Fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag sind nicht genug. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung aus Großbritannien und torpediert damit die bisherigen allgemeinen Verzehrempfehlungen. Die neue Regel im Alltag zu befolgen, stellt sogar ernährungsbewusste Menschen vor eine Herausforderung.

Täglich fünf Portionen Gemüse oder Obst – so empfiehlt es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bereits seit 1990. Wer mindestens 250 Gramm Obst und 400 Gramm Gemüse am Tag verzehrt, erzielt einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System und kann sogar das Risiko einer Krebserkrankung senken.

Doch "5 am Tag" ist offenbar nicht genug. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung am University College London. Das Forscherteam rund Oyinlola Oyebode korrigiert in seiner Publikation im "Journal of Epidemology and Community Health" die Ernährungsempfehlungen nach oben: mindestens sieben Portionen Grünzeug täglich, so lautet das Gebot der Wissenschaftler.

Britische Forscher: Mehr Gemüse für ein längeres Leben

Für die Langzeitstudie wurden der Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten von etwa 65.000 Briten beobachtet und ausgewertet. Über acht Jahre hinweg sammelten die Forscher Daten über den Gesundheitszustand der Teilnehmer, bei einigen bis hin zum Tod.

Das Ergebnis: Bei Personen, die täglich sieben oder mehr Portionen Obst oder Gemüse aßen, sank das Sterberisiko gegenüber jenen Studienteilnehmern, die nur eine Portion zu sich nahmen, um ganze 42 Prozent.

Das Sterberisiko von Grünzeug-Liebhabern liegt laut der Studie bei Krebserkrankungen 25 Prozent, bei Herzerkrankungen sogar 31 Prozent unter dem jener Probanden, die nur wenig Obst und Gemüse zu sich nehmen.

Low Carb, Makrobiotik, Vegetarismus: wirklich so gesund?

"Die klare Botschaft ist: Je mehr Obst und Gemüse man isst, desto später stirbt man", erklärt Studienautorin Oyinlola Oyebode. "Mein Rat ist: Egal wie viel Obst und Gemüse Sie bereits essen, essen Sie mehr davon."

Gemüse ist gesünder als Obst

Dabei sollte man aber lieber zu Zucchini und Gurken greifen, anstatt zu Äpfeln und Bananen. Denn die Forscher fanden auch heraus, dass Gemüse gesünder ist als Obst. Jede Portion Gemüse senke das Sterberisiko durchschnittlich um 16 Prozent, jedes Stück Obst dagegen nur um vier Prozent.

Tiefgefrostetes Obst und Früchte aus der Dose zählen dabei nicht zu den Gesundmachern, sie erhöhen das Sterberisiko sogar geringfügig.

Manche Ernährungsexperten verdoppeln die bisherige Verzehrregel sogar auf zehn Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Einer von ihnen ist Simon Capewell von der University of Liverpool, der sich in Großbritannien bereits im Kampf gegen Zucker profilierte.

"10 Mal am Tag" - gut gemeint, schwer zu schaffen

Doch das Einhalten der Verzehrempfehlungen stellt ernährungsbewusste Konsumenten im Alltag vor neue Herausforderungen. Denn wer regelmäßig Obst und Gemüse auf den Speiseplan bringen will, muss auch für Einkauf und Zubereitung mehr Zeit einplanen als beim Aufwärmen einer Tiefkühlpizza. Außerdem wird eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischen Produkten schnell teuer.

Laut Statistik schaffen es derzeit circa 30 Prozent der Menschen, sich an die "5 am Tag"-Empfehlung zu halten. "10 am Tag" scheint dementsprechend ein ambitioniertes aber utopisches Ziel der gesunden Ernährung.© Glutamat