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08.03.2013, 17:21 Uhr

Nordkorea droht mit atomarem Erstschlag: alles nur heiße Luft?

Das Regime in Pjöngjang droht den USA und Südkorea mit einem atomaren Erstschlag - die UN reagieren mit verschärften Sanktionen. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist angesichts der neuen Eskalation "sehr besorgt" und viele Menschen fragen sich, ob jetzt ein Krieg in Asien bevorsteht. Doch wie ernst ist das Säbelrasseln aus Nordkorea wirklich zu nehmen? Ein Blick auf die atomaren Fähigkeiten eines Landes, dessen Bevölkerung seit Jahren an Hunger leidet und das trotzdem mit Hochdruck an der Bombe bastelt.

VonWEB.DE Redakteur Jens Finger

Das Atomprogramm Nordkoreas nahm seinen Ursprung, als der pakistanische Wissenschaftler Abdul Kadir Khan geheime Unterlagen an das asiatische Land verkaufte. Der in seinem Heimatland als "Vater der Atombombe" verehrte Ingenieur gestand 2004 vor laufenden Kameras, eigentlich geheime Pläne auch nach Libyen verkauft zu haben. Im Jahr 2006 gelang es Nordkorea nach eigenen Angaben dann erstmals, eine Atombombe unterirdisch zu zünden. Die dritte Detonation eines solchen Sprengsatzes erfolgte vor wenigen Tagen und verschärfte Sorgen, Nordkorea könne bald im Besitz einsatzfähiger Atomwaffen sein.

Sogar China geht nun auf Distanz zum kommunistischen Nachbarn. >

Auch der Start einer Unha-3-Rakete im Dezember 2012 dürfte für das Regime in Pjöngjang ein wichtiger Schritt in Richtung Atommacht gewesen sein. Der von der US-Luftverteidigung Norad bestätigte Eintritt einer Rakete in den Weltraum deutet darauf hin, dass die Nordkoreaner in der Lage sind, einen Satelliten oder auch einen Sprengkopf in den Orbit zu schießen - eine unabdingbare Vorrausetzung für den Status einer Atommacht. Doch der Start einer Trägerrakete ist laut Experten nur eine Aufgabe von vielen, die ein Land lösen muss, um den Status einer Atommacht zu erlangen.

Lichtjahre von der Bombe entfernt

Glaubt man Mark Fitzpatrick, Abrüstungsexperte des international anerkannten International Institute for Strategic Studies (IISS) in London, ist Nordkorea noch immer weit davon entfernt, einen atomaren Sprengkopf einsetzen zu können. Zwar hatte der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates im Jahr 2011 prophezeit, Nordkorea könne im Jahr 2016 die Bombe haben - dabei handelte es sich jedoch um ein Worst-Case-Szenario.

Eine Rakete in den Weltraum zu bringen, ist laut Fitzpatrick nur ein Teil eines längeren Prozesses. Ebenso groß seien die Herausforderungen bei der Zielführung eines Sprengkopfes und der Schutz beim Wiedereindringen in die Atmosphäre, sagte Fitzpatrick der britischen BBC. Auch müsse der Sprengkopf mit dem zündfähigen Material klein genug sein, um von einer Rakete transportiert werden zu können. Da Nordkorea all diese Fähigkeiten nicht habe, sei in der näheren Zukunft nicht mit einer einsatzfähigen Bombe zu rechnen.

Deutsche Wissenschaftler teilen diese Auffassung: Auch der Hamburger Politikwissenschaftler August Pradetto glaubt nicht, dass von Nordkorea derzeit die ernstzunehmende Gefahr eines Atomschlages ausgehe. Das Land habe keine adäquaten Kapazitäten, um einen solchen Angriff auszuführen, sagte der Experte für internationales Krisenmanagement im Deutschlandradio Kultur. "Es gibt ein paar nukleare Sprengköpfe, es gibt einige Raketen - aber das bedeutet noch lange keine interkontinentale Schlagfähigkeit", erläuterte der Professor der Universität der Bundeswehr Hamburg.

Nordkorea in die Steinzeit bomben

Nordkorea wisse auch, dass selbst ein begrenzter Angriff auf US-Streitkräfte in Südkorea die vollständige Vernichtung des nordkoreanischen Militärs und seiner politischen Führung nach sich ziehen würde, so Pradetto weiter: "Die USA und Südkorea sind militärisch haushoch überlegen." Auch die Ankündigung Nordkoreas, den Waffenstillstandsvertrag mit Südkorea aufzulösen, zeige keine militärische Angriffsabsicht.

Sind die Drohungen aus Pjöngjang also wirklich nur heiße Luft? Es scheint so. Trotz 1,2 Millionen Männern und Frauen unter Waffen - eine der zahlenmäßig größten Armeen Asiens - gilt Nordkoreas Militär als wenig schlagkräftig, was auch der desolaten wirtschaftlichen Lage geschuldet ist. Selbst ein Angriff mit konventionellen Waffen auf Südkorea erscheint vor diesem Hintergrund äußerst unwahrscheinlich. Die martialischen Äußerungen der nordkoreanischen Führer dürften daher vor allem einem Ziel dienen: Die Macht des bröckelnden Regimes nach innen zu sichern.

Alle News vom: 8. März 2013 Zur Übersicht: Nachrichten

540 Meinungen zu "Nordkorea: alles nur heiße Luft?"

  • ruedigerda
    Freitag, 05.04.2013, 17:00 Uhr
    wie krank ist doch unsere Welt das die soloche dinge machen anstatt sich mal ein frieden ruhe sicherheit liebe und gesundheit zu gönnen. Ich kann dass nicht verstehen. ...
  • ruedigerda
    Freitag, 05.04.2013, 16:59 Uhr
    wie krank ist doch unsere Welt das die soloche dinge machen anstatt sich mal ein frieden ruhe sicherheit liebe und gesundheit zu gönnen. Ich kann dass nicht verstehen. ...
  • aserglembug
    Freitag, 05.04.2013, 15:39 Uhr
    da gibt es nur eins Amerikaner, Russen und Chinesen an einen Tisch und diesem Möchtegern Gröfaz zeigen, wo der Hammer hängt, wenn die 3 sich einig sind, dann geht dem aufgeblähten Telletubby bald die Luft aus!
  • aserglembug
    Freitag, 05.04.2013, 15:35 Uhr
    na vielleicht gelingt es den Amerikanern so etwas wie den "Zwischenfall von Tonking" zu provozieren, wohin das geführt hat, wissen wir ja, 60 000 GIs hat das das Leben gekostet, dass der damalige President Johnson den Zwischenfall provoziert hat ist heute erwiesen, ja da wären wir ja dann auch bei Überfall auf den Sender Gleiwitz "Seit 5:45 Uhr wird jetzt mit regularen Truppen zurückgeschossen" O-ton Gröfaz, 1939. Ich frage mich, wer hindert eigentlich die Amerikaner daran mit dem diktatorischen System in Nordkorea zu verhandeln? wird doch wohl nicht die Rüstungsindustrie sein, oder doch???!
  • garusis
    Freitag, 05.04.2013, 13:29 Uhr
    Ich finde man sollte Kim nicht unterschätzen. Selbstverständlich wäre Nordkorea bei einem Kriegsausbruch gegen die USA, Südkorea & China himmelweit unterlegen jedoch wird es trotz dieser tatsache Verluste geben und man sollte nicht nur an das Land sondern auch an die Einwohner denken. Bei einem Angriff Nordkoreas auf den Stützpunkt in Guam werden bei zu langsamen Reagieren schon viele Menschen sterben und über die nordkoreanischen Verluste bei der Vergeltung dieses Angriffs will ich garnicht reden. Der nordkoreanische Machthaber scheint mir zu stark im Glauben zu sein "nur" wegen seiner Ehre keine Sanktionen der UN hinnehmen zu können und genau dieser Irrglaube macht ihn umso gefährlicher im Bezug auf das oben genannte Szenario. Man sollte schon versuchen einen politischen Weg zu finden um Kim weg von seiner "Scheinehre" und hin zu Vernunft zu führen sodass man garnicht erst von Verlusten oder Opfern berichten muss!
  • volker69
    Freitag, 05.04.2013, 13:07 Uhr
    Ich vermute mal das Nordkorea eher darauf baut das die USA und Südkorea den Erstschlag wagen.Es ist ja bekannt das danach das Land wieder auf die Beine gestellt werden muss.Und genau da sehe ich die Absicht der Nordkoreanern.Das Land ist wirtschaftlich am Ende.
  • Benutzer53783
    Donnerstag, 04.04.2013, 17:21 Uhr
    In manchen Beiträgen wird es als Lösung angesehen, Nordkorea einfach komplett platt zu machen. Würden solche Forderer es auch gut heißen, wenn sie selbst so betroffen wären wie dann das bedauernswerte Volk in Nordkorea ? Doch wohl kaum. Abgesehen davon müßte wohl für eine "Komplettauslöschung" ein grausamer Atomschlag erfolgen und zwar mit allen Folgen daraus: radioaktive Verseuchung auf sehr lange Zeit, auch von Nachbarländern und darüberhinaus. Eine eskalierende Feindschaft mit China wäre 100%ig sicher. Die negativen Folgen wären auch ohne so etwas noch sehr extrem. Aber auch kleinere atomare Schläge ohne Komplettauslöschung des Landes würden sich katastrophal auswirken. Also erstmal überlegen, ehe man einen solchen Blödsinn schreibt ! Freilich weiß auch ich, dass ein atomarer Angriff Nordkoreas kaum ohne drastische Gegenschläge bleiben könnten. Darüber sollte man hier aber besser nicht spekulieren.
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