Fleischkonsum ist schlecht für das Klima, so das Argument vieler Tier- und Umweltschützer. Nun aber besagt eine neue Studie aus den USA: Salat ist dreimal umweltschädlicher als Speck. Was ist dran?

Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh (Pennsylvania) haben in einer neu veröffentlichten Studie verglichen, wie viele Emissionen ausgestoßen werden, um 1.000 Kalorien eines Lebensmittels zu erhalten – und zwar vom Anbau über die Verarbeitung und den Transport bis hin zu Verkauf, Lagerung und Zubereitung. Das überraschende Ergebnis: Der Ausstoß von Treibhausgasen pro Kalorie ist bei Salatköpfen dreimal höher als bei Speck.

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"Vegetarische Ernährung könnte mitverantwortlich für den Klimawandel sein", lautet ein Fazit der Studie. "Viele der üblichen Gemüsesorten verbrauchen mehr Ressourcen pro Kalorie, als man denkt – Auberginen, Sellerie und Gurken stehen da im Vergleich zu Schwein oder Hühnchen teilweise schlecht da", wird der leitende Professor Paul Fischbeck zitiert.

Zwei komplette Eisbergsalate zum Beispiel haben etwa so viel Kalorien wie zwei Scheiben Speck. Daher seien der Transport und die Lagerung sperriger Salatköpfe pro Kalorie vergleichsweise höher an Emissionen als bei Schweinefleisch, so die Studie.

Natur- und Umweltschützer: Viehwirtschaft verursacht mehr Treibhausgase

Die Ergebnisse widersprechen den Aussagen von vielen Natur- und Umweltschutzorganisationen. "Die Tierwirtschaft, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist in hohem Maße mitverantwortlich für den Klimawandel", sagt zum Beispiel die Tierschutzorganisation Peta. "Je nach Studie werden ihr zwischen 18 und 51 Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgase zugeschrieben, also mehr als dem gesamten Transportwesen weltweit."

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Dies ist besonders auf die Rinderhaltung bezogen, da die Tiere sehr viel Methan verursachen. "Verringert man den Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten, kann der durch die Landwirtschaft bedingte Ausstoß von Methan und Lachgas um mehr als 80 Prozent reduziert werden", sagt Peta.

Auch die Umweltorganisation WWF hat in ihrer 2012 veröffentlichten Studie "Klimawandel auf dem Teller" festgestellt: "Nahezu 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen, auf pflanzliche Produkte dagegen nur knapp ein Drittel."

Klima-Experte: "Der Teufel steckt im Detail"

Wer hat nun Recht? Wie valide sind die neuen Ergebnisse von Professor Fischbeck? "Der Teufel steckt im Detail", sagt Dr. Uwe Schneider, Klimaforscher an der Universität Hamburg und Mitglied im Exzellenzcluster "Integrated Climate System Analysis and Prediction" (CliSAP).

"Man muss zunächst mal feststellen, dass die Ergebnisse der Untersuchung auf einer Meta-Studie basieren. Das bedeutet: Es liegen keine eigenen Untersuchungen zugrunde, sondern die Wissenschaftler haben die sogenannten Fußabdrücke für Wasser, Energie und Emissionen aus anderen Studien herangezogen und verglichen."

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Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn um zu prüfen, wie aussagekräftig die Studie ist, müsste man genau wissen, welche Maßstäbe bei der Bewertung der Emissionswerten angewendet wurden.

Auch ob zwischen direkten und indirekten Emissionen unterschieden wurde, ist auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Indirekte Emissionen entstehen zum Beispiel, wenn bei Umwandlung von Grünland in Ackerland oder von tropischem Regenwald in Weideland Treibhausgase freigesetzt werden.

Zudem werden die Ergebnisse sehr überspitzt dargestellt – sieht man genauer hin, so findet man auch den Hinweis, dass Rindfleisch in Hinblick auf Treibhausgase noch sehr viel schlimmer ist, als Salat. Und etliche Gemüsesorten schneiden sogar besser ab als Speck.

Verzicht auf tierische Produkte allein ist noch kein Umweltschutz

Dennoch: Die Studie bringt ein wichtiges Thema zur Diskussion. Prinzipiell sei es schon möglich, dass bei der Produktion pflanzlicher Nahrung weniger Emissionen ausgestoßen werden als bei der Viehwirtschaft, sagt der Klima-Experte. "Schon allein deshalb, weil ein Glied in der Nahrungskette wegfällt."

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Doch nur weil das in der Theorie möglich ist, heißt noch lange nicht, dass alle Gemüsebauern auch umweltfreundlich anbauen. "Die Landwirtschaft wird derzeit von der Klimapolitik weniger beeinflusst als andere Sektoren", erklärt Dr. Uwe Schneider.

Es gebe keine strengen Vorschriften für Emissionen in der Landwirtschaft, die Landwirte haben daher keinen besonderen Anreiz, emissionsarm zu produzieren.

"Nur weil man also auf Fleisch und tierische Produkte verzichtet, reduziert man nicht automatisch die Emissionen", warnt der Experte.

Viele Faktoren entscheidend – Verantwortung liegt beim Verbraucher

"Die ökologische Gesamtbilanz von landwirtschaftlichen Produkten hängt von vielen Faktoren ab", fasst Schneider zusammen.

Allein der Verzicht auf Fleisch und auf tierische Produkte reicht nicht aus: Wer sich als Verbraucher wirklich klimafreundlich ernähren will, muss selbst Verantwortung übernehmen und prüfen, wo und unter welchen Bedingungen Obst und Gemüse produziert werden.

Man könnte zum Beispiel vermehrt auf regionale Produkte zurückgreifen. Das wäre ein Faktor, der zur Eindämmung von Emissionen beiträgt, bestätigt der Experte: "Dinge aus der Region zu kaufen ist prinzipiell gut, schon allein wegen der kürzeren Transportwege, der Lagerung und der Haltbarkeit".

"Jeder ist seines Glückes Schmied" - den Spruch kennt wohl jeder. Klar, das stimmt immer nur bedingt - aber es gebe definitiv Einstellungen und Denkweisen, die glückliche Menschen...