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25.11.2012, 12:44 Uhr

Piraten fordern Basisdemokratie

Bochum (dpa) - Fünf Ergebnisse in neun Stunden: Basisdemokratie kann ganz schön mühsam sein. Jedes Mitglied kann auf dem Bundesparteitag der Piraten spontan einen Antrag zur Geschäftsordnung stellen. Dennoch arbeitet die Versammlung in Bochum mit rund 2000 akkreditierten Teilnehmern durchaus diszipliniert.

Die inhaltliche Erweiterung des Programms gelingt allerdings nur ansatzweise. "Man sieht ja, dass die Arbeit auf einem Parteitag in dieser Form nicht so effizient ist", räumt Vorstandsmitglied Klaus Peukert ein. "Wir brauchen also etwas Anderes."

Das könnte eine "Ständige Mitgliederversammlung" im Internet sein, abgekürzt SMV. Dafür ließe sich die vom Verein Interaktive Demokratie erstellte Online-Plattform Liquid Feedback weiterentwickeln. Diese Software wird von den Piraten kaum genutzt. Weniger als ein Drittel der mehr als 34 000 Mitglieder sind angemeldet, rund 6000 machen aktiv mit. Die Gründe: Einige Mitglieder haben Vorbehalte, andere sind gar nicht so internetaffin wie gemeinhin angenommen wird.

Piraten

Unter dem Druck schlechter Umfragewerte hat die Piratenpartei am Wochenende ihr Programm erneuert und sich Mut gemacht für die Bundestagswahl. >

"Wenn das System aufzeichnet, wer wie abstimmt und dies öffentlich macht, findet Überwachung statt", sagt der stellvertretende Bundesvorsitzende Sebastian Nerz. "Es gibt kein Online-Abstimmungssystem, das sowohl echte Meinungsfreiheit als auch Nachvollziehbarkeit ermöglicht." Eine SMV sei einfach "undemokratischer Unsinn", schimpft der Tübinger Informatiker.

Es müsse sichergestellt sein, dass alle online anfallenden Daten auch wieder gelöscht werden, sagt der ehemalige Piraten-Vorsitzende Jens Seipenbusch. Er ist auch gegen eine SMV, kann sich aber intelligente Lösungen für einen Online-Parteitag vorstellen.

Eine Studie der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags kommt zu dem Ergebnis, "dass keine zwingenden Gründe gegen die rechtliche Zulässigkeit von Online-Parteitagen ersichtlich sind". Die Vorgaben des Parteiengesetzes ließen sich durch technische Vorkehrungen gewährleisten.

"Wir machen keine Pseudodemokratie, sondern wir agieren basisdemokratisch", sagt der Politische Geschäftsführer Johannes Ponader am Sonntag in der Ruhrcongress-Halle. "Dabei zählt Qualität und nicht Quantität."

Aber gerade bei der Qualität wachsen die Zweifel. "Wer keine Kohle hat, für den ist es schon schwer, zum Parteitag zu kommen", sagt ein Brandenburger Pirat. Und der Berliner Fraktionsvorsitzende Christopher Lauer sieht seine Partei am Scheideweg: "Entweder wir machen das mit der "Ständigen Mitgliederversammlung" oder wir brauchen ein Delegiertensystem."

Auch die Grünen halten die Basisdemokratie hoch, schicken aber Delegierte zu ihren Parteitagen. Als Gast ist in Bochum Malte Spitz vom Bundesvorstand der Grünen dabei. Sein Eindruck: "Ich fand es atmosphärisch nett." Aber bei der Piratenpartei seien die Verfahren oft wichtiger als die Inhalte. "Eine stärkere Online-Komponente kann helfen, Debatten zu führen und Anträge vorzusortieren. Grundsatzstreitigkeiten bleiben aber bestehen, "Ständige Mitgliederversammlung" hin oder her."

Piraten fordern Lockerung des Jugendschutzes

Auch hat die Piratenpartei auf ihrem Bochumer Bundesparteitag eine Lockerung des gesetzlichen Jugendschutzes gefordert. Die Regelungen seien "zu streng, überbürokratisiert und nicht mehr zeitgemäß", heißt es in dem am Sonntag angenommenen Antrag. Es dürfe keinen Missbrauch von Jugendschutzargumenten für Zensurzwecke geben.

Der Jugendschutz sei nur dann sinnvoll, wenn "eine nachgewiesene Gefährdung" von Kindern und Jugendlichen abgewendet werden kann, heißt es weiter. Die bisherigen Regeln seien "so unpraktisch, dass sie sogar von verantwortungsbewussten Eltern regelmäßig ignoriert werden". Stattdessen sollten die Eigenverantwortung und die Medienkompetenz von Jugendlichen und Eltern gestärkt werden.

Alle News vom: 25. November 2012 Zur Übersicht: Nachrichten

102 Meinungen zu "Piraten fordern Basisdemokratie"

  • 132leorobi
    Sonntag, 03.03.2013, 08:47 Uhr
    alle macht dem volke?? sowas kann man wählen tatt alle macht dem fraktionszwang??? und damit der partei??? wie in der ddr??
  • strathmann
    Sonntag, 03.03.2013, 08:36 Uhr
    Die Piraten brauchen die Klärgrube nicht anzusteuern. Sie SIND die Klärgrube.
  • strathmann
    Sonntag, 03.03.2013, 08:33 Uhr
    Diese Schwätzer kommen damit nicht mal in ihrem eigenen Wolkenkuckucksheim klar. Das dürfte reichen um zu beweisen, dass sie auch im größeren Rahmen scheitern müßten. Die eigene Puppenstube sollte Warnung genug sein.
  • strathmann
    Sonntag, 03.03.2013, 08:33 Uhr
    Diese Schwätzer kommen damit nicht mal in ihrem eigenen Wolkenkuckucksheim klar. Das dürfte reichen um zu beweisen, dass sie auch im größeren Rahmen scheitern müßten. Die eigene Puppenstube sollte Warnung genug sein.
  • lastkraftwagenlenker
    Samstag, 02.03.2013, 15:34 Uhr
    Was darf man von einer Partei erwarten, die gerne in eine Kommune, ein Land, oder in den Bundestag einziehen möchte? Das sollte die erste Frage sein! Wo kommt sie her, wer ist aktiv, wie präsentiert sie sich und vor allem, welchen *politischen Sachverstand hat sie?* Früher sagte man so gerne *neue Besen kehren gut* und das ist in der Tat richtig. Ein jeder Mensch weiß doch, wenn irgendeiner in eine leitende Position oder einen Aufsichtsrat, oder gar in die Bundespolitik möchte, kann er keine Rücksicht auf einen Mitstreiter nehmen, es sei denn, er ist fachlich, moralisch und vielleicht sogar *menschlich* dazu in der Lage und auch Willens. Politik ist ein schmutziges Geschäft und nimmt keinerlei Rücksicht auf menschliche Schicksale! Alle , aber auch alle Parteien haben ihre leichen im Keller! Die traditionellen Parteien wie SPD, CDU/CSU und FDP habe sich mehr oder weniger etabliert und klüngeln nur noch so vor sich hin. Bei den Grünen wurde erstmals versucht, die alten, starren und verkrusteten Strukturen zu durchbrechen und in vielerlei Hinsicht hat das auch Erfolg gehabt. Einer unserer besten Aussenminister ist darus hervorgegangen, keine Frage. Dennoch ist das heute auch eine Schmierenkomödie. Sie müssen sich anpassen, sonst sind sie weg vom Fenster und die *Macht* ist hin. Dann kam die PDS, die nach wie vor noch an der Macht ist, egal, wie sie heute heisst. IM`s, Stasigrössen und korrupte Menschen haben heute dort das sagen. Früher haben sie Ihr eigenes Volk verraten und bespitzelt und heute tun sie so, als seien sie die einzigen die etwas richten könnten, ein Greul, wenn die an die Macht kämen. Nun kommen die Piraten. Eine zugegeben junge Partei, allerdings vollkommen unerfahren, keinen politischen Verstand und absolut chaosfähig! Was muss passieren? Es ist eigentlich ganz einfach, sie sollen sich politisch schulen, sie sollen sich am *Menschen* orientieren und vernünftig organisieren. Und vor allem sollten sie sich auf ihre Fahne schreiben, endlich mal Schluß mit der Klüngelei, der Korruption, der Bevormundung und der unmenschlichen Politik. Aber auch die Parteimitglieder heißen nicht alle *Copperfield* ! Also warum sich aufregen? Sie werden selbst den freien Fall erleben, wenn es ihnen nicht selbst gelingt, sich abzugrenzen, glaubwürdig zu werden/sein und sich wirklich fachlich und menschlich zu präsentieren!
  • Kristoferson
    Sonntag, 02.12.2012, 14:32 Uhr
    Warum Piraten,und nich gleich Idio.......
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