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28.01.2013, 07:40 Uhr

Mehr als 230 Tote in Nachtclub

Die Brandkatastrophe von Santa Maria schockt ganz Brasilien. Über 230 Menschen starben in der Diskothek. Präsidentin Rousseff sprach persönlich mit den Angehörigen. Es gilt eine dreitägige Staatstrauer.

Sie wollten ausgelassen in den Morgen feiern. Doch für mindestens 232 junge Menschen endet die Nacht tragisch, als ein Feuer in dem brasilianischem Nachtclub ausbricht. Verschlossene Türen und giftige Dämpfe lassen ihnen keine Chance. >

Porto Alegre (dpa) - Brasilien ist im Schockzustand. Nach jüngsten Angaben starben 233 junge Menschen bei dem verheerenden Brand im Nachtclub Kiss in Santa Maria im Süden des Landes. Präsidentin Dilma Rousseff brach eine Auslandsreise ab und ordnete drei Tage Staatstrauer an. "Es ist für uns alle eine Tragödie", sagte sie. Die Diskothek war zu einer tödlichen Falle geworden, als um 02.30 Uhr am Sonntagmorgen ein Feuer ausbrach. Die meisten Opfer starben durch Rauchvergiftung.

Bei den Opfern handelt es sich nach Angaben des Zivilschutzes um 120 junge Männer und 113 Frauen. Über 100 Menschen sind noch in Krankenhäusern. Die Mehrheit leide an Rauchvergiftung. Etwa ein Fünftel der Verletzten habe bei dem Unglück Brandwunden erlitten, sagte Gesundheitsminister Alexandre Padilha. 30 Patienten seien an Atemgeräte angeschlossen.

Zu der Tragödie in der Universitätsstadt Santa Maria kam es nach ersten Erkenntnissen, als eine Band während ihres Auftritts eine Art Leuchtfackel als pyrotechnische Show-Einlage entzündete. Die Funken setzen vermutlich das Dämmmaterial aus Isolierschaum an der Decke in Brand. Es verbreitete sich ein hochgiftiger Rauch, dem sofort viele der Nachtclub-Besucher zum Opfer fielen. Ein Mitglied der Band "Gurizada Fandangueira", die auf der Bühne spielte, kam ebenfalls ums Leben.

Die Feuerwehr erklärte, dass zum Zeitpunkt der Katastrophe eine wichtige Tür abgeschlossen war. In der Diskothek kam es zu einer Massenpanik. Zeugen berichteten zudem, dass die Sicherheitsleute des Nachtclubs am Anfang nur Besucher hätten herauslassen wollen, die auch ihre Rechnung bezahlt hätten. In Brasilien ist es üblich, dass man Eintritt, Getränke und Essen auf einem eigenen Zettel vermerken lässt und erst beim Verlassen der Diskothek bezahlt.

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Feuerwehrleute und Besucher verzweifelt Körper aus dem völlig verqualmten Eingang ziehen. Die Bilder zeigten auch viele auf dem Boden liegende Leichen. Sie wiesen aber keine Brandverletzungen auf. In der Diskothek konnten bis 2000 Besucher feiern. Wie viele Menschen in der Nacht zum Sonntag tatsächlich in dem Gebäude waren, war weiter unklar.

Die Nachricht von dem Unglück sorgte weltweit für Bestürzung. Die Teilnehmer des Gipfels der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik gedachten in Chile der Opfer der Tragödie. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ebenfalls in Chile war, sprach Rousseff ihr Beileid aus. Eine für am Montag in Brasília geplant Feier anlässlich des Countdowns für die verbleibenden 500 Tage zum Anpfiff der WM in Brasilien wurde abgesagt.

Rousseff war nach der Nachricht über die Tragödie direkt von Chile nach Santa Maria geflogen. Dort sprach sie in einem Gymnasium mit Familien und Freunden der Opfer. Es kam zu erschütternden Szenen. Die Staatschefin nahm dabei Angehörige in den Arm. Sie wurde vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Marco Maia, begleitet. "Das ist die Art von Tragödie, die man sich nicht vorstellen kann", sagte er.

Die 270.000-Einwohner-Stadt Santa Maria ist etwa 300 Kilometer von Porto Alegre entfernt und Standort einer der größten öffentlichen Universitäten des Landes. Der Süden Brasiliens beheimatet auch die größte Gemeinde deutscher Auswanderer. Viele von ihnen kamen vor Generationen nach Brasilien. Auf der Liste der Opfer finden sich auch deutschsprachige Nachnamen. Allerdings wurde nichts über mögliche Ausländer unter den Opfern bekannt. Das deutsche Generalkonsulat in Porto Alegre war am Sonntagabend zunächst nicht zu erreichen.

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