Stardesigner Pierre Cardin in Belgrad
Doch wenige Stunden zuvor waren sie am Samstag fast alle aufgelaufen, als die private Universität "Megatrend" dem Modezampano die Ehrendoktorwürde verlieh. Cardin streute dem Sozialistenchef und Innenminister Ivica Dacic dort Blumen: Er werde wiederkommen, wenn Dacic es zum Regierungschef schaffe.
Es ist unerträglich heiß in dieser Belgrader Nacht, das Thermometer zeigt immer noch über 30 Grad an. Gastgeber sind "seine Königliche Hoheit, der Thronfolger Alexander II. und Prinzessin Katharina", obwohl Serbien doch schon seit dem Zweiten Weltkrieg keine Monarchie mehr ist. Das "Weiße Schloss" ist in Wahrheit ein abgenutztes graues Haus. Jede Villa der deutschen Gründerfamilien wie die Krupps, Quandts, Thyssens oder Boschs strahlt mehr Größe und Prunk aus als dieses "serbische Versailles".
Und doch ist die Stimmung der 400 Honoratioren und Modeexperten prächtig im Garten hinterm Schloss. Der Altmeister lässt einen Monat vor seinem 90. Geburtstag das Programm routiniert abspulen. Seine Markenzeichen überall: Klar durchgestylte geometrische Formen, von Raumfahrt und Science Fiction inspirierte futuristische Modelle samt klobigen Sonnenbrillen, aber auch fließende Seidenstoffe und Blumenmuster. Auffällig die Lackballerinas der weiblichen Models in Knallfarben ganz ohne Absatz.
Elegante Damenroben aus Seide und Satin schmiegen sich einfarbig in Rot, Grün, Schwarz oder Olive um die schlanken Körper. Tüllärmel und Pelerinen Ton in Ton oder als farblicher Kontrapunkt ergänzen das Outfit.
Farblich abgestimmte große Fliegen oder Blumen an Schultern und Taille bilden Blickfänge. Die Glimmer-Glitzer-Abteilung bietet Pailletten satt in Grün, Altrosa oder Beige. Lang und kurz wechseln sich ab.
Der Männer-Freizeitlook bietet weiß, türkis, grün oder rot gestreifte Sakkos. Die Farben setzen sich in den Beinkleidern fort. Schwarze Sakkos über knalligen Hosen nehmen in den Knöpfen die Farbe der Hosenbeine wieder auf. Demgegenüber dürfte das grelle Silbermetallic zu kontrastierenden schwarzen Hosen und Schuhen eher modisch Wagemutige ansprechen. Schwer tragbar auch die platzgreifenden Damenkleider, die mit ihrem spiralen- oder tellerförmigen Design Aufsehen erregen.
Am Ende sind alle begeistert. Der Meister posiert mit Modemädchen und dickem Blumenstrauß vor den Fotografen, wird von den Veranstaltern geherzt. Und dann gibt es zu den Häppchen Wein aus den "königlichen Weingärten".
Der Thronprätendent, der erstmals Anfang der 90er Jahre in seine Heimat kommen durfte, versucht ein paar holprige Sätze in der Landessprache - und alle müssen schmunzeln. Seine Muttersprache Englisch geht ihm leichter über die Lippen.
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