Geschlechtskrankheiten sind für viele kein Thema mehr. Forschern und Ärzten bereitet ein Erreger jedoch große Sorgen: Immer mehr Menschen in Europa stecken sich mit Tripper an. Besonders bedenklich: Die Krankheit lässt sich nur noch mit einem einzigen Antibiotikum behandeln. Und selbst dessen Stunden sind gezählt. Was dann passiert, erklärt der Infektiologe Dr. med. Ulrich Seybold im Interview.

Tripper oder Gonorrhö ist eine der am häufigsten auftretenden sexuell übertragbaren Krankheiten. Dabei befallen Bakterien, sogenannte Gonokokken, die Schleimhäute der Harnwege, Geschlechtsorgane oder sogar die Augenbindehaut, den Darm und den Rachen. Besonders tückisch: Betroffene nehmen oft keine Beschwerden wahr, sondern stecken bei ungeschütztem Verkehr unwissentlich auch ihre Sexualpartner an.

Mit der Entdeckung von Antibiotika am Anfang des 20. Jahrhunderts schien die Gefahr von Geschlechtskrankheiten (STDs) gebannt. 2001 entfiel die Meldepflicht für Tripper in allen Bundesländern bis auf Sachsen. Dass der Erreger in der Zwischenzeit Resistenzen gegen die meisten Antibiotika entwickelt hat, stellt Forscher und Ärzte vor neue Herausforderungen. Kann Tripper bald nicht mehr behandelt werden?

Herr Seybold, viele Menschen kennen die Angst vor Noroviren, Grippe oder auch Ebola. Dabei bereiten Ihnen als Infektiologen ganz andere Krankheiten Sorgen: Sexualkrankheiten wie Tripper. Warum?

In den USA ist das "Viagra für die Frau" jetzt offiziell erhältlich.

Ulrich Seybold: Zu mir kommen mehr Leute mit Tripper als mit Ebola, es ist also eine Krankheit, die mehr Menschen in Deutschland betrifft. Außerdem nimmt die Häufigkeit der Erkrankungen in ganz Europa zu. Das ist relativ klar nachweisbar. In Deutschland ist die Erhebung schwierig, weil es dafür nur in Sachsen eine Meldepflicht gibt. Aber dort ist die Tendenz sehr klar: Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen, dass sich die Zahl der gemeldeten Tipper-Erkrankungen zwischen 2003 und 2013 mehr als verdoppelt hat.

Nimmt man Sexualkrankheiten heute weniger ernst?

Zum einen handelt sich dabei oft um Krankheiten, an die Menschen heute gar nicht denken. Ich habe auch den Eindruck, dass Ärzte denken, sowas wie Syphilis gäbe es heute gar nicht mehr. Dazu kommt: Einige Jahre lang hat aufgrund von HIV eine besondere Vorsicht geherrscht, weil viele Leute große Angst davor hatten. Diese Angst ist weniger geworden. Gleichzeitig wurde der blinde Fleck für die ganzen anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen größer.

Was ist an Tripper so gefährlich?

Wir stellen Experten die Fragen, die Ihnen vielleicht zu peinlich sind.

Die Gonokokken waren ursprünglich sehr empfindlich gegen das ganz normale Penicillin. Der Erreger ist auch nicht besonders stabil und nistet sich nicht besonders tief ein. Darum waren sehr kurze Therapiedauern mit einfachen Antibiotika am Anfang ausreichend. Aber durch die Therapien sind die Tripper-Erreger resistent, also durch Antibiotika nicht mehr sicher behandelbar, geworden. Inzwischen sind wir soweit, dass noch genau ein Medikament existiert, das mit sehr großer Sicherheit wirkt. Und das gibt es nur noch als Infusion oder als Spritze. Es gibt aber bereits Berichte über Tripper-Erreger, die auch gegen das aktuelle Medikament resistent waren. Auch wir hatten einen Patienten mit diesem Erreger.

Was passiert, wenn eine Infektion mit dem Tripper-Erreger nicht behandelt werden kann?
Die Sorge ist, dass die Resistenz irgendwann so stark ausgeprägt ist, dass ein infizierter Mensch den Tripper-Erreger nicht mehr los wird. Man denkt vielleicht, das sei nicht so schlimm, dann hat er eben Schmerzen beim Wasserlassen. Doch das sind Erreger, die auch lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen können. Schwere Bauchfellentzündungen beispielsweise. Experten sagen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis dieses Szenario eintritt.

Dann hilft nur noch Vorbeugen. Wie schützt man sich?

Man kann sein Risiko beispielsweise senken, indem man bei einem Sexualkontakt ein Kondom benutzt. Dann kommt es nur sehr schwer zu einer Übertragung.

Dr. Ulrich Seybold ist Privatdozent für Klinische Infektiologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.
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