Das Dschungelcamp verlangt den Kandidaten einiges ab, dennoch stellen sich die meisten Camper den Prüfungen. Doch gibt es auch Ängste, die über den normalen Ekel hinausgehen. Phobien sind weit verbreitet. Doch was tun gegen Angst vor Spinnen, der Höhe oder dem nächsten Flug?

Alexander Spauschus, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie der "Schön Klinik" in Hamburg, klärt über häufige Krankheitsbilder auf und berichtet, was Betroffene gegen ihre Phobien unternehmen können.

Was ist der Unterschied zwischen Angst und einer Phobie?

Alexander Spauschus: Die Angst ist ein gesundes Gefühl, das uns vor Gefahrenquellen schützt. Sie gehört zur normalen Gefühlswelt. Eine Phobie dagegen ist eine übertriebene Angst.

Zurzeit läuft wieder das Dschungelcamp. Kann eine fiese Prüfung eine Phobie auslösen?

Wenn es ein traumatisches Erlebnis ist, das nicht bewältigt werden kann, schon. Andererseits besteht gerade die Therapie etwa einer Spinnenphobie darin, dass sich der Patient dem Reiz aussetzt. Zuerst schaue ich mir die Spinne an, dann muss ich sie vielleicht anfassen.

Neue Therapien helfen Betroffenen, die Phobie zu überwinden.

Woran erkennt man eine Phobie?

Wenn die Ängste, wie bei einer spezifischen Phobie, auf ein bestimmtes Objekt festgelegt sind und wenn das den Alltag beeinträchtigt.

Warum fallen die extremen Angstzustände in vielen Fällen gar nicht auf?

In unseren Breitengraden haben wir mit Schlangen wenig zu tun, so dass hier jemand mit einer Schlangenphobie prima durchs Leben kommt. Auch eine soziale Phobie, also wenn jemand zum Beispiel nicht gerne vor großem Publikum Reden hält, muss nicht zwangsläufig zu einem Karriereknick führen. Die Krankheit wird erst dann wahrgenommen, wenn Probleme im Alltag auftreten.

Welche sind die häufigsten Phobien?

Tierphobien und soziale Phobien. Dabei sind Frauen bei den Tiervarianten weit häufiger betroffen. Spezifische Phobien, wie etwa Spinnen-, aber auch Höhenphobie, haben zehn bis 25 Prozent der gesamten Bevölkerung - über die gesamte Lebenszeit betrachtet. Bei den sozialen Phobien ist es etwas weniger.

Wie können Betroffene mit der Krankheit umgehen?

Wenn bei einem Betroffenen mit Flugangst etwa eine Geschäftsreise unvermeidlich ist, sollte das therapeutisch vorbereitet werden. Zuerst geht es um die Vorstellung, ein Gedankenspiel, dann schaut man sich Bilder an. Dabei überprüft der behandelnde Arzt fortlaufend die Stärke der Angst, gekoppelt mit der Erwartung, dass die Probleme abnehmen. Schließlich besucht der Therapeut bei einer Exposition mit dem Patienten einen Flughafen oder beide fliegen sogar. Dabei soll der Betroffene entdecken, dass die Angst nicht ins Unermessliche steigt, sondern nur ein bestimmtes Niveau erreicht und dann wieder abnimmt. Wer diese Erfahrung macht, kann seine Angst besser beherrschen.

Dr. Alexander Spauschus ist Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie in der "Schön Klinik" in Hamburg.