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06.08.2012, 10:36 Uhr

Christopher Street Day: Über 100 000 in Hamburg

Hamburg (dpa) - Mit einer bunten Parade haben Lesben und Schwule in Hamburg den 32. Christopher Street Day (CSD) gefeiert. Tausende Teilnehmer zogen am Samstag in teils schrillen Kostümen zu Fuß oder auf rund 40 geschmückten Lastwagen durch die Innenstadt.

Das diesjährige Motto lautete: "Ehe 2.0 - Nach den Pflichten jetzt die Rechte." Mit Parolen wie "Liebe ist mehr als Mann und Frau" und "Für eine Homogenisierung der Gesellschaft" demonstrierten die Teilnehmer für die rechtliche Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die Polizei sprach von einem friedlichen und fröhlichen Umzug. Insgesamt seien 120 000 Teilnehmer und Zuschauer unterwegs gewesen.

"Wir freuen uns sehr, dass wir zum diesjährigen Hamburg Pride so viele Menschen dazu bewegen konnten, für die Rechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen auf die Straße zu gehen", sagte Ingo Bertram vom Veranstalter Hamburg Pride. Die hohe Zahl der Teilnehmer und Besucher habe die Erwartungen übertroffen. Zu Beginn und zum Abschluss der Parade durchnässten heftige Wolkenbrüche die Anwesenden.

Bei dem rund zwei Kilometer langen Wagenzug waren auch Vertreter von CDU und FDP dabei, der Wagen der Liberalen wurde allerdings vereinzelt mit Buhrufen und Pfiffen bedacht. Vor dem Event hatte es zwischen den Parteien und den Veranstaltern Unstimmigkeiten gegeben.

Am 28. Juni hatte der Bundestag auf Antrag der Grünen erstmals namentlich über die Öffnung der Ehe für Homo-Paare abgestimmt. CDU/CSU und die FDP stimmten dagegen. Wobei es sowohl in der FDP als auch bei der Union Abweichler gab, die sich enthielten. Hamburg Pride forderte die beiden Parteien anschließend in einem offenen Brief auf, ihre Teilnahme an der Demonstration zu überdenken.

In einigen europäischen Ländern, darunter Spanien und Schweden, ist die Ehe auch für homosexuelle Paare möglich. In Deutschland verweigert derzeit das Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft die komplette rechtliche Gleichstellung: Lesben und Schwule dürfen zum Beispiel nicht gemeinsam Kinder adoptieren und sind auch steuerlich schlechter gestellt. Im Anschluss an die Hamburger CSD-Parade diskutierten Vertreter sämtlicher Bundestagsparteien über das Thema. "Wir sind froh, dass wir den diesjährigen CSD politisieren konnten", sagte Hamburg-Pride-Sprecher Bertram. In den vergangenen Jahren habe meist die bunte Party im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden.

Etliche Paraden-Teilnehmer machten mit Slogans wie "Fußball ist alles - auch schwul" und "Fußballfans gegen Homophobie" zudem darauf aufmerksam, dass Homosexualität in einigen Gesellschaftsbereichen noch immer ein Tabu-Thema ist.

Der Christopher Street Day geht auf Vorfälle um den 28. Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Polizeirazzia in einer Bar kam es zum Aufstand von Schwulen und Lesben mit Straßenschlachten in der Christopher Street. Jahrelang gipfelten die schrillen Partys in gewalttätige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Inzwischen findet der Protesttag auch viel offizielle Unterstützung. So hissten bereits am Mittwoch Gleichstellungssenatorin Jana Schiedek (SPD), US-Generalkonsulin Inmi Patterson und Hamburg-Pride-Chef Lars Peters die Regenbogenflagge am Hamburger Rathaus. Auch am US-Generalkonsulat der Hansestadt wehte erstmals die bunte Flagge der Homosexuellenbewegung.

Alle News vom: 6. August 2012 Zur Übersicht: Lifestyle

8 Meinungen zu "CSD: Bunte Feier in Hamburg"

  • Lahaina
    Mittwoch, 08.08.2012, 10:34 Uhr
    Früher hatte der CSD eine Funktion, heute wohl nicht mehr in der Form, da sich Schwule und Lesben nur noch um ihr eigenes Klischee kümmern. Das mag ein Hetero vom Dorf noch interessant oder provokant finden, eine Botschaft oder ein politisches Ziel wird man nicht mehr finden. Somit ist das alles reiner Karneval. Und die immergleichen Fotos von solchen Veranstaltungen bestätigen, dass es entweder um Fummelkram oder um Zurschaustellung des gestählten Körpers geht. Und bevor mich jemand hier blöd anmacht - ich bin selbst schwul.
  • Idiot123
    Dienstag, 07.08.2012, 10:40 Uhr
    CSD ist einfach lächerlich und albern. Sonst nix!
  • picopa
    Dienstag, 07.08.2012, 10:28 Uhr
    @donauwalzer naja, jeder kann sich nur in seinem Zeitgeist bewegen. die Generationen vor uns mögen zwar enger in ihren traditionellem verhalten gebunden gewesen sein, einsam waren diese mit Sicherheit auch, krank und unversorgt ebenfalls, intakte familienstrukturen hatte es nie gegeben, aber immer ein religiös gefördertes Bild davon. Und Rente? Die gibt es auch erst seit gut 150 Jahren, da zu viele Menschen unversorgt geblieben waren im Alter. Interessant sind für die Vergleiche zu heute ja die wissenschaftlichen Erkenntnisse aus dem Bereich der Soziologie, der Wirtschafts- und Sozialgeschichte und Geschichte überhaupt. Da wird einem sehr schnell klar, dass z.b. die (heterosexuelle -) Ehe nur für bestimmte Bürgergruppen vorbehalten war und erst mit der napoleonischen Ära die Ehe für alle auch lebbar wurde, nebst Scheidungen. Und uneheliche Kinder hatte es zuhauf gegeben, die ja später, aufgrund ihrer Geburt als Arbeitstiere betrachte wurden und dass große Heer der Arbeiterklassen in den Städten bildete, nachdem die Landflucht zunahm. Diese zunehmenden Verelendungen mündeten dann bei Bismarck zähneknirschend in den Socialgesetzen, welche uns, die wir in den 68 zur Schule gingen überhaupt erst die Möglichkeiten der höheren Schulbildung, Zuwendungen für ärmere, kinderreiche Familien, freiere Berufswahl/ Arbeitswahl und auch Partnerwahlen ermöglichten. Die liberalere Einschätzung und Lebensweise hilft m.M. demnach mehr, sich zu orientieren und nicht Wunschbilder für alle Gesellschaftsgruppen zu manifestieren, die daran jämmerlich zugrunde gehen werden (bzw. auch der Generation vor 68, nämlich Generation '33 überwiegend den Garaus gemacht hatte!) Die liberalere Lebensweise hilft auch jedem Einzelnen sich in seinem Leben eine kleine Welt und Wirkungsweise aufzubauen. Man muss es nur selbst machen und bekommt nischt vorgekaut. Ich glaube, dass ist für die meisten Zeitgenossen ein recht großes Problem, sich selbst zu entwickeln und nicht nur Anderen etwas nachzumachen.
  • Donauwalzer1
    Dienstag, 07.08.2012, 10:07 Uhr
    @picopa Dein Beitrag ist ja sehr liberal gehalten. Dem kann ich in dem Ausmaß jedoch nicht zustimmen. Ich finde, dass es lediglich dem Zeitgeit entspricht alles und jeden gleich machen zu wollen. Seit ´68 wurden mir zu viele traditionelle Werte über Bord geworfen. Die ganze Gesellschaftsform wurde massiv geändert, ohne jedoch einen sinnvollen Ersatz anzubieten. Ohne diese Generation hätten wir heute keinen demografischen Wandel, hätten intakte Familienstrukturen, weniger gesellschaftliche Vereinsamung - dies kann man sicherlich noch eine Zeit lang fortsetzen. Nun ja, das Resultat haben wir bald. Zumindest ist diese Generation die letzte, die noch eine Rente bekommt. Man kann gewachsene Systeme und Traditionen nicht in 50 Jahren dermaßen zerstören, wie wir es tun. Sollten wir uns nicht auf solche Werte besinnen? Und einen sozialen Sinn sollte man auch so entwickelt haben, dieser sollte nicht durch Steuererleichterungen erzwungen werden.
  • Donauwalzer1
    Dienstag, 07.08.2012, 09:46 Uhr
    CSD? Ich stutzte. Da muss ich entgegnen Aküfi. (Abkürzungsfimmel) Manche Abkürzungen muss man auch nicht kennen. Ich bin der Meinung, dass jeder so glücklich werden soll, wie er will. Wenn man bedenkt, dass Homosexualität vor Jahren noch strafbar war und man heute schief angesehen wird, wenn man dies nicht ist. Ist sicherlich ein Modetrend, ebenso wie das Arschgeweih. Aber das ist meine persönliche Meinung.
  • picopa
    Dienstag, 07.08.2012, 09:31 Uhr
    Nan kann diese Paraden mögen oder nicht. es geht jedoch um Gleichstellungen. Ob nun ausgerechnet die Institution EHE, die ja traditionell-religiös die Ungleichheit von zwei Partnern manifestierte und nur mühsam und seeehr langsam sich vom Staub der Vorstellungen der letzten Jahrtausenden emanzipieren kann- die Institution ist, die zur Gleichberechtigung aller Menschen, ob nun verheiratet, verpartnert oder weder noch leben, führen kann, wage ich zu bezweifeln. Steuerechtlich wäre es einfacher, jeden einfach nach seinem Einkommen UND seinen nachgewiesenen Unterhalts Leistungen (für Kinder, Eltern, Partner) entsprechend zu besteuern. Auch Singles, die in Wohn-Partnerschaften leben oder/und sich um ihre alten Eltern kümmern oder Leute, die sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl einsetzen, sollten steuerlich besser berücksichtigt werden. Wer solches nicht macht und will, zahlt eben mehr Steuern, als Leute die sich wegen Alter, Krankheit, Behinderung und/oder Fürsorge für andere einsetzen und dadurch auch weniger in dieser Leistungsorientierten Gesellschaft verdienen. Damit wäre es egal, ob es sich um homo- oder heterosexuelle Partnerschaften handelt, es zählte / zahlte dann allein der einzelne Mensch nach entsprechenden Kriterien.
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