Gauck hält europapolitische Grundsatzrede
Der gegenwärtige Zustand des Kontinents sei nicht nur als Problem des Euro zu beschreiben - es gebe in der Bevölkerung einen deutlichen Unmut, der nicht ignoriert werden dürfe. Viele Bürger würden in einem Gefühl der Macht- und Einflusslosigkeit zurückgelassen.
"Es gibt Klärungsbedarf in Europa, angesichts der Zeichen von Ungeduld, Erschöpfung und Frustration unter den Bürgern", sagte Gauck an die Adresse der Politik. Er gab sich als bekennender Europäer - das europäische Projekt müsse aber neu und kritischer betrachtet werden. Den Satz "Wir wollen mehr Europa wagen", den er zu Beginn seiner Amtszeit gesagt hatte, würde er heute so schnell nicht mehr formulieren, sagte der Bundespräsident.
In der Vergangenheit habe es an "bedeutenden Wegmarken" an politischer Ausgestaltung gefehlt. So seien nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu viele osteuropäische Ländern zu schnell in die Europäische Union (EU) aufgenommen worden, sagte Gauck. Auch bei der Einführung der gemeinsamen Währung seien Fehler gemacht worden. "Der Euro selbst bekam keine durchgreifende finanzpolitische Steuerung." Erst Rettungsschirm ESM und Fiskalpakt konnten die Schieflage notdürftig korrigieren.
Muslime "ein selbstverständlicher Teil unseres europäischen Miteinanders"
"Wir brauchen eine weitere innere Vereinheitlichung", mahnte Gauck. Er verwies dabei auf die Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie auf die Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Auch seien gemeinsame Konzepte auf ökologischer, gesellschaftspolitischer und nicht zuletzt demografischer Ebene nötig. Gauck griff auch einen Gedanken seines Amtsvorgängers Christian Wulff auf: Die in Europa lebenden Muslime seien "ein selbstverständlicher Teil unseres europäischen Miteinanders geworden".
Der Bundespräsident sprach vor rund 200 Gästen im Schloss Bellevue, seinem Berliner Amtssitz. Die Ansprache war von hohen Erwartungen begleitet. Gauck äußert sich erstmals in seiner knapp einjährigen Amtszeit explizit zu europapolitischen Grundsatzfragen. Die Rede soll als Auftakt einer Serie verstanden werden, mit der Gauck gesellschaftliche und politische Themen anstoßen und voranbringen will. Die Veranstaltung löst die von seinem Vorgänger Roman Herzog initiierte "Berliner Rede" ab.
Appell an Großbritannien
Die Briten forderte der Bundespräsident eindringlich auf, in der EU zu bleiben. Ihre lange parlamentarische Tradition, ihre Nüchternheit und ihr Mut würden gebraucht. Gauck versuchte erneut, Ängste in Europa vor einer deutschen Großmachtpolitik zerstreuen. "Ich versichere allen Bürgerinnen und Bürgern in den Nachbarländern: Ich sehe unter den politischen Gestaltern in Deutschland niemanden, der ein deutsches Diktat anstreben würde."
Sollten deutsche Politiker manchmal kaltherzig erschienen sein, "so war dies die Ausnahme und nicht die Regel", entschuldigte Gauck. Sollte aber aus kritischen Kommentaren Geringschätzung oder gar Verachtung gesprochen haben, "so ist dies nicht nur grob verletzend, sondern auch politisch kontraproduktiv.
Es erschwert oder blockiert den selbstkritischen Diskurs, der in allen Krisenländern zumindest bei einer Minderheit schon deutliche Konturen angenommen hat."
1160 Meinungen zu "Hohe Erwartungen an Gauck"
-
BigDaddyCool
Freitag, 22.03.2013, 16:15 Uhr Herr Präsident bitte verkaufen Sie unser Land und Volk nicht weiter, -
WHuebler
Dienstag, 19.03.2013, 09:33 Uhr Genau DAS brauchen wir nicht - und selbst wenn, wir es für richtig halten, sollten wir es nicht herausposaunen; denn vor nichts haben fast alle anderen Nationen Europas mehr Sorge, als vor einer "Vereinheitlichung" - nicht nur die notorisch selbstsüchtigen Briten, sondern vor allem die Esten, Letten, Litauer, Slowaken, Slowenen, Dänen, Finnen u.s.w. Viel mehr "Einheit in der Vielfalt" sollte und könnte es sein; aber die Marktordner und Über- einen-Kamm-Scherer in Brüssel werden solange die europäische Vielfalt einzustampfen versuchen, bis "die Europäer" es endgültig leid sind, in so einer "Freihandelszone" zu leben. Dass ausgerechnet die Deutschen mehr Vereinheitlichung fordern, wobei natürlich die hier geltenden Regeln das Maß aller Dinge sein sollen, nehmen alle anderen uns ziemlich krumm. -
monteklamott
Montag, 18.03.2013, 12:31 Uhr Als Präsident muss man nix wissen - die Vorgänger wie z.B. Lübke - sind doch das beste Vorbild od. Hindenburg. Nur seinen Namen sollte man schreiben können. Wulff sagte zum Amtsantritt: "Ich möchte lernen ein guter Präsident zu sein". Stellt sich die Frage, seit wann ist Präsident ein Lehrberuf? Daraus ergibt auch das Ansehen eines Präsidenten im Volk. Leider haben diese Polit-Laien Macht, die Millionen von Menschen nachteilig beeinflussen können. So auch der ESM. :-O -
brunomike
Montag, 18.03.2013, 10:56 Uhr Es ist wahr. Das Volk hat wenig Vertrauen zur Politik. Viele haben Angst vor Deutschland. Er hat aber wenig Einfluss auf das Geschehen. -
juergen1951
Sonntag, 17.03.2013, 15:01 Uhr ich habe an diesem Mann keine Erwartungen der unterschreibt wohl alles zB den ESM weis er was er da unterschrieben hat? ich denk nicht -
autos
Samstag, 02.03.2013, 13:13 Uhr Der zum zweiten Mal gewendete. "Vor der Wahl, nach der Wahl" läßt sich an diesem negativen Fall exemplarisch darstellen. Paßt ins inländerfeindliche, dumm-primitive antideutsche Polit-Kasperle-Theater.
- Anschlag Boston
- Nordkorea
- Frauenquote
- Homo-Ehe
- Mindestlohn
- Börse aktuell
zu Nachrichten






























