Der prominente Fall Angelina Jolie zeigt: Manche Frauen haben eine genetische Veranlagung für Brustkrebs und somit ein hohes Risiko auch zu erkranken. Doch wie erkennt frau, ob sie betroffen ist und wie häufig sind solche Fälle?

Aus Angst vor einer Krebserkrankung hat sich Hollywood-Star Angelina Jolie zu einem drastischen Schritt entschlossen: In einem am Dienstag veröffentlichten Artikel in der "New York Times" berichtet die Schauspielerin, dass sie sich im April vorsorglich beide Brüste abnehmen ließ.

Die Experten des deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gehen bei fünf bis zehn Prozent aller Mammakarzinom-Erkrankungen von einer erblichen Belastung aus. Dann liegt meistens eine Veränderung in den so genannten Brustkrebsgenen BRCA1 oder BRCA2 vor. Wenn in der Familie bereits Fälle von Brust- oder Eierstockkrebs aufgetreten sind, die darauf zurückzuführen sind, ist eine Genanalyse ratsam.

Sollte sich nach der Blut-Untersuchung ein Defekt an BRCA1 oder BRCA2 herausstellen, liegt die Wahrscheinlichkeit, zur Patientin zu werden, bei 80 Prozent. Auch Männer mit einem Defekt von BRCA2 haben im Vergleich zu gesunden Altersgenossen ein erhöhtes Risiko, das in diesem Fall 80 Mal so hoch ist.

Noch seltener ist ein Defekt des Gens RAD51C als Auslöser von Brustkrebs. Onkologen vermuten, dass weitere Gene bei der Erkrankung eine Rolle spielen. Doch dazu gibt es bisher keine genauen Erkenntnisse.

Brustkrebs: Reaktionen auf eine erbliche Belastung

Wenn tatsächlich eine erbliche Belastung durch einen Gentest erkannt wird, dann rät die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologen (AGO) zu regelmäßigen Untersuchungen. Ab dem 25. Lebensjahr sollten betroffene Frauen alle sechs Monate die Brüste von ihrem Arzt abtasten lassen und sich einer Ultraschall-Analyse unterziehen. Zusätzlich raten die Experten Betroffenen ab 30 Jahren zu einer jährlichen Mammographie und einer Kernspintomographie.

Mit weiteren Ratschlägen zur bestmöglichen Vorbeugung ist die AGO sehr vorsichtig. Zwar senke die Entfernung beider Brüste sowie der Eierstöcke die Sterblichkeitsrate von betroffenen Frauen drastisch, doch gehe damit auch Lebensqualität verloren. Durch den Verlust der Eierstöcke werden Risikoträgerinnen etwa vorzeitig in die Wechseljahre versetzt, wodurch in einigen Fällen eine Hormonersatztherapie notwendig wird.

Alternativ kann auch eine vorbeugende Hormonbehandlung Erfolg versprechen. Doch kennt das deutsche Krebsforschungszentrum auch die Schattenseiten so einer Behandlung: Viele Frauen sind offenbar selbst bei hohem Brustkrebsrisiko nach einiger Zeit nicht mehr bereit, die Nebenwirkungen der Hormonblockade zu tolerieren, und brechen dann die Behandlung ab.

Weil es nach Ansicht des DKFZ nicht den einen erfolgsversprechenden Weg gibt, raten die Experten betroffene Frauen, ihre Therapie individuell mit den behandelnden Ärzten zu planen.