Berlin (dpa) - Die Masern-Impfung bleibt vorerst freiwillig - daran ändert auch die aktuelle Krankheitswelle vor allem in Berlin nichts. In der Hauptstadt starb ein Kind, eine Schule blieb vorsorglich geschlossen.

Trotz des jüngsten Masern-Ausbruchs und eines Todesfalls in Berlin steht für das Bundesgesundheitsministerium eine Impfpflicht vorerst nicht zur Debatte. Zwar nehme man die aktuelle Lage sehr ernst, sagte eine Ministeriumssprecherin. "Aber wir setzen jetzt erst mal auf eine Impfberatung vor Kita-Eintritt und die Überprüfung des Impfschutzes bei Gesundheitsberatungen."

Krankheitswelle in Berlin: Infektion tötet Jungen - Schule geschlossen.

Hintergrund der Debatte ist ein schwerer Ausbruch von Masern in Berlin, wo seit Oktober mehr als 570 Fälle gemeldet wurden. In der vergangenen Woche starb ein Kleinkind an der Krankheit, wie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Montag mitteilte. Im Ortsteil Lichtenrade blieb eine Sekundarschule vorsorglich für einen Tag geschlossen. Grund sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionskrankheit bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin des Berliner Senats. Sie bestätigte damit Medienberichte.

Gesundheitsminister rät zu Impfungen

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte am Wochenende Impfgegner angegriffen und dringend dazu geraten, den Impfstatus überprüfen zu lassen und die empfohlenen Impfungen nachzuholen. "Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos", sagte der Minister der "Welt am Sonntag". Wer seinem Kind den Impfschutz verweigere, gefährde nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere.

Die Bundesregierung plant ein Präventionsgesetz, wonach Eltern künftig vor einer Kita-Aufnahme ihrer Kinder eine ärztliche Impfberatung nachweisen müssen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung, wenn die Impfbereitschaft nicht steige, "muss eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein".

Hepatitis B, Diphtherie, Tetanus, Masern und Röteln: Eltern von Kleinkindern stehen immer wieder vor der Frage, ob sie ihren Nachwuchs impfen lassen sollen? Ist es wirklich sinnvoll, den Säugling Impfungen gegen zwölf Krankheiten in den ersten 14 Lebensmonaten auszusetzen, wie es das Robert-Koch-Institut empfiehlt?

Grüne und Linke gegen Impfzwang

Grüne und Linke protestierten: "Ein Zwang zur Impfung geht zu weit", sagte Katja Dörner, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag. "Impfskeptiker bringt man nicht durch Zwang zum Umdenken, sondern durch umfassende, unabhängige Beratung", sagte die Grünenpolitikerin der "Welt" (Montag). Auch der Gesundheitsexperte der Linksfraktion, Harald Weinberg, sprach sich gegen einen Impfzwang aus. Das Selbstbestimmungsrecht der Eltern müsse weiter gelten, sagte Weinberg der "Saarbrücker Zeitung" (Montag).

Kinderärzte halten eine Impfpflicht für unrealistisch. "Eine generelle Impfpflicht wird sich wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen", sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann, der "Welt". Allerdings sollten alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen.

Masern, Tetanus, Grippe? Wovor sich auch Erwachsene schützen sollten.

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Die Infektion ist hochansteckend und schwächt das Immunsystem. Folgen können zum Beispiel Gehirnentzündungen sein - manchmal mit lebenslangen Schäden wie geistigen Behinderungen. Laut Statistik sterben zwei von 1000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.© dpa