Kinder am Hungerhaken
Luisa ist 14, bildhübsch und schmal wie ein Spargel. Innerhalb weniger Wochen hungert sich der Teenager fast ein Drittel des eigenen Körpergewichtes herunter - 16 Kilo in acht Wochen. Bei einer Körpergröße von 1,70 Metern bringt sie schließlich noch 35 Kilo auf die Waage. Das ist in etwa so viel wie ein ausgewachsener Schäferhund. Die Klamotten schlottern, Rippen und Hüftknochen stechen hervor. "Ich habe nur noch darüber nachgedacht, wie ich nicht sterbe", erzählt Luisa auf einer Pressekonferenz in München. "Zum Schluss habe ich meine Eltern angefleht, mich endlich in die Klinik zu fahren." Als sie dort ankommt, ist sie zum Gehen fast zu schwach. Magersucht oder Anorexie diagnostizieren Ärzte der Schön Klinik Roseneck am Chiemsee.
Gefährlichste psychische Erkrankung
Ein Einzelfall ist Luisa nicht. Etwa jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren zeige ein auffälliges Essverhalten, ergab die KIGGS-Studie des Robert Koch-Instituts. Rund 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche seien das allein in Deutschland. Es gibt verschiedene Formen von Essstörungen: Magersucht, Bulimie mit Ess-Brech-Attacken oder Binge-Eating-Disorder, bei der die Betroffenen Unmengen Nahrungsmittel verschlingen.
Meist sind es junge Mädchen, aber auch männliche Jugendliche leiden vermehrt darunter. "Magersucht", sagt Prof. Ulrich Voderholzer, "ist die gefährlichste psychische Erkrankung überhaupt". Denn sie kann Leben kosten. "Jeder zehnte Patient stirbt an den Folgen der Mangelernährung", erzählt der Ärztliche Direktor der Klinik. Ohne einen stationären Klinikaufenthalt hätte sich vielleicht auch Luisa zu Tode gehungert.
"Hatte Angst zusammenzubrechen"
Für die schwarzhaarige Schülerin beginnt die Magersucht, weil das Thema Figur und Gewicht unter ihren Mitschülern eine immer größere Rolle spielt. Alle reden darüber, wie man möglichst schnell möglichst viel abnimmt, denn Dünnsein gilt als schön und attraktiv. "Nur wer schlank ist, gehört dazu", sagt Luisa. Dass man für Anerkennung und Erfolg bestimmten Idealen entsprechen muss, machen Shows wie "Germanys next Topmodel" vor. Nur wer kein Gramm Fett auf den Rippen hat, besitzt Gewinnchancen. "Irgendwann dachte ich auch, dass ich abnehmen muss", erzählt sie. Zuerst lässt sie das Frühstück ausfallen, dann das Mittagessen, sie isst so wenig wie möglich, dann schließlich so gut wie nichts mehr. "Ich hatte schon selber Angst, dass ich den Weg in die Schule nicht mehr schaffe und zusammenbreche", sagt Luisa.
Kritik an der Figur
Psychische Störungen, so auch die Magersucht, haben immer mehrere Ursachen. "Die Jugendlichen geben als Grund für ihre Essstörung oft an, dass sie kritische Kommentare über ihr Gewicht bekommen haben", weiß Dr. Silke Naab, Leitende Ärztin der Jugendstation der Klinik. Ein weiterer Faktor für diese besorgniserregende Entwicklung sei aber auch die frühe körperliche Reife der heutigen Jugendlichen. Außerdem üben Konflikte in der Familie, aber auch ein zu hoher Perfektionismus enormen Druck auf die Jugendlichen aus. Viele junge Menschen bewältigen diese kleinen und großen Lebenskrisen, "aber einige reagieren mit Ängsten, Depressionen oder selbstschädigendem Verhalten wie Hungern oder Ritzen", sagt Naab.
Verheerende Körperschäden
Magersüchtige nehmen sich selbst dann noch als zu dick war, wenn sie nur noch Haut und Knochen sind. Mediziner sprechen von einer sogenannten Körperschemastörung. Radikale Diäten bis hin zur kompletten Nahrungsverweigerung sind die Folgen. "Man würde sich auch nie eingestehen, dass man schlank ist - denn dann hat man Angst, man könnte ja wieder zunehmen", beschreibt Luisa diesen psychischen Zwiespalt.
Die körperlichen Schäden durch das Nichtessen sind verheerend. Das massive Untergewicht kann Durchblutungs- oder Herzrhythmusstörungen auslösen, die Hirnsubstanz vermindern oder zu Osteoporose oder Organschäden führen. In schlimmen Fällen versagen die Organe komplett.
Geschrumpftes Kind
Dass sich eine Magersucht anbahnt, bleibt in vielen Fällen lange unbemerkt. Luisas Mutter nimmt den rapiden Gewichtsverlust ihrer Tochter erst nach einem Urlaub mit Bekannten wahr. In nur vier Tagen war das Mädchen deutlich dünner geworden. "Sie wirkte kleiner auf mich", schildert sie. Außerdem distanziert sich die Tochter immer mehr von ihr, was die Mutter auf die Pubertät schiebt. "Ich habe den Zusammenhang einfach nicht gesehen", räumt sie ein. Irgendwann stöbert die besorgte Mutter im Internet, sucht medizinische Informationen, was Luisa haben könnte - und zieht anhand der Beschreibungen schnell Parallelen. "Mir wurde klar, dass Luisa sofort professionelle Hilfe braucht", erzählt sie.
"Es hat Klick gemacht"
Luisas Eltern bringen ihre abgemagerte Tochter in die Klinik, obwohl sie das zuerst partout nicht will. Dort wird sie zusammen mit anderen essgestörten Jugendlichen therapiert. "Es ist gerade für Jugendliche eine Erleichterung, auf Gleichaltrige zu treffen, die mit ähnlichen Problemen kämpfen", sagt Naab.
Luisa hat Glück, denn nur jeder zweite erkrankte Jugendliche in Deutschland hat überhaupt eine Chance auf einen Therapieplatz. Der Grund: Nur wenige niedergelassene Spezialisten haben Erfahrung mit der Behandlung von Jugendlichen. In München beispielweise müsse ein Jugendlicher rund sechs Monate auf einen Therapieplatz in einer Klinik warten, so Voderholzer. In ländlichen Gegenden sei es sogar bis zu einem Jahr. "Solche Wartezeiten sind katastrophal", kritisiert der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Denn wird eine Magersucht nicht therapiert, können weitere psychische Erkrankungen dazu kommen, beispielsweise eine Depression.
Wichtig ist auch eine therapeutische Nachsorge. Ohne sie gäbe es kaum Aussicht auf eine vollständige Heilung, so der Experte. Aber auch hier sind die Plätze dünn gesät. Nur jeder zweite Patient findet einen Nachsorgetherapeuten. Luisa hat der Klinikaufenthalt jedenfalls körperlich und seelisch gestärkt, und essen kann sie auch wieder ganz normal. Sie sagt: "In der Klinik hat es Klick gemacht."
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975 Meinungen zu "Sex schuld an früherem Tod?"
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FreifrauvonOpel
Donnerstag, 17.05.2012, 10:40 Uhr Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes ;))))))))))) -
FreifrauvonOpel
Donnerstag, 17.05.2012, 10:39 Uhr brebacher 77 Beiträge Wieso "trotz"? WEGEN....! Stümmt auch wieder ;)) Sonst sagt man , kleine Männer haben Komplexe ,aber vielleicht ist der ganze Mann klein und kurzsichtig ;)) -
FreifrauvonOpel
Donnerstag, 17.05.2012, 10:32 Uhr Einfälle hat er ja, trotz Mininudel ;)) -
FreifrauvonOpel
Donnerstag, 17.05.2012, 10:31 Uhr "astroboy" Ich schmeiss mich wech ;)))))))))
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