Viel Zucker, Fett und Cholesterin? Das allein ist noch kein Grund zur Ablehnung, denn viele Lebensmittel sind besser als ihr Ruf. Sie werden zu Unrecht verteufelt.

"Vorsicht, Kalorienbombe!" Einige unserer Ess- und Trinkgewohnheiten werden kritisch beäugt, weil sich Vorurteile festgesetzt haben. Dabei versteckt sich hinter unseren Lieblingssünden nicht immer gleich eine Fett-, Zucker- oder Cholesterin-Falle.
Kartoffeln sind in Zeiten der kohlenhydratarmen Diäten als Dickmacher verschrien. Was viele nicht bedenken: Der Nährwert hängt von der Zubereitung ab. Eine Portion Pommes schlägt mit knapp 300 Kalorien zu Buche, während es eine Portion Salzkartoffeln auf nur 70 Kalorien bringt.
Schokolade macht nicht nur glücklich, sondern auch gesund. Glauben Sie nicht? Ernährungswissenschaftler in Potsdam konnten mit einer zehn Jahre laufenden Studie belegen, dass der regelmäßige, aber maßvolle Schoko-Genuss Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen kann.
Avocados strotzen vor Fett und sind daher tabu? Nun, der Fettgehalt der Frucht, die zu den Beeren zählt, liegt zwar bei satten 30 Prozent und die rund 400 Kilokalorien bei einer mittelgroßen Frucht sind auch nicht wenig. Doch handelt sich hier um wertvolle ungesättigte Fettsäuren, die positiv auf den Cholesterinspiegel wirken und gut verdaulich sind.
Was noch vor wenigen Jahren als Cholesterinfalle verpönt war, gilt heute als Lebensmittel voller guter Vitamine für Augen und Knochen. Eier enthalten Folsäure, Eisen, Kalzium und Cholin. Abgesehen davon, dass Cholesterin an sich nicht schlecht ist, hat die Forschung auch schon lange herausgefunden, dass die Ernährung nur einen geringen Einfluss auf den Cholesterinwert im Blut hat. Eier verdienen also eine bessere Beurteilung für unsere Ernährung.
Knabbern erlaubt: Ja, auch Nüsse sind Kalorienbomben der gesunden Art. Sind 100 Gramm weggenascht, hat man zwar - je nach Art - an die 600 Kalorien intus. Trotzdem handelt es sich um "gute", also ungesättigte Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel senken. Man sollte jedoch zur ungesalzenen Variante greifen.
Falls Sie zu den Lakritz-Liebhabern gehören, geben Sie Ihrem Heißhunger auf die Nascherei aus Süßholzwurzel ruhig ab und zu nach. Aktuelle Studien belegen die bakterienhemmende und damit immunstärkende Wirkung. Der enthaltene Pflanzenstoff Glycyrrhizin soll zum Beispiel gegen Herpesviren helfen. Aber bitte nur in Maßen zugreifen - der Stoff kann Bluthochdruck auslösen. Außerdem enthält die Leckerei natürlich auch Zucker.
In Maßen genossen, ist Rotwein gut für Herz- und Kreislauf. Er enthält wertvolle Mineralstoffe, die Vitamine C und B6 und senkt den Cholesterinspiegel. Männer sollten nicht mehr als 20 Gramm (also knapp einen Viertelliter Wein), Frauen nicht mehr als 10 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu sich nehmen, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sonst steige das Krebsrisiko.
Fleisch wird zwar schnell als ungesund verteufelt. Wer jedoch nicht häufiger als zweimal pro Woche zugreift und mageres Geflügel, Rind oder Wild wählt, nutzt Fleisch als wichtigen Energielieferanten: Eiweiß, Zink und Eisen helfen der Leistungsfähigkeit und der Krankheitsabwehr auf die Sprünge.
Auch Käse kann gesund sein. Er punktet mit reichlich Kalzium (vor allem Parmesan) und stärkt damit Knochen und Zahnschmelz. Auch fettärmere Sorten bringen ein delikates Aroma mit. Es lohnt sich, die Packung zu studieren: Der absolute Fettgehalt schwankt zwischen 0,7 und 47 Prozent, die Kalorienzahl zwischen 80 und 460 Kilokalorien.
Koffeinjunkies aufgehorcht: Das Koffein im Kaffee wirkt positiv auf Herz und Leber und regt zudem das zentrale Nervensystem an. Außerdem soll das Koffein vor Altersdiabetes, Alzheimer und Leberzirrhose schützen. Mehr als drei Tassen am Tag sollten es aber nicht sein.
Auch Salz wird kritisch betrachtet. In Wurst, Knabbersachen und Fertiggerichten ist oft zu viel davon enthalten und das treibt den Blutdruck in die Höhe. Doch Salz ist wichtig, um das Essen zu würzen und in Maßen absolut notwendig für den Nährstoffhaushalt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Salzzufuhr von weniger als 5 Gramm pro Tag, das entspricht einem Teelöffel. Unterhalb dieses Grenzwertes ist die Aufnahme von Salz ungefährlich.
Es gibt keinen Grund, über Tiefkühlgemüse die Nase zu rümpfen. Denn in ihm sind viele Vitamine eingeschlossen, die bei der Lagerung von frischem Gemüse schnell verloren gehen. Das gilt aber nicht für Dosengemüse, das wiederum deutlich weniger Vitamine enthält als die frische Variante.