Berlin (dpa) - Intensive Forschung, vielversprechende Ansätze - und am Ende die große Ernüchterung: Für Demenz-Erkrankungen ist nach Ansicht von deutschen Wissenschaftlern und Ärzten keine wirksame Therapie in Sicht.

"Der gesamte Ansatz bisher zeigt, dass man das Syndrom noch nicht wesentlich beeinflussen kann", sagte Hans-Jürgen Möller, Vorsitzender der Hirnliga, eines Zusammenschlusses deutscher Alzheimer-Forscher, in Berlin. "Im Gehirn ist dann schon so viel kaputt". Am 21. September ist Welt-Alzheimertag.

Ohne einen Durchbruch bei Therapien wird sich die Zahl der Demenz-Patienten in Deutschland nach Berechnungen der Experten bis zum Jahr 2050 von 1,5 auf 3 Millionen Menschen verdoppeln. Das liegt auch daran, dass das Risiko für Demenz-Erkrankungen mit dem Alter steigt - und Menschen in Deutschland immer älter werden. Heute ist laut Fachgesellschaften bereits jeder Dritte über 90 betroffen.

Nach Ansicht der Fachgesellschaften werden flächendeckende und verpflichtende Konzepte für die Betreuung und Begleitung von Patienten noch wichtiger. Weder das Gesundheitssystem noch das Sozialwesen aber seien ausreichend darauf eingestellt, sagte Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

So seien viele Krankenhäuser mit der Aufnahme von Demenz-Patienten, die sich zum Beispiel ein Bein gebrochen haben, überfordert. Es fehle an Zeit für Erklärungen und an Betreuern. Auch die Lage pflegender Angehöriger müsse weiter verbessert werden, ebenso der Alltag in vielen Pflegeheimen - hin zu kleinen Gruppen.

Eugen Brysch, Vorsitzender der Stiftung Patientenschutz, warnt davor, den fehlenden Durchbruch bei Therapien zu negativ zu sehen. Das fördere unnötig Ängste. "Die Chance nutzen, heißt, auf professionelle Betreuung und Begleitung zu setzen", sagte er am Freitag. Auch ein Mensch mit Demenz könne ein glückliches Leben führen. Die Bundesregierung setze aber noch zu stark auf Ehrenämter.

Die Weltgesundheitsorganisation hat den Welt-Alzheimertag vor 20 Jahren ausgerufen. Noch vor zehn Jahren gab es große Hoffnungen auf wirksame Therapien, etwa mit Fokus auf Eiweißablagerungen im Gehirn. Daran wird auch weiter geforscht. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass solche Ansätze vorwiegend Patienten nutzen werden, bei denen eine Demenz - oder typische Anzeichen dafür - in einem sehr frühen Stadium entdeckt werden. Gibt es schon deutliche Symptome, können Medikamente die Krankheit bisher meist nur verlangsamen.© dpa