Vier von fünf Frauen duschen nicht jeden Tag, ein Drittel verzichtet sogar ganze drei Tage auf die Ganzkörperreinigung. Das ergibt eine aktuelle Untersuchung aus Großbritannien. Unhygienisch? Nicht unbedingt. Im Gegenteil: Haut, Haare oder Zähne leiden regelrecht unter unseren Hygienefimmeln.

Täglich duschen muss nicht sein

Die Haut ist unser größtes Organ und leistet einen riesigen Beitrag zu unserer Gesundheit: Sie ist nämlich die allererste Stelle, die Krankheitserreger abwehrt. Dafür zuständig ist unter anderem der natürliche Fettfilm der Haut. Dieser Schutz wird allerdings durch zu häufiges und heißes Duschen sowie durch aggressive Duschgels zerstört, erklärt der in Mainz niedergelassene Dermatologe Wolfgang Klee.

Viele Menschen haben ein echtes Schweißproblem. Was hilft?

Daher ist es völlig in Ordnung, wenn nicht gar gesund, auf das tägliche Duschen zu verzichten - mit zwei Ausnahmen, sagt Klee: "Wenn man viel schwitzt oder eine hautbelastende Tätigkeit hat, bei der die Haut durch Schmutz oder andere Stoffe gereizt wird, sollte man den Körper täglich reinigen."

Trockene Haut könne durch tägliches Duschen wegen der entfettenden Wirkung von Wasser und Duschgel allerdings weiter austrocknen. Die Haut fange an, zu jucken. "Das ist nicht nur besonders unangenehm, sondern kann sogar zu Entzündungen führen und die Immunabwehr schwächen."

Dem lasse sich vorbeugen, indem man ein rückfettendes Duschgel verwendet. "Wenn das nicht helfen sollte, cremt man sich hinterher am besten mit einer harnstoffhaltigen Creme ein", sagt Klee.

Auf spezielle Intimwaschgels kann man bei der Körperwäsche übrigens getrost verzichten, manche Experten raten sogar explizit davon ab. Auch Klee bekräftigt: Ein handelsübliches, leicht rückfettendes Duschgel werde erfahrungsgemäß gut vertragen.

Haare waschen: Vorsicht beim Shampoo

Fettige Haare gelten nicht gerade als Schönheitsideal. Vor diesem Hintergrund setzen Stars wie Sängerin Adele oder die Olsen-Zwillinge angeblich einen abwegigen Trend: Beim Haarewaschen ohne Shampoo ("No Poo") wird das Haar nur mit Wasser gespült. Nach einer sechswöchigen "Ekelphase" soll die Frisur glänzender und gesünder sein. Im Internet kursieren bereits zahlreiche Testberichte – mal mit positivem, mal mit negativem Ergebnis.

Regelmäßig Süßes zu essen, ist mit diesen Tipps gar kein Problem.

Es muss aber nicht der radikale Verzicht auf Shampoo sein, damit Haare und Kopfhaut gesund bleiben. Bei der Auswahl des Shampoos sollte man darauf achten, dass dieses möglichst wenig Chemikalien wie Silikone, Parabene oder Natriumlaurylsulfat enthält. Naturkosmetik oder Babyshampoos können hier eine schonendere Alternative sein.

Täglich muss man sich die Haare übrigens nicht waschen. Die Häufigkeit hänge von der individuellen Talg- und Schweißproduktion ab, meint Klee. "Wenn man zu fettigen Haaren neigt, kann man die Haare ruhig öfter waschen, bis zu einmal täglich." Anderenfalls sei eine zwei- bis dreimalige Wäsche pro Woche ausreichend.

Mit dem Zähneputzen eine Stunde warten

Nach dem Essen putzt man sich die Zähne - das haben wir als Kinder gelernt. Grundsätzlich ist Zähneputzen eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegen Karies. Man sollte jedoch nicht nach jedem Essen gleich zum Waschbecken rennen. Vor allem nach dem Genuss von säurehaltigen Speisen (z.B. Äpfel oder Orangen) oder Getränken (Fruchtsäfte, Soft-Drinks) sind die Zähne empfindlich – die Zahnbürste kann dann den Zahnschmelz angreifen. Experten raten daher, nach säurehaltigen Mahlzeiten eine Stunde mit dem Zähneputzen zu warten. Der Körper weiß sich in der Zwischenzeit selbst zu helfen: Unser Speichel sorgt dafür, dass die durch Säure abgetragenen Mineralien wieder eingelagert werden. Zahnmediziner nennen das Remineralisierung.

Ohren reinigen: Bitte keine Wattestäbchen!

Für viele gehört es zur täglichen Routine, sich die Ohren mit Wattestäbchen zu säubern. Davon raten Experten aber dringend ab. Die Gehörgänge reinigen sich nämlich ganz von selbst. Der Talg, erklärt HNO-Arzt Wolfgang Vahle auf seiner Webseite, wird tief im Gehörgang gebildet und rutscht im Laufe mehrerer Wochen nach außen. Das Fett nimmt dabei Staub, Zellabfall und Schmutzpartikel mit. Schmiergelt man die Haut im Gehörgang mit Wattestäbchen fettfrei, kann der nachfolgende Talg - und damit der Schmutz - nicht mehr abfließen, die Gehörgänge verstopfen. Allzu viel Hygiene kann man sich also getrost sparen - und spart dabei in den meisten Fällen auch noch Geld.

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