Italien wählt: Berlusconi und Co. im Vergleich
Als drittgrößte Wirtschaftsmacht der EU ist Italien im Zuge seiner Wahl die Aufmerksamkeit Europas sicher. Denn der Ausgang wird deutliche Auswirkungen auf den Rest des Kontinents und die Zukunft des Euro haben. Eine instabile Regierungskoalition würde die Zweifel an Italiens Willen und Fähigkeit, in der Eurozone zu bleiben, noch weiter verstärken. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia formuliert in vollendeter Bürokratensprache: "Natürlich ist klar, dass Europa beunruhigt ist über einen möglichen Sieg von Positionen, die dem europäischen Projekt nicht konstruktiv gegenüberstehen."
Aber wer steht eigentlich zur Wahl? In Italien werden insgesamt vier Bündnissen Chancen eingeräumt. "Spiegel Online" hat für die Spitzenkandidaten oder entscheidenden Männer der Koalitionen nur spöttische Worte übrig: "Ein Clown, ein Milliardär, ein Apparatschik und ein Professor, der von Politik nichts versteht."
Der "Clown"
Mit "Clown" ist Beppe Grillo gemeint, seines Zeichens Komiker, Schauspieler und erfolgreichster Blogger Italiens. Grillo versteht sich selbst als Anführer einer Protestbewegung gegen die etablierte Politik. Sein "Movimento 5 Stelle" ("Fünf-Sterne-Bewegung") vertritt die erwartbaren Standpunkte: Die Forderungen beinhalten Freiheit und Transparenz in Sachen Informationspolitik, sozialere Wirtschaftspolitik, Stärkung der direkten Demokratie und kostenlosen Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem. Über allem schwebt aber eine deutliche anti-europäische Grundeinstellung. Italiens Mitgliedschaft in der Währungsunion hält Grillos Partei für ein großes Übel. Obwohl die Bewegung wohl keinerlei Siegchance hat, wird sie mit Sicherheit eine große Anti-Euro-Fraktion im Parlament bilden.
Der "Milliardär"
Der "Milliardär" ist natürlich Silvio Berlusconi. Weshalb sich der gebürtige Mailänder trotz seiner Vergangenheit immer noch auf der politischen Bühne halten kann, ist wohl das exklusive Geheimnis der Italiener. Man stelle sich vor, ein deutscher Kanzlerkandidat wäre mehrfach vorbestraft wegen Steuervergehen und Korruption. Dazu noch unzählige Gerichtsverfahren, die im Sande verliefen, vermutete enge Beziehungen zum organisierten Verbrechen und ein Hang zu Sexorgien mit teilweise minderjährigen Frauen. Unvorstellbar? Nicht in Italien …
Obwohl Berlusconis populistisches Mitte-Rechts-Bündnis lange keine Siegchance bescheinigt wurde, hat sich der Ex-Ministerpräsident mit einem geradezu lächerlich banalen Wahlkampf zurück ins Rennen katapultiert. Seine Wahlversprechen lauten: Steuersenkungen und sogar Rückzahlungen bereits bezahlter Steuern, Amnestien für Straftäter und andere zum Teil skurrile Punkte. Selbstverständlich ist Angela Merkel für Berlusconis Bündnis ein rotes Tuch. Europa und die Währungsunion gelten ebenfalls als großes Ärgernis.
Der "Apparatschik"
Die größten Chancen, die neue Regierung zu bilden, hat laut Experten der "Apparatschik" Pier Luigi Bersani. Seine Mitte-Links-Koalition vertritt einen Pro-Europa-Kurs und gilt als Gegenentwurf zu Berlusconis Bündnis. Auch die beiden Anführer selbst werden als gegensätzlich beschrieben: auf der einen Seite der schillernde Medienmogul Berlusconi mit Hang zu Machismus und starken Gesten, auf der anderen Seite der ruhige Pragmatiker Bersani, dem Glanz und Glamour unangenehm zu sein scheinen. Die von Bersani geschmiedete Koalition ist aber alles andere als homogen, finden sich in ihr doch alle möglichen Strömungen von gemäßigten christlichen Sozialdemokraten bis hin zu militanten Altkommunisten wieder. Das könnte zu einer außerordentlich instabilen Regierung unter Bersani führen.
Der "Professor"
Bleibt der "Professor", also der amtierende Ministerpräsident Mario Monti. Der Wirtschaftswissenschaftler darf allerdings nicht offiziell kandidieren, weil er Senator auf Lebenszeit ist. Er hat aber bereits Bereitschaft signalisiert, sich im Falle eines Sieges seines Bündnisses wieder zum Regierungschef wählen zu lassen. Die einzige Bedingung des Euro-Befürworters ist, dass es keine Zusammenarbeit mit Silvio Berlusconi geben darf.
Das Wahlprogramm seiner gemäßigten Koalition, die "Agenda Monti", enthält Pläne zur Sanierung der Staatsfinanzen, zur Reduzierung der Bürokratie sowie zum Kampf gegen Korruption und Steuerbetrug. Montis größter Nachteil ist allerdings, dass er in Sachen Wahlkampf nicht sonderlich begabt ist. Das zeigt sich in den letzten Umfragen. Hier liegt das Mitte-Bündnis aussichtslos hinter der Konkurrenz zurück.
Egal, welcher Kandidat und welches Bündnis letztlich die Macht in Rom ergattern, eines steht jetzt bereits fest: Es wird eine knappe Angelegenheit - keine gute Voraussetzung für eine stabile und dauerhafte Regierung.
46 Meinungen zu "Berlusconi und Co. im Vergleich"
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secret61
Freitag, 01.03.2013, 10:27 Uhr Bunga, Bunga mehr fällt einem zu dieser Person nicht ein-und so jemand soll die Geschicke eines Staates lenken??? -
Wahlviech
Dienstag, 26.02.2013, 09:15 Uhr Berlusconi ist die Anstaltsversion von Wowereit, der immerhin seine Schwulitäten auslebt, statt sie zu kompensieren. -
Radiodrehknopf
Montag, 25.02.2013, 14:45 Uhr Auch wenn B. vielleicht nicht gerade das Wahre für das Land ist, aber mir gibt es hier ZUU viele unqualifizierte Kommentare über der den ehem. ital. Präsidenten, der sicher um ein Vieles schlauer sein dürfte als so Mancher, der ihn am liebsten auf den Mond schnipsen würde!! ! -
strathmann
Montag, 25.02.2013, 13:56 Uhr Neben Berlusconi ist Strauss Kahn ein Ehrenmann. Oder hat jemand Nachricht darüber, dass auch er bezahlte Damen in seinen Immobilien kostenlos wohnen lässt und sie auch noch aushält? Als Puffbesitzer hat man besseres zu tun, als "Politiker" zu spielen. -
strathmann
Montag, 25.02.2013, 13:54 Uhr Der schwerreiche Dorfkasper Berlusconi ist unvergleichlich. Allerdings unvergleichlich peinlich und dumm. Kein Mensch, der sowas wie eine natürliche Würde besitzt, würde sich solchen Quatsch auch nur einfallen lassen. Steuersatz auf 20 Prozent senken? Und zahlen darf dann der ESM? Das kann ja wohl nicht sein Ernst sein - oder? -
Superkai
Montag, 25.02.2013, 13:29 Uhr Hoffentlich gewinnt Berlusconi nicht wieder. Dann gehts mit Italien und der EU so schnell nicht aufwärts
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