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30.05.2011, 12:49 Uhr

Das Rätsel der hängenden Schuhe

Berlin (dpa) - Schuhe baumeln in der Luft. Sie hängen von Bäumen, Brücken, Ampeln, Stromkabeln. In aller Welt werden sie gesichtet. Doch wer hängt sie dahin? Und warum?

Eines Morgens baumelten plötzlich Schuhe über dem Kopf des Bäckers Halil Kur. Zuerst waren es nur zwei: ein Paar alter Turnschuhe. Halil Kur bemerkte sie auf dem Weg in seine Bäckerei an der U-Bahn-Haltestelle Kottbusser Tor im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Die alten Treter hingen - an den Schnürsenkel zusammengebunden - an einem Kabel, das mehrere Meter über dem Gehweg gespannt ist, wenige Schritte von Halil Kurs Laden entfernt. Damals dachte der Bäcker sich nichts dabei. Jetzt, ein paar Monate später, ist das anders.

An diesem Morgen steht Halil Kur vor seinem Laden in der Sonne und zeigt kopfschüttelnd auf das Kabel: Wo zuerst nur die Turnschuhe hingen, baumeln nun 11 weitere Schuhe einträchtig nebeneinander im leichten Frühlingswind. Der Bäcker ist ratlos. "Schuhe gehören an die Füße! Nicht in die Luft! Was sollen die da?"

Eine Frage, die sich nicht nur Halil Kur stellt - sondern Menschen auf der ganzen Welt beschäftigt. Denn das Phänomen ist keine Seltenheit. Berichte über Schuhe an Kabeln und Strommasten, Ampeln und Laternen, Brücken und Bäumen kommen aus Kanada und Argentinien ebenso wie aus Großbritannien, Österreich oder Neuseeland. Oder eben aus Deutschland. Dort wurden sie außer in Berlin bereits in Leipzig, Hamburg, Köln, München und Konstanz gesichtet.

Wer die Schuhe nach oben wirft und warum, weiß keiner so genau. Im Internet finden sich zahlreiche Erklärungsversuche. Am weitesten zurück geht eine Legende, die aus Schottland stammen soll: Ein aufgehängtes Paar Schuhe in der Nähe eines Hauses symbolisiert dort demnach seit Jahrhunderten, dass ein Mann vor kurzem seine Unschuld verloren hat.

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Was haben die Schuhe zu bedeuten?

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Die meisten Theorien kommen aus den USA: Sie reichen von Studenten oder Schülern, die mit dem Ritual ihren Abschluss feiern, bis zu Soldaten, die am Ende des Militärdienstes mit dem Wurf ihrer Kampfstiefel über Kabel oder Zäune ein Zeichen setzen wollen. Verbreitet sind dort auch shoetrees, Bäume, die über und über mit Schuhen behangen und vor allem an Straßen zu finden sind.

Die wohl schönste Geschichte zu den Ursprüngen dieser Tradition ist von Amerikas bekanntestem shoetree überliefert. Einer Pappel am einsamen Highway 50 in Nevada, an der Hunderte von Paaren baumelten. Das erste Paar soll - den Erzählungen nach - Anfang der 90er Jahre durch die Luft geflogen sein. Ein Liebespaar stritt sich auf dem Weg zur Hochzeit, der Bräutigam schmiss im Zorn die Schuhe seiner Verlobten auf einen Ast. Weil das Paar es nicht schaffte, sie wieder herunterzuholen, redeten sie - und vertrugen sich. Viele Reisende sollen diesem Beispiel gefolgt sein.

Weniger romantisch klingt eine andere Theorie, die weltweit verbreitet ist: Sie besagt, dass Straßengangs und Dealer mit den baumelnden Schuhen ihre Gebiete markieren.

Doch ganz gleich wer aus welchem Grund mit dem Schuhwerfen angefangen hat: Mittlerweile ist der Brauch weltweit zu finden. Sogar bis nach Hollywood haben es die hängenden Treter schon geschafft. In der Polit-Satire "Wag The Dog" sind sie Teil einer großen politischen Inszenierung: In dem Film werfen Robert De Niro und Dustin Hoffman Schuhe über Bäume, um die Bevölkerung von der Sex-Affäre des amerikanischen Präsidenten abzulenken.

Einen Überblick über das Phänomen gibt der Blog "shoefiti.com", auf dem Menschen aus aller Welt Fotos, Berichte und Theorien über hängende Schuhe posten. Betrieben wird er seit 2005 von dem Amerikaner Ed Kohler, der auch den Begriff - angelehnt an die Kunstform Graffiti - geprägt hat.

Auch der Kölner Galerist Gérard Margaritis, der sich auf Street und Pop Art spezialisiert hat, sieht das Schuhwerfen als Kunstform: "Alles, was im öffentlichen Leben stattfindet, nicht dem gesellschaftlichen Reglement entspricht und andere zum Nachdenken anregt, betrachte ich als Kunst", sagte er.

Aus dem Ordnungsamt des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg kommen dagegen ganz andere Töne. "Ich würde das spontan als Müll bezeichnen", sagt ein Sprecher. Wer Schuhe auf Kabel, Ampeln oder Bäume wirft, begehe eine Ordnungswidrigkeit und müsse mit einem Verwarnungsgeld von bis zu 35 Euro rechnen. In Berlin würden die Schuhe an den meisten Stellen aber zunächst erstmal hängenbleiben, schätzt er. "Uns fehlen schlicht die Ressourcen, die einzusammeln."

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53 Meinungen zu "Rätsel der hängenden Schuhe"

  • Katze1
    Donnerstag, 16.02.2012, 11:32 Uhr
    Wenns Spass macht, warum nicht. Es wundert mich nur, daß die Schuhe nicht schon längst von der Feuerwehr entfernt wurde, und noch kein Gesetz gegen Schuhe in Bäumen und Kabeln beschlossen wurde.
  • Scheteff
    Mittwoch, 01.06.2011, 08:39 Uhr
    Ich glaube, wenn ich mal in einer ausgelassenen Stimmung wäre, würde ich das auch gerne mal machen. Lustig! Evtl. auch gar nicht so einfach, je nach dem wie hoch die Kabel hängen?!
  • wernersbasis
    Mittwoch, 01.06.2011, 08:17 Uhr
    Gut daß die Deutschen ihr Ordnungsamt haben, so wissen sie wenigstens genau, was es kostet Schuhe über Stromkabel zu werfen.
  • TheodorHerzl
    Mittwoch, 01.06.2011, 08:14 Uhr
    "Die meisten Theorien kommen aus den USA: Sie reichen von Studenten oder Schülern, die mit dem Ritual ihren Abschluss feiern, bis zu Soldaten, die am Ende des Militärdienstes mit dem Wurf ihrer Kampfstiefel über Kabel oder Zäune ein Zeichen setzen wollen." Ich tippe mal auf das ABI, das zur Zeit bundesweit stattfindet.
  • leitgibts
    Mittwoch, 01.06.2011, 07:50 Uhr
    Ich sag, das waren Außerirdische :-)))
  • pimmock
    Mittwoch, 01.06.2011, 07:23 Uhr
    Vielleicht standen da ja auch in der Nähe Altkleidercontainer, die man aus Langeweile umgeworfen und geknackt hatte, die Schuhe zusammen gebunden und dann raufgeschmissen hat, Idioten gibt es weltweit! Wären es alles ganz schnieke Leisetreter gewesen, dann hätte ich ja vermutet, das es von der FDP kam, sie hatten ja angekündigt, "Wir werden liefern" löl
  • pimmock
    Mittwoch, 01.06.2011, 07:14 Uhr
    ggg das waren alles getragene Schuhe von osteuropäischen Einbrecherbanden, die wollten so die Spürhunde von sich ablenken, sie hatten vorher große Ladenketten ala Deichmann und Co. ausgeräumt, löööl
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