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15.08.2012, 21:20 Uhr

Partydroge auf dem Vormarsch - Crystal macht sofort süchtig

Berlin (dpa) - Zuerst macht es scheinbar stark - dann wirkt es zerstörerisch. Crystal breitet sich trotz aller Gefahren aus - es macht schon beim ersten Mal süchtig, warnen Experten. Jetzt soll der Kampf gegen eine der aggressivsten Droge effektiver werden.

An Cannabis hatte sich der junge Mann aus Sachsen gewöhnt. Kiffen gehörte zum Alltag. Da geriet er an Crystal - mit zehn Euro war er dabei. Die Wirkung schien phänomenal. Müdigkeit und Hunger waren wie weggeblasen. Er stand unter Strom, fühlte sich voller Energie. Doch schnell merkte er, dass er nicht davon loskam, aggressiv war, sich für immer weniger sonst interessierte. Sein Leidensweg begann.

Schlimme Suchtkarrieren mit Crystal sind laut Experten keine Seltenheit, auch wenn der Fall nach Beschreibungen von Therapeuten konstruiert ist. Neu ist sie längst nicht mehr, doch die Droge ist derzeit offensichtlich wieder auf dem Vormarsch.

Bei synthetischen Drogen wie Crystal könne schon der einmalige Konsum süchtig machen, warnen Experten. "Crystal ist offenbar in der Lage, sehr schnell in die Hirnchemie einzugreifen", erläutert Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP) in Krefeld. "Wir halten sie eigentlich für die gefährlichste Droge, die im Moment auf dem Markt ist."

Bei Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben zu Drogen greifen, reichten schon "geringste Mengen" von einem Zehntel Gramm, um abhängig zu sein. Wer schon eine Drogenkarriere hinter sich hat, also "heavy user" ist, brauche vermutlich etwas mehr, sei aber genauso gefährdet. Die Effekte des Konsums beschreibt die Psychiaterin so: "Man fühlt sich sehr gut, hat keine Schmerzen, fühlt sich geliebt, ist euphorisch." Alle menschlichen Grundängste seien wie weggeblasen, der Betroffene verspüre weder Hunger noch Müdigkeit und sei voller Selbstvertrauen. "Das passiert auch Leuten, die sonst von der Persönlichkeit her ganz anders sind", erklärt Roth-Sackenheim.

Bei Crystal und Co. bestehe ähnlich wie bei Cannabis die Gefahr, dass Geisteskrankheiten wie Psychosen hervorgerufen werden. "Eine angeborene Neigung zum Beispiel zu Wahnvorstellungen kann dazu führen, dass sie zutage treten. Wir sehen bei den synthetischen Drogen wie Crystal sehr häufig einen Persönlichkeitszerfall." Bei Kokain oder Heroin bleibt die Persönlichkeit laut Roth-Sackenheim dagegen einigermaßen erhalten. Abhängige könnten noch ihrem Job nachgehen.

Als körperliche Folge nehmen Crystal-Süchtige der Expertin zufolge oft ab, sind infektanfälliger oder verwahrlosen. Insgesamt sei die billig herzustellende Droge lebensgefährlich. Die Therapie ist schwierig. "Wenn wir Glück haben und die Leute sind am Anfang ihrer Suchtkarriere, kann man sie in Einzelfällen ambulant behandeln."

In den meisten Fällen sei aber eine intensive Behandlung in einer Klinik nötig. "Es ist eine medizinische Herausforderung, die Leute davon wieder wegzubringen", sagt Roth-Sackenheim. Denn die Wirkung der Suchtsubstanzen auf das Gehirn sei oft unklar. Daher wisse die Medizin kaum, wie am besten gegenzusteuern ist.

Opposition und Regierung wollen jetzt den Kampf gegen das bedrohliche Rauschgift verschärfen. Betroffen sind vor allem Bayern, Sachsen, Mitteldeutschland. Das kristalline Methamphetamin kommt überwiegend aus tschechischen Drogenküchen.

Es sind zwar nur vergleichsweise kleine Zahlen bekannter Fälle. Was Suchtexperten wie der bayerischen SPD-Abgeordneten Angelika Graf aber Sorgen macht, ist der Anstieg. Laut Drogenbericht 2012 wuchs die Zahl der gemeldeten Sicherstellungen der Droge zuletzt auf rund 2100 - ein Plus von 164 Prozent.

"Man muss davon ausgehen, dass die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher liegt", sagt Graf. "Die Schilderungen in den betroffenen Bezirken werden immer dramatischer." Direkt nach der Sommerpause will die SPD die Bundesregierung per Antrag im Bundestag zu einem Bündel von sieben Schritten drängen - von mehr Prävention bis zu einem europaweiten Vorgehen gegen die Produktion.

Modedroge aus dem Labor

Crystal ist wie Ecstasy ein künstlich hergestelltes Aufputschmittel aus der Gruppe der Amphetamine. Gängige Abkürzungen in der Szene sind "C", "Meth", "Ice", "Crank" oder "Ruppe". Die synthetische Droge (Methylamphetaminhydrochlorid) wird zumeist in Privatlaboratorien produziert, besonders häufig in Tschechien. Die sächsische Grenzregion zählt deshalb verstärkt zu den Umschlag- und Konsumorten. Das Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Methylamphetamin wurde unter anderem von Soldaten im Zweiten Weltkrieg eingenommen, um Angstzustände zu unterdrücken und die Konzentration zu erhöhen.

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298 Meinungen zu "Partydroge auf dem Vormarsch"

  • uterimus
    Dienstag, 14.05.2013, 17:39 Uhr
    eine frechheit überhaupt cannabis mit sowas wie eine syntetische droge im gleichen artikel zu erwähnen. Habt wohl keine ahnung von was ihr da überhaupt redet! Cannabis ist ein geschenk der natur, die gibt es schon 10000te jahre, und der syntetische dreck, wie dieses crystal, wird hergestellt von studenten oder hobby chemielaboranten, genau so kaltschnäutzigen typen die über die konsumenten lästern! Zocken die leute ab , rücksichtslos und habgierig nach geld, und die intressiert es einen scheiss ob die konsumenten kaputt gehen dran! Für mich sind solche drogenhersteller, wie auch diese unmenschen die über die konsumenten lästern, der letzte dreck!
  • Kathibati
    Mittwoch, 03.04.2013, 17:01 Uhr
    Ich glaube, dass viele Menschen, die härtere Drogen nehmen, das nicht einfach aus Spaß an der Freud machen, sondern schlimme Erlebnisse verarbeiten und einfach keinen anderen Ausweg sehen, als sich in den Rausch zu flüchten. Traurig, dass man hier so viele "Eisklotz-Kommentare" lesen muss. Es hat nicht jeder ein einfaches Leben und/oder ist stark genung, solchen Drogen zu widerstehen. Schon schlimm, wie kaltherzig manche hier sind.
  • trollgift
    Mittwoch, 03.04.2013, 16:30 Uhr
    Eine sehr schlimme Droge, die wie kaum eine andere Droge nicht nur Abhängige schnell zerstört sondern auch massiv auf deren soziales Umfeld einwirkt. Hier hilft nur massive Aufklärung und eine knallharte Bekämpfung der Dealer. Leider läßt sich crystal leicht vor Ort herstellen was ihre Bekämpfung erschwert. Die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Droge sind jedenfalls verheerend.
  • Kev9119
    Mittwoch, 03.04.2013, 13:38 Uhr
    ich bleib bei meinem gras ;) legalisiert es endlich .... wer vorhat andere drogen zu probieren wird es auch machen wenn cannabis legal ist ... ich brauch sowas nicht! nur alle 1- 2 monate eine tüte mehr geht ja leider nicht aufgrund der akribischen verfolgung im straßenverkehr.... naja das war mein senf dazu
  • Dolphi21
    Dienstag, 28.08.2012, 12:34 Uhr
    @Harry1972 Ja klar, jeder der Abends regelmäßig Wein trinkt ist ein Alkoholiker und gleichzustellen mit einem Junkie. Es heißt also wenn ich einmal im Monat mit meiner Freundin Abends ein Glas Sekt oder Wein trinke bin ich Alkoholiker und deiner meinung nach gleichzusetzen mit jemanden der sich Heroin in die Arme schießt? Klasse aussage, ehrlich Harry. Und was soll der zweite Absatz von dir? Klingt igendwie ein wenig nach verharmlosung des Heroins.Sicherlich ist Alkohol im massen extrem schädlich, aber eben nur wenn man sich davon regelmäßig massen reinkippt. Das es schlimmer ist wage ich ernsthaft zu bezweifeln.Warst du schonmal in Berlin an den bekannten Stellen? Da kannst du voller begeisterung beides bestaunen, Heroin- und Alkohlabhängige.
  • benutzer
    Montag, 27.08.2012, 17:18 Uhr
    dann sollen sie sich eben umbringen, die vollidioten, die glauben, sie könnten diese chemischen keulen ohne nachwirkungen vertragen. jeder depp weiß, dass dieses zeug nicht nur sofort süchtig macht, sondern auch katastrophale gesundheitliche schäden nach sich zieht. viel spass damit - dumme kann man nicht aufhalten
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