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30.07.2013, 10:51 Uhr

Die Geschichte des Oktoberfests

Jedes Jahr pilgern mehr als sechs Millionen Menschen zum Oktoberfest nach München. Sie kommen zum Biertrinken, Feiern, Riesenradfahren - mit den Ursprüngen des Oktoberfests hat das kaum mehr etwas zu tun. Wir blicken zurück auf die mehr als 200 Jahre alte Geschichte des Oktoberfests.

Pünktlich zum vorletzten Septemberwochenende besteigen Japaner, Australier und Amerikaner in Massen die Flieger, um in nicht ganz gemütlicher Runde auf der Wiesn zwei, drei Mass gemeinsam zu leeren. Wer sonst nur Reis isst und das mit Stäbchen, müht sich im lauschigen Festzeltambiente mit Hax'n, Knödeln und Weißwürsten ab.

Fremde fallen sich in die Arme, ohne auch nur ein Wort des andern zu verstehen. – Soviel zum IST. Wie aber kam das Oktoberfest zu so viel Ruhm? Wo hat das Fest seine Wurzeln? Oder anders gefragt: Wer hat die Wiesn erfunden?

Das große Hochzeitsfest

Am Anfang steht eine Hochzeit. Nämlich die von Kronprinz Ludwig, dem späteren König Ludwig I, und seiner Angetrauten, der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Oktober 1810. Sie sollte später besagter Wiese ihren Namen geben.

Doch nun der Reihe nach. Ein bürgerlicher Unteroffizier – wohlgemerkt weder ein König noch ein Minister – kommt auf die fixe Idee, diese Vermählung im Rahmen eines großen Pferderennens zu feiern.

Per Mittelsmann – wir sprechen vom Bankier und Kavallerie-Major Andreas von Dall’Armi – gelangt der Vorschlag bis zum Thron. Und der König – damals regiert Max I. Joseph von Bayern - ist begeistert. Die Sache ist gebongt. Oder besser: die Wiesn ist geboren.

Am 17. Oktober 1810, fünf Tage nach der Hochzeit, findet das große Rennen statt. Die Resonanz ist riesig! Herrscherhaus und Volk finden Gefallen an der Veranstaltung und melden ihren dringenden Wunsch auf eine Wiederholung an.

Gelegenheit dazu bietet sich bereits im folgenden Jahr. Die Organisation übernimmt diesmal nicht länger der Königshof, sondern der "Landwirtschaftliche Verein Bayern". Der nutzt das Fest und das Pferderennen, um die Leistungen der bayerischen Bauern zu präsentieren.

Danach findet das Oktoberfest Jahr für Jahr als privat finanzierte Veranstaltung statt. Erst 1819 nehmen die Münchner Stadtväter die Zügel in die Hand. Sie beschließen, dass die Wiesn ab sofort jedes Jahr und ohne Ausnahme gefeiert werden soll.

Stürmische Zeiten

In der Zwischenzeit hat sich einiges ereignet: Im Jahr 1813 wird die Wiesn abgesagt: Bayern ist in die napoleonischen Kriege verwickelt, es gibt keinen Grund zu feiern.

Drei Jahre später, 1816, wird das Fest um die ersten Losstände bereichert. Hauptpreise sind in der Anfangszeit Silber, Porzellan und Schmuck.

Und eine weitere Neuerung kommt hinzu: Die Wiesn wird nicht nur verlängert, sondern auch vorverlegt. Zur Erinnerung: Das erste Oktoberfest hatte man 1810 noch am 17. Oktober gefeiert. Jetzt soll die Wiesn schon im September beginnen.

Schuld daran ist die Schönwetterphase, die sich in Oberbayern in der Regel Ende September einstellt. Bei 30 Grad Celsius, dachten sich die Wiesnväter zu Recht, ist der Durst wesentlich höher als bei nasskalten Herbsttemperaturen.

In den folgenden Jahren wird die Wiesn immer beliebter. 1850 kommt dann eine weitere Attraktion dazu: die Bavaria wurde errichtet. Seither hält die Statue schützend ihre Hand über die Wiesnbesucher.

Ein herber Schicksalsschlag holt die Wiesn im darauf folgenden Jahr ein: Eine Cholera-Epidemie rafft 3.000 Münchner dahin. Das Oktoberfest fällt aus.

Immer wieder muss die Feierlichkeit danach abgesagt werden, aus ganz verschiedenen Gründen: 1866 kämpft Bayern im Preußisch-Österreichischen Krieg. 1870 macht der Deutsch-Französische Krieg den Verantwortlichen einen Strich durch die Rechnung. Im Jahr 1873 wird München erneut von einer Cholera-Epidemie heimgesucht.

Bier her

Ab 1880 geht es mit der Wiesn endlich wieder bergauf: Die Stadt erlaubt den Bier-Ausschank. Außerdem gibt es nun endlich auch elektrisches Licht auf er Theresienwiese. In den rund 400 Buden und Zelten ist es nun auch spät abends noch taghell. 1881 gehen bei der Hendlbraterei die ersten Giggerl über den Tresen. 1892 wird das Bier zum ersten Mal in Glaskrügen ausgeschenkt.

Ende des 19. Jahrhunderts erlebt die Wiesn einen enormen Umbruch: Bis dahin hatte es in den Bierbuden Kegelbahnen, Kletterbäume und große Tanzflächen gegeben. Diese Attraktionen verschwinden nun zunehmend. Der Grund: Man wollte auf diese Weise mehr Platz für Gäste und Musikkapellen gewinnen. Aus den Buden von einst waren Bierhallen geworden.

100 Jahre Wiesn

1910 lassen es die Münchner krachen: Ihre Wiesn feiert den 100. Geburtstag. Mit 12.000 Hektoliter Bier begießen die zahlreichen Gäste das Jubiläum.

Drei Jahre später, 1913, lockt die Wiesn mit dem größten Bierzelt aller Zeiten: Über 12.000 Gäste finden im Bräurosl Platz. Heute gilt die Hofbräu-Festhalle als Spitzenreiter. Sie bietet Platz für rund 10.000 Gäste.

Weltkriege und Inflation

Zwischen 1914 und 1918 muss die Wiesn abermals abgesagt werden. Der Erste Weltkrieg erschütterte auch die Landeshauptstadt München. In den Jahren 1919 und 1920 nimmt man das Feiern wieder auf – jedoch gemächlich. Es wird lediglich ein so genanntes "Herbstfest" veranstaltet.

Die Inflation zwingt die Münchner Stadtväter 1923 und 1924 erneut dazu, das Oktoberfest abzusagen.

Ab 1933 müssen die bayerischen weiß-blauen Fahnen auf der Wiesn einer einheitlichen Hakenkreuz-Beflaggung weichen.

Von 1939 bis 1945 findet wegen des Zweiten Weltkrieges wiederum kein Oktoberfest statt. Danach wird bis 1948 wieder nur "Herbstfest" gefeiert. Der Ausschank von richtigem Wiesnbier ist zu dieser Zeit nicht gestattet. Die Gäste müssen mit Dünnbier vorlieb nehmen.

Insgesamt ist die Wiesn seit ihrem Bestehen 24 mal ausgefallen – aufgrund von Seuchen, Krieg und sonstigen Nöten.

Die Wiesn nach dem Zweiten Weltkrieg

Ab 1950 normalisiert sich das Oktoberfest wieder: Die traditionelle Festeröffnung wird eingeführt. Seither wird das Volksfest mit zwölf Böllerschüssen und dem Anstich des ersten Fasses Wiesnbier um Punkt zwölf Uhr durch den jeweils amtierenden Münchner Oberbürgermeister mit dem Ruf "O’zapft is!" eröffnet. Der erste Oberbürgermeister, dem diese Ehre zuteil wurde, ist Thomas Wimmer.

Spätestens ab den 1960er Jahren entwickelt sich die Wiesn zu einer Veranstaltung von internationalem Rang. Die ersten Japaner, Amerikaner und Neuseeländer entdecken das Oktoberfest und stoßen mit den Einheimischen an.

Sie tragen den Ruf der Stadt München in die Welt hinaus. Seit dieser Zeit stellte man sich im Ausland den typischen Deutschen immer öfter mit Sennerhut, Lederhose oder Dirndl vor.

Weg vom Biergelage-Image

Um das Oktoberfest und insbesondere die Bierzelte wieder attraktiver zu machen für Familien und ältere Besucher, wird 2005 das Konzept der "ruhigen Wiesn" eingeführt.

Den Bierleichen der Vorjahre wird damit offen der Kampf angesagt. Die Zeltbetreiber verpflichten sich, bis 18 Uhr nur "ruhige" Musik zu spielen, zum Beispiel Blasmusik. Außerdem wird die Musiklautstärke am Nachmittag auf 85 Dezibel begrenzt.

200 Jahre Oktoberfest

Zum 200-jährigen Geburtstag 2010 gibt es neben dem "normalen" Oktoberfest die "Historische Wiesn", die von den Münchnern so gut angenommen wird, dass sie ihren festen Platz als "Oide Wiesn" auf der Theresienwiese findet. Dort findet sie nun fast jedes Jahr statt. Alle vier Jahre feiert der Bayerische Bauernverband dort sein Zentrales Landwirtschaftsfest - um seine Bauern zu präsentieren. Daran hat sich seit über 200 Jahren nichts geändert. (vws/mf)

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