Analyse: Ein Präsident spricht als Vater
"Ruht in Frieden, Ihr kleinen Engel", steht auf einem. Newtown trauert um die Opfer des Amoklaufs vom Freitag und der Präsident trauert mit. Am Sonntagabend (Ortszeit) war Barack Obama bei den Eltern der Opfer.
"Wir sind hier, um 20 wunderbare Kinder und sechs großartige Erwachsene zu betrauern, die in einer Schule starben, die jede Schule in Amerika hätte sein können", rief Obama den Trauernden zu. "Eure verletzten Herzen kann niemand heilen. Aber welche Hilfe wir auch immer geben können, um Euer Los zu lindern, werden wir geben! Newtown, Du bist nicht allein." Die Stadt habe sich vorbildlich verhalten. "Im Angesicht des unbeschreiblichen Bösen habt Ihr aufeinander acht gegeben." Als er die Namen der getöteten Kinder vorliest, geht bei jedem ein Schluchzen durch den Saal.
"Ich habe den Präsidenten noch nie gesehen", sagt Lauren. "Und ich habe ihn auch heute nicht gesehen." Die 17-Jährige wirkt nicht enttäuscht, diesmal nicht. "Normalerweise hätte ich es als Ehre empfunden, wenn der Präsident in eine so kleine Stadt wie unsere kommt. Aber doch nicht wegen..." Sie stockt. "Es ist alles so traurig."
Obama traf auf ein Städtchen, das trauert und diese Trauer auch zeigt. Überall hängen Plakate, auf den meisten steht "Betet für Newtown" oder auch "Betet für die Kinder". Im örtlichen Diner ist der Weihnachtsschmuck mit schwarzen Bändern überhängt, die Kellnerinnen tragen schwarze Schleifen an ihren Schürzen. Nicht weit davon stehen 20 gebastelte Engel auf einem Rasen, Blumensträuße, Kerzen und immer wieder Teddybären finden sich an fast jeder Ecke der kleinen Stadt.
"Es ist gut, dass der Präsident da war", sagt Nancy Elis. "Er ist ein Vater und er fühlt jetzt genau wie wir." Die 66-Jährige hat selbst drei Kinder in Newtown großgezogen - und auf die Grundschule geschickt. "Selbst in Deutschland trauern die Menschen mit uns", fragt sie ungläubig und kann vor Tränen kaum sprechen. "Es hilft ein bisschen und gibt Trost, dass so viele Menschen an uns denken. Zumindest uns hilft es. Die Familien, die ein kleines Kind verloren haben, können sicher durch nichts Trost finden."
Vermutlich auch durch Obama nicht. Was soll schon einen Vater trösten, der vielleicht am Morgen seine Tochter bei der Schule abgesetzt hat und nie wiedersah? Wie kann eine Mutter Erleichterung finden, die vielleicht noch für den kleinen Sohn Schulbrote gemacht hat, die nie gegessen wurden?
"Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich will es mir nicht vorstellen", sagt Bella Cristovao. Sie schiebt ihren Sohn Danny im Kinderwagen an den Blumen und Kerzen vorbei und der Eineinhalbjährige lächelt ein bisschen scheu. "Lasse uns gut auf ihn aufpassen", sagt sie leise zu ihrem Mann und geht langsam davon. Ein andere Mutter zeigt ihrem vielleicht dreijährigen Sohn die mit Spielsachen geschmückten Weihnachtsbäume. Als er fragt, ob die Kinder denn damit spielen kommen würden, bricht sie in Tränen aus und zieht das Kind fest an sich. Der Kleine lässt es etwas ratlos mit sich geschehen.
Am Montag sollten in Newtown die ersten Beisetzungen stattfinden, zuerst die von Noah Pozner. Seine Zwillingsschwester hat das Massaker überlebt. Er starb am siebten Tag von Chanukka, dem jüdischen Lichterfest. Noah war das jüngste der getöteten Kinder. Erst vor drei Wochen hatte er seinen sechsten Geburtstag gefeiert.
30 Meinungen zu "Ein Präsident spricht als Vater"
-
wuerttembergFN
Dienstag, 19.03.2013, 13:30 Uhr der Kerle isch ogfähr so glaubwürdig wia d'oschuldsbeteuerunge vu dr Messalina beim alte Claudius, do kennsch de grad totlache, wenns net so traurig wär. -
ichwares
Mittwoch, 19.12.2012, 13:16 Uhr er spricht als Vater ,, zu geil und alle im chor " ohh ist der toll". Anyway, lets make money and kill some people. It's our right to kill you before you ....... democracy is what we say. Hat sich mal jemand gefragt wer unter Anderen den Wahlkampf von dem da finanziert hat ? -
Swissmounty
Dienstag, 18.12.2012, 07:58 Uhr Die Verfügbarkeit von Waffen und unsere mögliche Bereitschaft, sie zu benützen, sind das eine. Aber die Gewalt z.B. in Schulen fängt doch schon viel früher an, etwa wenn Erstklässler einen Mitschüler hänseln, weil er etwas schüchtern ist, oder Pubertierende jenen, der die falsche Kleidermarke trägt. Und sind wir Erwachsenen so ganz anders? Ich wünsche uns offene Augen, um zu sehen, wenn Menschen leiden oder unterdrückt werden - bevor sie zur Waffe greifen. Je stärker wir sind, desto grösser ist unsere persönliche Verantwortung. -
nano01
Dienstag, 18.12.2012, 07:47 Uhr @WorldonFire „…Ich habe kein Mitleid mit den Opfern, oder den Hinterbliebenen…“ ---------------------------------------------- Zu derartigen Sprüchen neige ich in der Regel ja auch. Aber hier handelt es sich doch noch um Kinder in einem Alter, bei dem man ihnen keine Mitschuld an der amerikanischen Hirnrissigkeit geben kann. Die verstehen ihre Welt noch nicht, in die sie geboren wurden und in der sie nun leben (oder sterben) müssen. Mein Mitleid endet eher da, wo schon der erste Hauch amerikanischen Patriotismus sich bei Jugendlichen und Heranwachsenden breit macht. Da schadet es nichts, wenn mal einige die Auswirkungen ihrer eigenen Waffengeilheit am eigenen Leib zu verspüren bekommen. Die Kinder in diesem Fall aber tun mir schon leid (obwohl ihnen damit auch nicht mehr gedient ist). Und Mitleid für die Eltern? Empfinde ich selbstverständlich. Aber nur, sofern diese selbst keine Waffen zu Hause haben. Alle Anderen können meinetwegen morgens zum Verlust ihres Kindes auch weiterhin Gott und ihre Schießeisen anbeten. -
nano01
Dienstag, 18.12.2012, 07:45 Uhr Ach wie rührend! Ach wie toll! „Ein Präsident spricht als Vater“. Warum spricht er als Vater nur in den USA und nicht gleich überall auf der Welt, wo ebenfalls massenhaft Kinder durch amerikanische Waffen zu Tode kommen.(?) Möge er doch gleich in den Irak, nach Afghanistan oder sonst wo hingehen und dort den Familien persönlich sein Beileid aussprechen… „als mitfühlenderVater!“ -
Sioux666
Montag, 17.12.2012, 17:28 Uhr Alleine die Waffengesetze zu ändern - nutzt einfach nichts. Auch in Ländern, wo ebenso schon Tragödien passiert sind, war das eigentliche Problem nicht die Verbreitung von Waffen, da dort viel stringentere Waffengesetze herrschen. Es muss sich in vieler Hinsicht etwas ändern in den Gesellschaften. Z. B. gibt es eine "Anerkennungskultur" in vielfältiger Weise, die einfach in die falsche Richtung läuft. Es fängt damit an, dass gesellschaftlicher Erfolg und Anerkennung immer mehr in "Geld, Hab und Gut sowie in Macht" manifestieren. In nicht wenigen Gesellschaften zählt der Schutz z. B. von Eigentum und den damit verbundenen Werten mehr als ein Menschenleben, was sich in entsprechenden Gesetzen und Verurteilungen spiegelt. Der Mensch zählt oft nur noch mit Attributen, die das "schnelle Geld" versprechen und immer weniger mit menschlichen Werten zu tun haben. Den Preis, den die Gesellschaften dafür leichtfertig bezahlen ist viel zu hoch und wird, wenn alles so weitergeht, eines Tages nicht mehr zu bezahlen sein. Ich bin entsetzt und zutiefst betrübt und traurig, dass sogar vor unschuldigen Kindern nicht mehr Halt gemacht wird. Das sollte wirklich jedem Menschen zu denken geben.
- Homo-Ehe
- Nordkorea
- Mindestlohn
- Anschlag Boston
- Frauenquote
- Börse aktuell
zu Nachrichten


































