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06.02.2013, 15:11 Uhr

Wie lange steht Merkel noch zu Schavan?

Berlin (jfi/dpa) - Im Plagiatsverfahren um Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) entzieht ihr die Universität Düsseldorf den Doktortitel. Die CDU-Politikerin will gegen die Entscheidung nun juristisch vorgehen. Doch hat sie überhaupt eine Chance, ihren Doktortitel zu retten? Ein monate- oder gar jahrelanger Prozess könnte auch Angela Merkel und deren Chancen auf eine Wiederwahl als Bundeskanzlerin beschädigen.

Nach der Entscheidung der Universität Düsseldorf hat die Ministerin nun einen Monat Zeit, über ihre Anwälte eine Klageschrift beim Verwaltungsgericht Düsseldorf einzureichen. Unmittelbar nach dem Urteil am Dienstagabend hatten Schavans Anwälte verlauten lassen, die Entscheidung sei in einem "fehlerhaften Verfahren" zustande gekommen und "materiell rechtswidrig".

Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes und selbst Jurist, sieht es zwar als gutes Recht Schavans an, gegen den Entzug ihres Doktortitels Rechtsmittel einzulegen. Ein solches Verfahren werde aber nicht vor der Bundestagswahl entschieden und könne sich bei einer Revision auch über Jahre hinziehen. Schavan solle die Entscheidung der Universität Düsseldorf "zunächst als Faktum" akzeptieren, sagte Kempen weiter. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es klug wäre, unter diesen Umständen weiter im Amt zu bleiben."

Als Ministerin noch tragbar?

Sollte Annette Schavan als Ministerin zurücktreten?

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Ähnlich könnte es auch die Kanzlerin sehen. Ein langes Verfahren um die Bildungsministerin würde der Opposition immer wieder neue Munition für den Bundestagswahlkampf liefern. Und Kanzlerin Merkel ist viel zu sehr Macht- und Instinktpolitikerin, als dass sie ihre Wiederwahl durch Nibelungentreue zu ihrer Vertrauten Schavan gefährden würde. Zwar hat die Bundeskanzlerin ihrer für die nächsten fünf Tage im fernen Südafrika weilenden Ministerin ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Doch was das für Schavan wert sein dürfte, zeigt ein kurzer Blick auf einen berühmten anderen Ex-Doktor und einen in Ungnade gefallenen ehemaligen Bundespräsidenten.

Gibt man bei der Websuche "Merkel volles Vertrauen" plus einen beliebigen Politikernamen ein, gibt es aus der jüngeren Zeit für genau zwei Namen signifikante Ergebnisse: Karl-Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff. Beide hatten auf dem Höhepunkt ihrer jeweiligen Skandale - je nach Zitierweise - das "volle" oder gar das "vollste" Vertrauen der Bundeskanzlerin. Genutzt hat es beiden am Ende nichts: Nach wochenlangen Abwehrschlachten mussten sie schließlich doch zurücktreten - und von der Kanzlerin war plötzlich nur noch wenig zu hören. Wir sind gespannt, wie lange Schavan noch auf das "volle Vertrauen" der Bundeskanzlerin setzen kann.

Alle News vom: 6. Februar 2013 Zur Übersicht: Nachrichten

485 Meinungen zu "Todesstoß "volles Vertrauen""

  • Knecht007
    Mittwoch, 13.02.2013, 16:47 Uhr
    In D-Land zählt nur der was, der einen Titel hat... und deshalb werden karrierebewusste Menschen diesen Titel erwerben.. Mitunter nach dem Motto "Koste es, was es wolle".. Menschen ohne Hochschuldiplom oder Titel werden eher selten ernst genommen. Eine Bekannte ist Heilpraktikerin Psychotherapie.. dies mit Leib und Seele.. Erfahrungen im pflegerischen Bereich und langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in diversen Beratungsstellen standen einer zweijährigen "Ausbildung" zur HP Psychotherapie voraus. Nach der Prüfung (durchfallquote lag bei 40%) dann erste Schritte in die Praxistätigkeit.. Nach anfänglichen Nachfragen von Hilfebedürftigten kam der Kampf mit den Kosten. Die gesetzlichen Versicherungen zahlen nichts, die Beihilfen zahlen nichts, die PKV nur in absoluten Ausnahmefällen.. "Man habe ja keinen qualifizierten Titel".. Die Menschen, die Hilfe suchten, fanden diese sehr oft. Mussten alles selber zahlen. Klientel leider diejenigen, die eh kaum Geld haben.. Die mit Geld suchen einen Starpsychotherapeuten, der viel Geld nimmt denn "was nix kostet, ist auch nix".. So musste die Bekannte ihre Praxis mit Verlust schließen.. Anfragen waren genug da, nur kamen die Leute eben nur dann, wenn es von der Kasse bezahlt wird. Alles scheitert an dem Titel.. Die Kassen fragen nicht nach sinn und nutzen.. Sie fragen auch nicht die Patienten, die zufrieden waren.. sie fragen nach dem Papier, wo der Titel draufsteht.. und Menschen, die Hilfe brauchen, müssen lange auf Termine bei zum Teil überlasteten zugelassenen Psychotherapeuten warten und stürzen völlig ab.. Daher kann ich karrierebetonte Menschen daher (ohne dies zu billigen) gut verstehen, die alles daran setzen, einen Titel zu erwerben.. und im Ernst.. wenn Plagiatsjäger was finden wollen.. finden sie es auch...
  • strathmann
    Mittwoch, 13.02.2013, 10:48 Uhr
    Merkels Vertrauenskundgebungen sind mit Abstand die tödlichsten Waffen dieser Frau.
  • Otmar
    Montag, 11.02.2013, 09:13 Uhr
    Das Thema ist hier durch. Trotzdem sollte man darüber nachdenken, dass die Dr. -Prüfungskommission ihr Urteil auf die Arbeit von zwei Studenten , Timo Steppart und Jan Scheddler, stützt, die beauftragt waren, die entsprechenden Plagiatsstellen herauszufinden. Nichts gegen den Einsatz von Studenten bei einer neuen Doktorarbeit. Aber es ist ein Skandal, junge Menschen im Fall Schavan mit einer so brisanten Tätigkeit zu belasten!
  • Otmar
    Montag, 11.02.2013, 09:06 Uhr
    Nastenka danke für die Ehre!
  • Muesliriegel
    Montag, 11.02.2013, 07:55 Uhr
    das hat der osten gelehrt: immer freundlich, aber ohne skrupel! nur so konnte man in der DDR überleben. merkel hat es mit dem "königsmord" kohl eindeutig gezeigt und wiederholt den dolch gezückt und gelächelt, das vollste vertrauen ausgesprochen und zugestossen. das wahlvolk lässt sich gerne blenden und erfreut sich an dem warmherzigen lächeln...und auch die SED hat mit hilfe der stasi das volk ausgebeutet und privillegierte geschaffen: gelernt ist gelernt!
  • fendele
    Montag, 11.02.2013, 07:34 Uhr
    Frau Schavan wurde von ihrer Vergangenheit eingeholt. Möglicherweise wäre sie mit dem was sie heute ist, keine Schummlerin mehr geworden. Sie kann allerdings mit all dem was ihr politisches und nicht zuletzt ihr Erwerbsleben in Verbindung mit ihrer "Minimax" - Dissertation, erbracht hat, durchaus sehr zufrieden sein. Ich selbst verhehle nicht, dass kleine Manipulationen auch in meiner Schulzeit üblich waren und ich selbst nicht abgeneigt war, sie anzuwenden. Frau Schavan hat eine Karriere in der Politik gemacht und dort sollte man sauber sein, um eben auch als Vorbild zu taugen. Sigmar Gabriel hatte freundlichere Worte für sie, als ich Angesichts des "Falls Schavan" vermutet hätte.
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