Mainz (dpa/tmn) - Keine Angst vor Schraubverschlüssen: Nicht nur Weine mit Korkverschluss sind gute Tropfen. Die Flasche gibt keine Auskunft über die Weinqualität. Weinkäufer sollten aber das Etikett genauer studieren, um den passenden Tropfen zu finden.

Allein an der Flasche lässt sich schlechter Wein nicht identifizieren. "Vermeintliche Erkennungsmerkmale wie Schraubverschluss oder Kunststoffkorken geben keine Auskunft über die Qualität des Weines", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Trotzdem können Weinkäufer im Supermarktregal danebengreifen. Denn der Weingeschmack ist individuell und unterschiedliche Weine eignen sich für unterschiedliche Anlässe. Deshalb schadet ein genauer Blick auf das Etikett nicht. Wichtige Fragen und Antworten dazu:

Was können Weinkäufer am Flaschenetikett erkennen?

Auf dem Etikett finden sich wichtige Informationen wie zum Beispiel das Anbaugebiet, der Alkoholgehalt oder der Erzeuger. Ist der Wein nicht vom Erzeuger abgefüllt, wird der Abfüller zusätzlich zum Erzeuger angegeben. Außerdem findet sich auf dem Etikett die Qualitätsstufe des Weins - angefangen bei Tafelwein bis hin zum hochwertigen Prädikatswein. Während diese Angaben auf dem Etikett Pflicht sind, sind andere freiwillig. Dazu gehören unter anderem der Jahrgang und die Rebsorte. "Steht auf dem Etikett nicht drauf, welche Geschmacksrichtung der Wein hat, handelt es sich meist um einen lieblichen Wein", erklärt Büscher. Auf dem Rückenetikett finden Weintrinker häufig Speiseempfehlungen.

Auf welche Qualitätsmerkmale achten Weintrinker beim Kauf am besten?

Wer zu einem Weißwein greift, achtet lieber auf jüngere Jahrgänge. Hier ist ein alter Jahrgang kein Hinweis auf Qualität. "Eine verstaubte Flasche im Regal kann ein Hinweis darauf sein, dass der Wein dort schon etwas länger rumsteht", erläutert Büscher. Wer glaubt, ein Schraubverschluss sei ein Hinweis auf einen minderwertigen Wein, irrt. Denn viele Winzer verzichten mittlerweile auf Korken, um den typischen Korkgeschmack zu vermeiden. Daher muss auch bei Kunststoffkorken niemand fürchten, dass es sich um einen schlechten Tropfen handelt. Literflaschen finden sich eher im niedrigen Preissegment im Supermarkt. "Auch das bedeutet nicht automatisch, dass der Wein nicht gut ist", betont Büscher.

Welcher Wein ist nun der richtige?

"Egal ob Rot- oder Weißwein: Zum Essen passt meist ein trockener Wein", erklärt Büscher. Zu asiatischen Gerichten schmeckt eher ein halbtrockener Tropfen. Auch beim Alkoholgehalt gibt es Tipps. Besonders bei scharfen Speisen ist weniger mehr, denn der Alkohol verstärkt die Schärfe. "Zu einem Gericht mit einer kräftigen Sahnesoße passt allerdings ein alkohollastiger Wein", sagt Büscher.

Weinlese größtenteils beendet

Ein Jahr mit Turboweinlese: Ungewöhnlich früh haben die meisten Winzer in Deutschland ihre Traubenernte abgeschlossen. Insgesamt seien sie mit den Qualitäten zufrieden, sagte der Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI), Ernst Büscher, in Mainz. Die bundesweite Erntemenge werde wohl mit 9,2 Millionen Hektolitern Most leicht über dem langjährigen Durchschnitt von 9,1 Millionen Hektolitern liegen. Im vergangenen Jahr waren es nur 8,4 Millionen Hektoliter.

Laut Büscher sind bereits mehr als 90 Prozent der Traubenernte beendet. "Manche Winzer sprachen von der schnellsten Lese, die sie je hatten." Das feucht-warme Wetter im Herbst und die Kirschessigfliege als neuer Schädling hätten zur Eile angetrieben. Nach dem extrem frühen Austrieb in diesem Jahr seien die Trauben trotz des verregneten Augusts aber auch schon reif gewesen.© dpa