Der perfekte Tag
Was macht den Menschen glücklich - und was ist dem Glück eher abträglich? Deutsch-amerikanische Glücksforscher haben auf der Suche nach Antworten die Bedingungen für den perfekten Tag analysiert. Das Ergebnis: In der Vielfalt liegt die Würze. "In der ersten Stunde ist das Vergnügen an einer Aktivität besonders hoch", berichtet Christian Kroll von der Jacobs University in Bremen im Gespräch mit NetDoktor. Später senkt sich die Kurve der Zufriedenheit. Darum fährt der am besten, der seinen Tag abwechslungsreich gestaltet.
Stichproben des Glücks
Für die Untersuchung wertete der Bremer Forscher gemeinsam mit seinem Kollegen Sebastian Pokutta vom Georgia Institute of Technology die Angaben von mehr als 900 berufstätigen Frauen aus. Grundlage bildeten Daten des Nobelpreisgewinners Daniel Kahneman. Über einen Zeitraum von fünf Tagen hinweg hatten die Teilnehmerinnen berichtet, womit sie gerade beschäftigt waren - und wie viel Freude ihnen dies bereitete.
Um herauszufinden, welchen Anteil die verschiedenen Aktivitäten an einem perfekten Tag haben würden, analysierten die Forscher die Daten mit Methoden der Optimierungsforschung. Normalerweise werden diese in der Industrie zur Verbesserung vorn Produktionsabläufen eingesetzt.
Punktsieg für die Liebe
Das Ergebnis: Ganz oben mit 106 Minuten stand romantische Zeit mit den Liebsten, gefolgt von Zeit mit Freunden (82 Minuten). Darunter liegt deutlich die Zeit, die man für den persönlichen Glücksgewinn mit der Kinderbetreuung verbringen sollte - nämlich nur 46 Minuten. Wie viel Zeit die Kleinen mit den Großen glücklich machen würde, drüber gibt die Studie naturgemäß keine Auskunft.
Entspannung sollte 78 Minuten Raum bekommen, fürs Essen sollte man sich optimalerweise 75 Minuten Zeit nehmen- und sich mit dem dazu notwendigen Kochen 50 Minuten beschäftigen. Für Sport scheinen 68 Minuten optimal. Ganz unten auf der Beitragsliste zum Glück stehen demnach die Arbeit mit 36 Minuten und die Teilnahme am Verkehr mit 33 Minuten.
Arbeit zahlt langfristig aufs Glückkonto ein
"Natürlich sind dies immer nur Mittelwerte. Jeder Mensch ist unterschiedlich", erklärt Studienleiter Kroll. Zudem hätte die Befragung immer nur Momentaufnahmen des Glücks oder Missbehagens eingefangen. Arbeit beispielsweise werde zwar als relativ wenig glücksfördernd beschrieben. "Sie gibt aber langfristig gesehen eine nachhaltige, innere Zufriedenheit, die mindestens genauso wertvoll ist wie der ein oder andere ‚perfekte Tag' fast ohne Arbeit."
Für die tägliche Lebensplanung taugt das Modell vom perfekten Tag ohnehin nicht. "Realistische Chancen für einen perfekten Tag hat man eher an einem Samstag als ein einem Wochentag", geben die Autoren zu.
Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von NetDoktor.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
3 Meinungen zu "Dem perfekten Tag auf der Spur"
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kt1
Donnerstag, 10.01.2013, 09:20 Uhr Guten Tag, zu den Neujahresvorsätzen scheinen sich mal wieder alle Glücksforscher melden zu dürfen. Dabei beschäftigte die Kulturzeit in SAT3 aktuell mit dem Recht auf Unglücklichsein. Gerade die Ursache vieler Burn-Outs, Depressionen und Frustrationen liegen doch gerade darin, dass sich jeder Perfektionismus, totale Anpassung und Flexibilität, immer zur Verfügung stehen - auch über die Arbeitszeit hinaus, alle Wünsche von Chefs, Ehepartner(innen) und Kindern erfüllen zu müssen und ja nicht auffallen, d.h. sich lieber nach Durchschnitt zu orientieren, statt mal Profil zu entwickeln und mal Widerstand zu leisten, wenn es einfach nicht geht oder es zu folgen gegen alle Moral verstößt - also mal Persönlichkeit zu zeigen. Verlierer sind auf Dauer wir selbst, vermeintliche Gewinner die Chefs, Coachs, Berater und alle, die unsere Anpassungsbereitschaft und vorauseilenden Gehorsam sich zu Nutze machen. Insofern könnten wir selbst den Mut haben allen Glücksrittern, dem ständig-Erfolg-versprechenden Beratern, wenn wir nur auf sie hören zu widersprechen und zu sagen: - es gibt das Recht auf Melancholie - es gibt das Recht auf Mißerfolg - es gibt das Recht auf Scheitern - es gibt das Recht auf die Schattenseiten im Leben Denn nur, wenn wir uns das Scheitern und auch der Frau, Freundin, Kollegen, Bewerber, dann können wir wieder menschlich werden und zu uns finden! Schon Udo Jürgens wußte und sang vor Jahren schon: "....und immer wieder geht die Sonne auf und wieder der neue Tag ein neues Licht, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht, die gibt es nicht" In diesem Sinne: Leben Sie die guten und die schlechten Tage im Leben, beides gehört zusammen und eins funktioniert nicht ohne das andere. Wer Ihnen was anderes erzählt, sollte sie zum Nachfragen bringen. Gruß -
Vernunftsmensch
Dienstag, 06.11.2012, 13:39 Uhr Ich wundere mich in solchen Fällen wirklich immer, welche Berufssparten es doch so gibt und dass diese dafür sogar noch bezahlt werden. Diese Kommunikation ist doch dann super: "Was sind Sie von Beruf ?" "Glücksforscher" Ich will jetzt gar nicht wissen, was der Fragende dann von der Person halten wird, der diese Antwort gibt. Sorry, ich liebe perfekte Tage, aber das jemand so etwas als Beruf erforscht, finde ich schon ziemlich seltsam. Denn ich kann der Vorschreiberin da nur zustimmen, dass der perfekte Tag nicht für alle gleich aussieht. Zudem muss berücksichtigt werden, dass hier nur Frauen befragt wurden und es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass Frauen und Männer unterschiedlich sind und daher mit Sicherheit auch der perfekte Tag nur bis zu einem bestimmten Punkt identisch sein wird.
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