Zur mobilen Ansicht wechseln

22.03.2013, 15:39 Uhr

Viele Deutsche sind unzufrieden - nächste Krise 2017?

Hamburg (dpa) - Lauter Schwarzseher? Trotz guter Konjunktur haben die Deutschen Angst vor Arbeitsplatzverlust, Inflation und sozialen Konflikten. In ein paar Jahren komme die nächste größere Krise auf Deutschland zu, meint Zukunftsforscher Opaschowski.

Mehr und mehr Menschen sehen ihre Zukunft mit Ungewissheit und rechnen damit, dass es in Deutschland wirtschaftlich bergab geht. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Hamburger Zukunftsforschers Horst W. Opaschowski hervor, die er am Freitag (22. März) mit seinem aktualisiert neu aufgelegten Buch "Deutschland 2030 - Wie wir in Zukunft leben" vorgestellt hat.

Seiner Studie zufolge ist ein wachsender Teil der Deutschen schon heute überzeugt, dass die Lebensqualität im Vergleich zu früher abgenommen habe (2002: 33 Prozent, 2012: 38 Prozent). Mehr Wohlstand habe die Leute unzufrieden gemacht, sagte der 72 Jahre alte Forscher. Für die repräsentative Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos von Januar bis März 1000 Menschen ab 14 Jahren.

Euro-Münze

Die Euro-Schuldenkrise verunsichert viele Bundesbürger. >

Besonders unzufrieden sind demnach die Verdiener aus der Mittelschicht (43 Prozent). Aber auch die Bevölkerung auf dem Land (52 Prozent) stelle eine sinkende Lebensqualität fest - weitaus mehr als die Menschen in Großstädten (31 Prozent).

Mit Blick auf Deutschland im Jahr 2030 befürchten die meisten der Befragten negative wirtschaftliche Auswirkungen: An erster Stelle stehen Preissteigerungen (56 Prozent), gefolgt von Armut (54 Prozent) und Arbeitslosigkeit (52 Prozent).

Erstaunlich: Die Angst vor Umweltproblemen (34 Prozent) oder dem Klimawandel (37 Prozent) liegt im Vergleich dazu relativ weit entfernt. "Umweltbewusstsein gehört zur politischen Korrektheit. Sobald ökonomische Probleme zunehmen, rutscht das Umweltdenken wieder nach unten", erklärte der Trendforscher.

Studie: Deutsche Haushalte besitzen im Schnitt 67.900 Euro. >

"Das Ende der Anspruchsgesellschaft ist erreicht. Das Wohlstandsland Deutschland ist gefährdet wie nie zuvor", sagte Opaschowski. Die wachsende Unzufriedenheit der Menschen werde langfristig zu Wahlverdrossenheit führen.

Eine nächste größere Krise prognostiziert Opaschowski für das Jahr 2017 - infolge eines "Wachstums nahe Null". Mögliche Szenarien: große Steuererhöhungen, geschlossene öffentliche Einrichtungen, eine marode Infrastruktur und eine drohende Staatspleite Deutschlands. Die vielen ungelösten Konflikte könnten dann eskalieren, sieht Opaschowski voraus.

Auch in der eigenen Berufswelt sehen viele keine rosige Zukunft: Über 70 Prozent der Berufstätigen befürchten neben wachsender Unsicherheit am Arbeitsplatz höhere Belastungen durch Stress und Druck auf sich zukommen. Wenn die Einkommensschere weiter auseinanderklaffe, erwarte etwa jeder zweite Bundesbürger "sehr starke Konflikte" zwischen Arm und Reich (52 Prozent).

Doch es gibt wohl künftig auch positive Entwicklungen zu verzeichnen: Stärkere Bindungen zu Familie und Freunden werden den Deutschen einen deutlich stärkeren Halt geben. "Für viele Menschen zeichnet sich ein konsumärmeres, aber beziehungsreicheres Leben ab", sagte der Professor. An Geld allein lasse sich Glück nicht ablesen: "Wachsen muss auch die Lebensqualität, nicht nur der Lebensstandard."

Alle News vom: 22. März 2013 Zur Übersicht: Nachrichten
Partnerangebote
LöschflugzeugQuiz

Was wissen Sie alles über Waldbrände? Testen Sie sich. >

Bei Fischbeck

ARD-Spendenmarathon bringt 8,1 Millionen Euro ein. >

Bus in Berlin

US-Präsident erstmals seit viereinhalb Jahren in Berlin. >

Protest in Istanbul

Anti-Terror-Einheiten durchsuchen Wohnungen in Istanbul. >


Internet Made in GermanyWEB.DE 2013 - Marke des JahrhundertsIhr WEB.de-Postfach ist grünWeb.de unterstützt Unicef

Sie lesen gerade: Ein Volk von Schwarzsehern?. Zukunftsstudie: Viele Deutsche sind unzufrieden - nächste Krise 2017?