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15.02.2013, 15:44 Uhr

Pistorius weinend vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft klagt den Paralympics-Star Oscar Pistorius wegen Mordes an seiner Freundin an. Das südafrikanische Sportidol bleibt weiter in Haft. Er wirkt vor Gericht schwer angeschlagen.

Drama

Der als Blade Runner berühmt gewordene Oscar Pistorius soll seine Freundin erschossen haben. Die Polizei ist sich sicher, dass sie den Richtigen festgenommen hat. Die Fans des südafrikanischen Goldmedaillengewinners sind fassungslos. >

Pretoria (dpa) - Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Paralympics-Sieger Oscar Pistorius vor Gericht in Pretoria Mordanklage erhoben. Die Anklagebehörde warf dem Profisportler am Freitag vor, seine Freundin Reeva Steenkamp (29) vorsätzlich erschossen zu haben.

"Wir widersprechen dem Vorwurf des Mordes aufs schärfste", heißt es in einer Erklärung der Familie Pistorius und seines Managements. Ihr großes Mitgefühl gelte der Familie Steenkamp. Das Gericht in Pretoria wollte zunächst weder über die Mordanklage noch über die Frage entscheiden, ob Pistorius gegen eine Kaution aus der Polizeihaft entlassen werden könnte. Das hatten seine Anwälte beantragt. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt.

Es wird nach Ansicht von Juristen einen erheblichen Unterschied machen, welcher Schweregrad des Tötungsdelikts vor Gericht festgelegt wird. Sollte sich die Staatsanwaltschaft mit ihrem Vorwurf eines besonders schweren Verbrechens durchsetzen, wäre eine Entlassung auf Kaution wenig wahrscheinlich.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung stimmten überein, dass die polizeilichen Untersuchungen in dem Fall noch nicht abgeschlossen seien. Pistorius sollte weiter in Polizeigewahrsam bleiben. Dort befindet sich der 26-Jährige seit den tödlichen Schüssen auf seine Freundin in der Nacht zum Donnerstag.

Pistorius war am Freitagvormittag mit Tränen in den Augen zu der ersten Anhörung vor Gericht erschienen. Der Profisportler trug einen dunkelblauen Anzug und hatte sein Gesicht mit einer Jacke verdeckt. Der Anwalt von Pistorius sprach vor Gericht von einem "extrem traumatisierten Geisteszustand" seines Mandanten. Ein anderer Anwalt hatte am Vorabend berichtet, das Pistorius "aufgewühlt" sei, es ihm aber gut gehe. Die meist sehr gut informierte Zeitung "Beeld" berichtete, Pistorius habe in der Polizeizelle bitterlich geweint.

Steenkamp war in den frühen Morgenstunden des Donnerstag von der Polizei mit Schüssen in Kopf und Arm aufgefunden worden. Die Juristin, die vor allem als Starmodel ihr Geld verdiente, starb den Angaben zufolge noch am Tatort. Pistorius soll südafrikanischen Medienberichten zufolge zugegeben haben, aus Versehen seine Freundin erschossen zu haben. Er sei irrtümlich von einem Einbrecher ausgegangen. Davon war am Freitag aber nicht mehr die Rede.

Die Polizei hatte berichtet, dass es im Hause Pistorius schon mehrfach Vorfälle im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gegeben hatte. Nachbarn berichteten Reportern, dass sie vor den Schüssen Donnerstagnacht laute, streitende Stimmen gehört hätten. Eine Überwachungskamera belegt nach einem Bericht des Nachrichtensenders eNCA, dass Steenberg schon am Vorabend der Ereignisse in das Pistorius-Haus gekommen war.

Pistorius war im Sommer 2012 als erster beidseitig beinamputierter Sportler auf Hightech-Karbon-Prothesen bei den Olympischen Spielen in London gestartet. Bei den Paralympics gewann der auch als "blade runner" bekannte Profi sechs Mal.

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Sie lesen gerade: Pistorius "extrem traumatisiert". Ist der Sportstar ein Mörder? Gericht vertagt sich auf nächste Woche.