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21.11.2012, 16:25 Uhr

Jünger durchs Skalpell - Gesichtslifting muss natürlich wirken

Augsburg (dpa/tmn) - Über die Jahre gräbt das Alter die ein oder andere Falte ins Gesicht. Wenn das Lebensgefühl dem äußeren Erscheinungsbild nicht mehr entspricht, kann ein Gesichtslifting helfen. Patienten sollten die Entscheidung dafür in Ruhe reifen lassen.

Gertrude Gutendorf-Röß fühlt sich sichtlich wohl. "Ich sehe aus wie eine zehn Jahre jüngere Version von mir", sagt die 61-jährige. Vor zwei Jahren ließ sie sich Gesicht und Hals liften. "Mein gelebtes Alter ist einfach jünger gewesen. Ich hatte nicht unbedingt Falten, aber mein Gesicht hing herunter, das ganze Volumen fehlte, das passte einfach nicht."

In der Vergangenheit wurden Gesichtsoperationen oft nachgesagt, ein maskenhaftes Aussehen zu erzeugen. Heutzutage gehen Schönheitschirurgen sanfter vor: "Durch die Modellierung des Tiefengewebes können bis zu zehn Jahre optische Verjüngung erzielt werden", sagt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Die neue Technik geht unter die Haut: Zusätzlich zur Hautstraffung werden die erschlafften Gesichtsmuskeln in ihre alte Position zurückgebracht. Die darüberliegende Haut wird anschließend drapiert, und was übrig ist, wird weggeschnitten. Danach wirkt das Gesicht natürlich, ohne dass Einschränkungen der Mimik durch Überstraffung zu befürchten sind.

Neben der Technik ist auch der Anlass heute oft ein anderer. "Ich bemerke bei meinen Patienten ein verändertes Lebensgefühl", sagt Prof. Johannes Bruck von der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). "Patienten kommen zu mir und sagen 'Ich will nicht aussehen wie meine eigene Großmutter' oder 'Wer ist die alte Frau im Spiegel, die mich morgens anschaut?'", erzählt Bruck. "Ein Facelifting macht meine Patienten vielleicht nicht schöner oder jünger, aber es erleichtert, sich im Alter in seiner Haut wohlzufühlen und lindert so die Last des Alterns."

Eugen Höfter, Facharzt für Plastische Chirurgie in Bad Tölz, führte die OP bei Gertrude Gutendorf-Röß mit einem Radiowellenmesser durch. "Diese Methode hat den Vorteil, dass jedes Gefäß sofort verschlossen wird, wenn der Schnitt erfolgt, bei sehr geringer Ausdehnung der Hitze. Man spricht bei der Radiofrequenzchirurgie deshalb auch vom 'Cold Cut'", erläutert der Chirurg. Dadurch treten weniger Blutungen auf. Die Heilung verlaufe schneller.

Getrude Gutendorf-Röß war nach einem Monat wieder "salonfähig". Das lag auch daran, dass sie sich eine intensive Ruhephase gegönnt hat. Dazu gehört anfangs auch, auf Sport und Sonne zu verzichten. Das Gesicht sollte natürlich besonders geschont werden: "Ich sage meinen Patienten gerne: 'Bitte die Schrippe nicht quer in den Mund stecken'", erklärt Bruck. Der Kopf sollte nie tiefer als das Herz liegen, um Schwellungen zu vermeiden, und der Mund nicht zu sehr geöffnet werden, um anfangs den Zug auf die Nähte zu minimieren. Die Kosten für ein Gesichtslifting mit einem Halslifting liegen zwischen 5000 bis 10 000 Euro.

Im Vorfeld sollten Patienten die Risiken abwägen. Zur Entscheidungsfindung gehören auch intensive Vorgespräche mit dem Arzt. "Ich höre mir die ganze Lebensgeschichte meiner Patienten an", sagt Johannes Bruck. Zwischen dem Erstgespräch und der OP sollten zwei bis drei Monate liegen. Zudem eigne sie sich nicht für jeden. "Rauchen, Alkoholkonsum und Solariumbesuche beeinflussen die Beschaffenheit der Haut ungünstig", sagt Bruck.

Risiken bestehen aber nicht nur bei eher ungesundem Lebensstil, sondern grundsätzlich bei jedem Eingriff. Bei einem Gesichtslifting sind Nachblutungen, Infektionen sowie Wundheilungs- und Durchblutungsstörungen der abgelösten Haut möglich. "Es können wulstige Narben entstehen oder die Schädigung von Gesichtsnerven", sagt Höfter. Das komme allerdings in den seltensten Fällen vor.

Christoph Kranich, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, warnt allerdings davor, verharmlosenden Aussagen blindlings zu vertrauen. Die Erfahrung zeige, dass Patienten vor Schönheitsoperationen zu wenig über die Risiken aufgeklärt werden. "Bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen wie einem Gesichtslifting muss der Arzt besonders sorgfältig über alle Risiken aufklären, das ist durch die Rechtsprechung bestätigt."

Alle News vom: 21. November 2012 Zur Übersicht: Gesundheit

7 Meinungen zu "Verjüngungskur mit Skalpell"

  • Nurmalganzkurz
    Donnerstag, 22.11.2012, 16:06 Uhr
    @ Muffimann Mit dem Bartvergleich wollte ich dir nur zeigen, dass die Leute schon vor vielen Jahren viel getan haben, um hübscher zu wirken. Damals gab es diese Möglichkeiten noch nicht, also hat man es auf Schminke und Korsetts, falsche Haare, Schönheitsflecken, etc. reduziert. Natürlich WIRD man nicht dynamischer durch ein kleines facelifting, aber man wirkt dynamischer, jünger, frischer. Und gerade in der heutigen Zeit, in der die Leute immer länger fit bleiben, fühlen sich innerlich viele nicht so alt, wie sie äußerlich aussehen. Du hast natürlich Recht, dass man ambesten natürlich altern und zu seinem Alter stehen sollte, aber ich kann es trotzdem auch verstehen, wenn sich jemand die hängenden Schlupflider oder Tränensäcke wegoperieren lässt. Ich persönlich hätte viel zu viel Angst davor, dass etwas schief geht, deshalb würde ich es wohl nicht machen lassen.
  • Nurmalganzkurz
    Donnerstag, 22.11.2012, 14:08 Uhr
    @ Muffiman Ich weiß gar nicht, warum du dich so herablassend äußerst. Jeder Mensch will gefallen, will positive Resonance erhalten. Schon früher haben sich die Herren die Bärte mit Pomade gezwirbelt und die Damen mit Kohlestiften die Augen schwarz gemalt. Heute besteht die Möglichkeit sich jünger, attraktiver und dynamischer schnippseln zu lassen. Das ist nichts anderes als das Zwirbeln der Bärte und die Kohle von damals. Hätte es die Möglichkeit der OP zu der Zeit schon gegeben, hätten es die Leute auch gemacht. Ob man es machen "muss" ist eine andere Frage, aber ich kann verstehen, wenn sich jemand nicht mehr wohl fühlt in seiner Haut, da z. B. die Augen müde und faltig herabhängen. Das mus jeder für sich selbst entscheiden, ob er das OP-Risiko eingeht und die Kosten übernimmt oder ob er er es lässt.
  • Acerado
    Donnerstag, 22.11.2012, 14:05 Uhr
    @Muffínman: Das <b>Universum</b> ist nicht unendlich.
  • mhbw13J
    Donnerstag, 22.11.2012, 07:23 Uhr
    Facelifting ist schon ein echt großer Eingriff. Hab es mal im TV sehen können..., ich war geschockt, da kommt man schon ins grübeln, ob man sich das antun will. Aber kleinere Op's wie z.B. Lidstraffung, werde ich im kommenden Frühjahr auch machen lassen. Werde dann hoffentlich nicht mehr immer so müde aussehen und Augenmakeup lohnt sich dann auch wieder. Muss am Ende eh jeder für sich entscheiden und dann auch dazu stehen.
  • ladylaura
    Mittwoch, 21.11.2012, 17:30 Uhr
    wenn es vernünftig gemacht ist...warum nicht? ich würde es auch machen wenn ich das geld hätte.
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