf auch der Trend hin zur E-Zigarette. Es gebe einen drastischen Anstieg von Anfragen wegen verschluckter Nachfüllflüssigkeiten, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau, sagte Stedtler. Neun Anfragen wegen dieser sogenannten Liquids seien in diesem Jahr registriert worden - in den vergangenen Jahren seien es jeweils nur ein, zwei Fälle gewesen.

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Die oft bunten und aromatisierten Flüssigkeiten, die Nikotin enthielten, könnten vor allem Kleinkindern gefährlich werden, warnte Stedtler. Das Problematische an ihnen sei, dass sie nicht so eklig schmeckten wie etwa eine Zigarette und dass durch die flüssige Form deutlich mehr Nikotin aufgenommen werden könne. Ein Teelöffel voll könne für ein Kind schon sehr bedrohlich sein. Meist komme es zu typischen Symptomen einer Nikotinvergiftung - etwa Blutdruckschwankungen, Erbrechen und Durchfall. Im schlimmsten Fall drohten aber auch Bewusstlosigkeit und Kreislaufversagen.© dpa