Kein Fleisch, keine Milch, nicht einmal Honig: Veganer verzichten auf jegliche Art von tierischen Produkten. Trotzdem scheinen diesem Trend immer mehr Menschen zu folgen, vegan ist "in aller Munde". Aber ist es wirklich ein Trend?

Der typische Veganer ist 30 Jahre alt und weiblich, weiß Foodtrend-Forscherin Karin Tischer. Muskelbepackte und betont männliche Anhänger wie Attila Hildmann, der die vegane Ernährungsweise in die Öffentlichkeit gebracht hat, sind also die Ausnahme.

Wie viele Veganer gibt es überhaupt?

Es gibt keine verlässlichen Angaben über die Zahl der Veganer in der deutschen Bevölkerung. Nach Ergebnissen der Nationalen Verzehrsstudie II aus dem Jahr 2008 bezeichneten sich damals in Deutschland 1,6 Prozent als Vegetarier, die Gruppe der Veganer war mit etwa 0,2 Prozent verschwindend gering.

Laut dem Statistikportal Statista lebten 2012 700.000 Veganer in Deutschland. Die Statistik setzt sich allerdings aus verschiedenen Quellen zusammen. Außerdem sind für Deutschland auch sogenannte Flexitarier mit inbegriffen, Personen also, die nur teilweise auf Fleisch verzichten.

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Der Vegetarierbund Deutschland e.V. geht nach eigener Schätzung von derzeit 900.000 Veganern aus, das wären 1,1 Prozent der Bevölkerung.

Auch wenn die Zahlen weit auseinandergehen, für die Foodtrend-Forscherin Karin Tischer ist klar: Bei Veganern handelt es sich statistisch gesehen um eine Gruppe, die völlig vernachlässigbar sei. Den mutmaßlichen Vegan-Trend betrachtet sie nüchtern. "Die Tendenz ist da, aber man darf es nicht überinterpretieren", sagt Tischer auf dem Heidelberger Ernährungsforum im September 2015.

Und wie gesund ist vegane Ernährung?

Aber woher kommt die Tendenz? Ist vegane Ernährung wirklich gesünder? Ernährungsmediziner Prof. Dr. Johannes Erdmann von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf hat verschiedene Studien zum Thema ausgewertet, beispielsweise die renommierte EPIC-Studie. Fleischesser kann er beruhigen: Es gebe wenig Beweise für eine schadhafte Wirkung von Fleisch generell, sagt er Anfang Oktober auf der Veranstaltung "Mythen und Fakten in der Ernährung", die vom Max-Rubner-Institut und dem Kompetenzzentrum für Ernährung organisiert wurde.

Es gebe allerdings Hinweise, dass man den Verzehr von verarbeiteten Fleischprodukten wie Wurst gering halten sollte. Die Studien deuteten auch auf positive Effekte eines höheren Verzehrs von Ballaststoffen, Obst und Gemüse hin. Signifikante Effekte einer veganen Ernährung ließen sich in Studien also bisher nicht nachweisen. Dennoch stehe der tierfreien Ernährungsweise nichts im Wege: Es gebe zwar Risiken wie eine schlechtere Zusammensetzung der Proteinzufuhr oder Vitamin-B12- und Eisenmangel. "Diese Risiken sind jedoch händelbar", beispielsweise durch Nahrungsergänzung, sagt Erdmann.

Umsatz veganer Produkte steigt

Dass der Trend zur veganen Ernährung größer erscheint als er vielleicht ist, liegt laut Tischer hauptsächlich an der Lobbyarbeit: Vor allem junge Leute spreche das Konzept an – also diejenigen, die besonders stark in sozialen Medien und Blogs vertreten seien und damit eine breite Öffentlichkeit erreichten.

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Vegane Ernährung ist derzeit also gefühlt "in aller Munde", und das macht sich auch am Umsatz mit veganen Produkten bemerkbar: Dieser stieg nach Angaben einer Studie des Marktforschungsinstituts bioVista innerhalb eines Jahres um 20 Prozent - 2013 wurden damit 630 Millionen Euro umgesetzt. Die Zielgruppe ist also da, wenn diese auch nicht unbedingt nur aus Hardcore-Veganern besteht.

Denn in Sachen Ernährung gebe es viele Lippenbekenntnisse, so Tischer. Der gleiche Verbraucher gehe mal zum Discounter, mal in den Bioladen und am Wochenende auch mal auf den Wochenmarkt, kaufe Billig-Produkte oder Convenience-Waren. Der vegane Lebensstil ist für viele am Ende aber zu extrem. "Die meisten halten drei Monate durch", sagt Tischer.

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