Starb Sebastian wirklich ohne Fremdeinwirkung?
"Wir haben doch alle schon irgendwann einmal Löcher in den Sand gebuddelt, und es ist nichts passiert", sagte eine Mutter auf Amrum. Und in der Tat erscheint der Fall immer mysteriöser: So ist noch nicht bekannt, ob Sebastian zum Graben eine Schaufel benutzt hatte. Die Polizei wollte sich zu dieser Frage bislang nicht äußern, aus "ermittlungstaktischen Gründen". Grundsätzlich erscheint es sehr zweifelhaft, ob ein Kind innerhalb von zwei Stunden - so lange war Sebastian alleine am Stand - ein solch tiefes Loch ausheben konnte. Ein Strandkorbvermieter sagte der "Bild"-Zeitung, er habe gehört, dass "mehrere Kinder das Loch gebuddelt haben". Die Polizei sucht daher weiter nach möglichen Zeugen.
Fest steht jedoch, dass Sebastian sein Loch unmittelbar neben einer Dünenkette grub. Dünensand ist besonders feinkörnig und für Sandbauten ungeeignet. Dieser Sand ist zwar locker gelagert, aber "es bräuchte schon einen Tornado, um einen so großen Sandberg in ein Loch zu stürzen. Es ist unmöglich, dass sich der Junge allein vergraben hat", sagte der Sylter Geologe Dr. Ekkehard Klatt der "Bild"-Zeitung. Andere Experten halten einen solchen Unfall hingegen durchaus für möglich. So starben im Jahr 2002 auf Usedom zwei Brüder im Alter von 12 und 13 Jahren, die verschüttet wurden, als ihr selbst gegrabener Sandtunnel einstürzte. Die beiden Kinder erstickten unter dem Sand.
Erstaunlich ist auch, dass der Junge trotz intensiver Suche - auch an der Stelle, an der die Polizei Sebastians Leichnam dann später entdeckte - erst nach drei Tagen gefunden wurde. "Es war ein normaler Sandspielplatz mit zahlreichen Löchern, Gräben und Buckeln. Ein weiteres Loch fällt da kaum jemandem auf", sagte Polizeisprecherin Kristin Stielow. Wirklich geklärt werden kann der Fall wohl nur, wenn sich die Eltern von Kindern melden, mit denen der Zehnjährige möglicherweise zusammen gegraben hatte.
Die Unglücksstelle ist unterdessen zu einer kleinen Gedenkstätte geworden. Weiterhin gehen viele Familien mit Kindern zu dem Spielplatz auf der Nordseeinsel. Mit Grablichtern und Kerzen in Gläsern, Blumensträußen und kleinen Briefchen nehmen sie Abschied von dem tödlich verunglückten Schüler. "Ich wünsche mir, dass Sebastian glücklich im Himmel lebt", steht auf einem Zettel, "Sebastian, deine Zeit geht weiter" auf einem anderen. Sebastian starb nur wenige hundert Meter von dem Ferienhaus entfernt, in dem seine Eltern und seine Schwester Urlaub machten.
Aus Trauer um den tragischen Tod des Urlauberkindes aus der Region Wien wurden auf der Nordseeinsel viele Fahnen auf halbmast gesetzt. Bei Andachten nahmen zahlreiche Touristen und Inselbewohner Abschied von Sebastian. An der Unglücksstelle selbst tobten bereits wenige Stunden nach dem Abmarsch der Polizisten wieder unbeschwert Kinder.
616 Meinungen zu "Wie starb Sebastian wirklich?"
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pacman1986
Samstag, 07.07.2012, 17:08 Uhr Wie das Ganze letzten Endes vonstatten gegangen ist, werden wir auch von sgenannten Experten nicht erfahren. Wir wissen nur, das es geschehen ist und das wir es letzten Endes auch durch noch so viele Untersuchungen nicht ändern können. Dennoch kann ich die Anwohner verstehen, die sagen "Gott sei Dank scheint es ein Unfall gewesen zu sein und kein Gewaltverbrechen." Das macht die Angelegenheit für die Eltern gewiss nicht besser, aber bei einem Gewaltverbrechen schweben Eltern auf so einer kleinen Insel gewiss in Angst, das es ihren geliebten Schatz als Nächstes treffen könnte. Jeder verdächtig jeden. Jeder beobachtet jeden. Jeder verpfeift jeden. Und letztendlich weiß niemand irgendetwas. Nur die Angst, um die weiß jeder. Und Sebastian gerät darüber hin in Vergessenheit wie ein Amokläufer nach der Diskussion über EgoShooter und Killerspiele. Und das ist das wohl Schlimmste, was wir diesem kleinen Wurm antun können, schlimmer noch, als ihn auf einem Kinderspielplatz im Dreck zu verscharren wie einen Müllsack. -
tinmac
Samstag, 07.07.2012, 13:37 Uhr warum soll das nicht funktioniert haben. 1,50m in 2h ist doch nicht unrealistisch. vielleicht war da schon ein kleines loch, das er dann als ausgangspunkt genommen hatte. laut polizei sind dort viele löcher , gräben, hügel... man wird sehen..
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