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25.11.2012, 14:10 Uhr

Piraten erweitern ihr Programm

Bochum (dpa) - Unter dem Druck schlechter Umfragewerte hat die Piratenpartei am Wochenende ihr Programm erneuert und sich Mut gemacht für die Bundestagswahl. Der Bundesparteitag in Bochum beschloss Grundsätze zur Wirtschafts-, Renten- Außen- und Umweltpolitik.

Die fehlenden Aussagen zu diesen Bereichen waren immer wieder Auslöser für Kritik an der jungen Partei gewesen, die bundesweit noch eine Zustimmung von vier bis fünf Prozent hat. An dem Parteitag nahmen rund 2000 Mitglieder teil - so viele wie nie zuvor in der jungen Geschichte der Partei.

"Das Leitbild der Piraten ist eine Ordnung, die sowohl freiheitlich als auch gerecht als auch nachhaltig gestaltet ist", heißt es im Grundsatzprogramm zur Wirtschaftspolitik, das am Samstag beschlossen wurde. Darin setzen sich die Piraten auch von der Wachstumspolitik anderer Parteien ab. Das Ziel der Vollbeschäftigung wird als "weder zeitgemäß noch sozial wünschenswert" abgelehnt. Befürwortet wird ein bundesweiter gesetzlicher Mindestlohn als Zwischenlösung zu dem mittelfristig angestrebten System einer "bedingungslosen Existenzsicherung" für alle.

Rentner sollen nach dem Willen der Piraten eine Mindestrente erhalten. Das bisherige Rentensystem müsse so umgestaltet werden, dass "die Stärkeren sich angemessen mit Beiträgen an der Rentenversicherung beteiligen". Unter anderem sprechen sich die Piraten dafür aus, alle Rentensysteme, auch die Pensionen im öffentlichen Dienst, zu einer Rentenkasse zusammenzuführen.

Am Sonntag gab sich die Partei erstmals Grundsätze zur Außenpolitik. "Leitmotiv des globalen Handelns der Piratenpartei ist das Engagement für Menschenrechte und eine gerechte Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung", heißt es darin. "Wir treten weltweit für die Förderung der Zivilgesellschaft und die Lösung von Konflikten mit friedlichen Mitteln ein." Ferner sprechen sich die Piraten für eine stärkere Förderung der Friedens- und Konfliktforschung aus, für "geeignete Rahmenbedingungen für offene Märkte und freien Informationsaustausch", sowie für Transparenz bei internationalen Verhandlungen und Verträgen.

Bei der Umwelt- und Energiepolitik sind die Piraten für den Ausstieg aus der Kernenergie binnen drei Jahren. Grundsätzlich treten sie ein für einen "verantwortungsvollen und generationengerechten Umgang mit den zum allgemeinen Wohlergehen notwendigen Ressourcen immaterieller oder materieller Art".

Der Politische Geschäftsführer, Johannes Ponader, warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag vor, ihre "farblose" Politik zu Unrecht als alternativlos darzustellen. Dem designierten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück hielt er eine "Salamitaktik" zur Kritik an seinen Nebentätigkeiten vor. Die Grünen liebäugelten mit der Union, sagte Ponader, am Ende stünde eine große Koalition, die Stillstand bedeuten würde. "Deshalb braucht es uns Piraten."

Die eigene Partei rief Ponader zu einem fairen Umgang auf. "Es gewinnt nicht der, der am lautesten schreit oder am heftigsten beleidigt." Nach massiven Personalquerelen erklärten im Oktober zwei Mitglieder des Bundesvorstands ihren Rücktritt.

Der Vorsitzende Bernd Schlömer bezeichnete die Piraten als "sozialliberale Kraft der Informationsgesellschaft". Dieses Profil müsse überzeugend und unverwechselbar herausgestellt werden. Sein Stellvertreter Sebastian Nerz sagte der Nachrichtenagentur dpa, er erwarte, dass die Landtagswahl in Niedersachsen den Piraten neuen Auftrieb geben werde. "Ich gehe davon aus, dass die Piraten in den Landtag gewählt werden. Wenn nicht, wird uns das einen zusätzlichen Motivationsschub geben."

Alle News vom: 25. November 2012 Zur Übersicht: Nachrichten

118 Meinungen zu "Bochum: Piraten beraten weiter"

  • devil503
    Donnerstag, 29.11.2012, 12:34 Uhr
    wen interessiert ernsthaft was die Piraten fordern???
  • Robespierre56
    Donnerstag, 29.11.2012, 07:46 Uhr
    Wurde ja auch mal Zeit, dass da endlich jemand den Atomausstieg fordert. In NRW marschieren sie Seit' an Seit' mit den Schwarz/Gelben Wahlverlierern und verurteilen den Haushaltsplan 2012, weil er zu spät vorgelegt wurde. Dabei haben sie noch garnicht gemerkt, dass der nur durch die völlig überflüssige und teure, von den versagern Schwarz/Gelb eingeklagte Neuwahl, verzögert wurde. In ihrer Begriffsstutzigkeit und Konzeptlosigkeit sind sie wie ihre Vorbilder in der Regierung.....sie orientieren sich an den Trends der BILD.
  • sturzhelm
    Donnerstag, 29.11.2012, 07:40 Uhr
    Wenn man sich vorstellt dass auch diesen Witzfiguren für ihre Null-Leistungen fürs Volk Staatliche Zuwendungen in Millionenhöhe zustehen! Das war übrigens ihre erste Handlung, Klage einzureichen, weil sie sich in der Höhe der Zuwendung benachteiligt fühlten. Da sie aber nicht mehr Zuwendungen erhalten als sie selbst einnehmen haben sie ein Problem, fast die Hälfte ihrer Mitglieder zahlen die Mitgliedsbeiträge nicht. Auf diesen ....haufen kann man verzichten. Nur Zeit-/Geldverschwendung!
  • hajoaku
    Mittwoch, 28.11.2012, 17:25 Uhr
    wow, Atomausstieg!!! Super Thema, soll man euch deshalb wählen????
  • KaiSchu
    Mittwoch, 28.11.2012, 09:28 Uhr
    Lieber Europa-Ausstieg als Atomaustieg!
  • u12345
    Mittwoch, 28.11.2012, 08:04 Uhr
    Ich wollte eigentlich nächstes Mal die Piraten wählen, weil ich dachte, dass sie zu anderer Politik als die Blockparteien fähig sind. Jetzt stellt sich heraus, dass sie ihre Politik noch stärker an der Meinungsmache der Medien ausrichten als die Blockparteien. Beim Atomausstieg z. B. waren sich die Blockparteien ja schon einig, die Piraten wollen sie da jetzt noch übertreffen. Sie sind nicht fähig, die Realitäten der "Energiewende" wie Kosten, fehlende Netze, Speicher, Netzstabilität auch nur zur Kenntnis zu nehmen oder mal nachzudenken. Würde mich nicht wundern, wenn sie als nächstes die Todesstrafe für alle Männer beschließen, die wie Kindersch. aussehen oder verdächtigt werden. Da können wir auch gleich die Verleger von Springer, Bunte, Süddeutsche als Regierung wählen.
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