Natascha Kampusch offenbart bei Günther Jauch Details ihrer Entführung
(men) – Es ist einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte: Acht Jahre lang hält der Wiener Wolfgang Priklopil Natascha Kampusch in einem Kellerverlies gefangen. Was die heute 25 Jahre alte Frau in dieser Zeit durchleiden muss, zeigt der aktuelle Film "3096 Tage", der Ende Februar in die Kinos kommt.
Die Österreicherin hat bereits eine Biographie verfasst und in der Vergangenheit in mehreren Interviews Details zu ihrem Martyrium verraten. Doch nachdem es in den vergangenen Monaten eher etwas ruhiger um Kampusch geworden ist, spricht sie in Günther Jauchs Talkshow am Sonntag so offen über ihre Entführung wie noch nie.
Vor allem die sexuellen Übergriffe des "Täters", wie Kampusch Priklopil nur nennt, blieben der Öffentlichkeit bisher weitestgehend verborgen. Da im Film entsprechend deutliche Szenen zu sehen sind, stellt Jauch ihr die Frage: "Ist das jetzt das Signal für die Öffentlichkeit, so ist es gewesen, das können Sie jetzt sehen, aber lassen Sie mich damit jetzt in Ruhe?" Kampusch antwortet: "Ja, genau."
Politiker sollen Details verraten haben
Weshalb sie die Darstellung der Szenen zugelassen hat, erläutert Kampusch so: Ihre Vernehmungsprotokolle seien durch Parlamentarier an die Öffentlichkeit gelangt. Also könne sie sowieso nicht mehr verhindern, dass man über ihre Qualen Bescheid weiß.
Dass das Kellerverlies inzwischen zugeschüttet wurde, hält Kampusch für die richtige Entscheidung. Dass sie das Haus, in dem sie jahrelang eingesperrt war, schließlich gekauft hat, erklärt Kampusch so: Sie wolle mögliche neue Eigentümer nicht bitten müssen, die Stätte ihres Leidens sehen zu dürfen.
Obwohl seit ihrer Flucht mittlerweile fast sieben Jahre vergangen sind, hat Kampusch die Zeit in der Gewalt ihres Entführers noch lange nicht verarbeitet. Zu ihrem täglichen Leben sagt sie: "Ich versuche jeden Tag positiv zu begehen, das was mir passiert ist, zu verarbeiten. Ich habe mich in der Gefangenschaft danach gesehnt, Nähe zu anderen Menschen zu erfahren."
Allerdings habe diese Nähe zu anderen Menschen deutliche Schattenseiten. In Österreich werde sie bisweilen offen angefeindet und ihre Darstellung der Ereignisse in Zweifel gezogen. Keine einfache Situation, wie sie betont: "Für mich ist das sehr schwer zu ertragen, weil ich fast dazu gedrängt werde, ins Ausland zu gehen oder mich umzubringen."
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