München (dpa) - Jedes fünfte Schulkind in Deutschland trägt ein Risiko für psychische Erkrankungen. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) am Mittwoch (4. März) anlässlich eines Kongresses in München hingewiesen. Als eine Hauptursache nannten die Experten Probleme in der Familie, in der Schule und im sozialen Umfeld, etwa durch Mobbing. Während viele Mädchen unter Ängstlichkeit und Depressivität litten, seien Jungen häufiger verhaltensauffällig oder reagierten mit Hyperaktivität.

Gut 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen fühlen sich dem Verband zufolge über längere Zeit hinweg von Mitschülern schikaniert oder ausgegrenzt. Der Schule komme eine zentrale Bedeutung für die psychische Entwicklung zu, da die Kinder hier einen Großteil ihrer Zeit verbringen. "Eine humane Bildungspraxis darf nicht zweckgebundenes Funktionieren im Auge haben", sagte der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin. Sie müsse die Menschen in ihrer Gesamtheit sehen und respektieren und versuchen, günstige Bedingungen für die Entfaltung der Kinder zu schaffen.

Staatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) vom Bundesgesundheitsministerium bewertet die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zwar grundsätzlich als gut. Chronische Erkrankungen, Gesundheitsprobleme durch ungesunden Lebensstil sowie psychische Auffälligkeiten würden aber häufiger diagnostiziert. Immer mehr Familien nähmen psychiatrische oder psychotherapeutische Hilfen für Kinder und Jugendliche in Anspruch, sagte sie.© dpa