Man hört es immer wieder: Mütter, die ihrem Baby die Brust geben, werden aus Restaurants oder Cafés geschmissen. Ist Stillen in der Öffentlichkeit wirklich so verpönt, oder ist die Ablehnung ein Ammenmärchen?

Die Welt-Still-Woche 2014 steht unter dem Motto "Stillen – ein Gewinn fürs Leben." Doch das sehen längst nicht alle so. Noch immer werden Frauen, die ihrem Baby in der Öffentlichkeit die Brust geben, von Passanten kritisch beäugt. Das sind jedoch unliebsame Einzelfälle, die keinesfalls das allgemeine Stimmungsbild wiedergeben.

Das bestätigt auch die Expertin. "Anpöbeln oder schief anschauen sind meist die Ausnahme", erklärt Elke Bretzigheimer vom Bundesverband der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen. In den Schlagzeilen landen dann meist die Extremfälle: "Es kommt hin und wieder vor, insbesondere in der Gastronomie, dass stillende Mütter gebeten werden, nicht in den Gasträumen zu stillen oder dies auf der Toilette zu tun. Manchmal ist damit auch die Androhung eines Lokalverweises verbunden."

Die Brust geben – sexuelle Provokation?

Dabei sollte Stillen eigentlich die natürlichste Sache der Welt sein. Warum also reagieren manche Menschen so allergisch darauf? "Den Müttern wird in einigen Fällen ein Zurschaustellen unterstellt und das Stillen mit sexueller Provokation gleichgesetzt", so die Expertin.

Manchmal spielen Vorurteile eine Rolle, ohne dass die Nörgler tatsächlich stillende Frauen erlebt haben. "Es wird davon ausgegangen, dass eine stillende Mutter ihren ganzen Oberkörper entblößt, was gar nicht der Fall ist und nicht nötig, um das Baby trinken zu lassen", wundert sich Elke Bretzigheimer. "Meist sagen die Kritiker, die Frauen verhielten sich schamlos und würden die Anstandsregeln missachten."

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Unauffälliges Stillen stört nicht

Solche Gedanken sind von der Wirklichkeit oft weit entfernt. Den meisten Frauen liegt es fern, ihren Busen (neu)gierigen Blicken auszusetzen und achten darauf, möglichst unauffällig zu stillen. Spezielle Stillkleidung, vom BH bis hin zur Bluse, ermöglicht es, dem Baby diskret die Brust zu geben – ohne sich vorher entkleiden zu müssen. "Manche Mütter stillen ihre Kinder auch im Tragetuch, womit das Stillen ebenfalls völlig unbemerkt in der Öffentlichkeit stattfinden kann", berichtet die Expertin von der Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen.

Doch einmal ganz abgesehen von der Reaktion der Mitmenschen ist es sinnvoll, zum Stillen einen ruhigen Ort mit einem bequemen Platz aufzusuchen – denn Geräusche und Bewegungen lenken die Babys häufig ab. Spezielle Räume sind in Deutschland noch selten, doch Mütter können ohne weiteres zum Beispiel in einem Restaurant nach einem ruhigen Nebenzimmer fragen.

So sollten Sie auf Pöbeleien reagieren

Sehen sich Frauen mit einem Angriff konfrontiert, könnten sie natürlich eine Grundsatzdiskussion über das Stillen vom Zaun brechen. Am besten ist es aber der Expertin zufolge, möglichst ruhig und gelassen zu bleiben. "Ob es sich tatsächlich lohnt, in eine Diskussion einzusteigen, muss die Mutter im Einzelfall selbst entscheiden."

Aber auch ein eindeutiger Kommentar nimmt dem Gegenüber oft den Wind aus den Segeln, weiß Elke Bretzigheimer.