Es ist hartnäckiger als gedacht: Das Ebolavirus kann bis zu zwölf Monate im Sperma überleben - deutlich länger als bislang bekannt. Patienten müssen länger betreut werden.

Bis zu zwölf Monate konnten Forscher das Ebolavirus im Sperma nachweisen. Ob sich Partner beim Sex noch anstecken können, ist aber unklar.

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Zu diesem Ergebnis kommen Forscher vom Gesundheitsministerium Sierra Leones, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den US-Zentren für Krankheitskontrolle- und Prävention. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlichten sie jetzt im Fachmagazin "New England Journal of Medicine".

"Diese Ergebnisse kommen in einem entscheidenden Moment", sagt Bruce Aylward, Verantwortlicher der WHO für den Kampf gegen Ebola. "Sie erinnern uns daran, dass, obgleich die Ebola-Fälle zurückgehen, die Überlebenden und ihre Familien weiter mit den Auswirkungen der Krankheit zu kämpfen haben."

Die Studie zeige, dass Überlebende noch sechs bis zwölf Monate nach ihrer Erkrankung medizinisch betreut werden müssten, damit sichergestellt werde, dass ihre Partner sich nicht ansteckten, sagte Aylward.

Im März hatten Forscher den Fall einer liberianischen Frau beschrieben, die sich durch Sex mit einem Ebola-Überlebenden ansteckte. Der Mann war sechs Monate zuvor positiv auf Ebola getestet worden. Bis dahin war die längste bekannte Überlebensdauer des Ebolavirus in Sperma 82 Tage gewesen.

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Virusverstecke im Körper

An der nun veröffentlichten Studie nahmen 93 Männer aus Sierra Leone teil, das neben den Nachbarländern Guinea und Liberia am stärksten von der Ende 2013 begonnenen Ebola-Epidemie mit rund 11.300 Toten betroffen war. Die Teilnehmer der Studie wurden zwischen zwei und zehn Monate nach ihrer Erkrankung getestet.

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Die Männer, die in den ersten drei Monaten nach ihrer Erkrankung getestet wurden, hatten ohne Ausnahme noch das Ebolavirus im Sperma. Von den Männern, die vier bis sechs Monate nach der Diagnose getestet wurden, waren noch 65 Prozent positiv. Und immer noch 26 Prozent der Männer, die zwischen sieben und neun Monate nach der Erkrankung getestet wurden, hatten noch das Virus im Sperma.

Die Forscher konnten nicht sagen, ob die nachgewiesenen Virus-Spuren im Sperma noch eine Ansteckungsgefahr für die Partner bedeuteten. Bislang gilt ein Ebola-Patient als geheilt, wenn das Virus nicht mehr im Blut nachgewiesen wird. Trotzdem riet die WHO vergangenes Jahr aus Sicherheitsgründen Männern, die das Ebolafieber überstanden haben, mindestens drei Monate sexuell enthaltsam zu bleiben oder Präservative zu benutzen.

Daniel Bausch, Virologe bei der WHO in Genf, sagte, in bestimmten Teilen des Organismus überlebe das Virus nach der Heilung länger, weil das Immunsystem länger brauche, "um diese Stellen zu reinigen". Dazu zählten die Hoden, das Gehirn, das Rückenmark und der Augapfel.

Ilhem Messaoudi von der Universität von Kalifornien in Riverside sagte, selbst, wenn das Virus nicht im Blut sei, könne es sich an diesen Stellen verstecken. "Wir müssen das wissen, denn das bildet die Grundlage für mögliche neue Ausbrüche."© SPIEGEL ONLINE