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07.07.2013, 12:48 Uhr

"Bin gerade in SFO bruchgelandet. Heck abgerissen."

in Kooperation mit Spiegel Online

Fliehende Menschen, Rauch, Trümmerteile: Asiana-Flug 214 ist beim Landeanflug in San Francisco abgestürzt, das Heck brach ab, dann brannte die Maschine aus. Augenzeugen berichten von den Minuten der Angst.

Katastrophales Ende nach zehn Stunden und 23 Minuten Flugzeit. Die Boeing 777 der koreanischen Fluglinie Asiana Airlines setzt am Samstagmittag hart auf dem Flughafen San Francisco auf, Sekundenbruchteile später reißt das Heck mit einem gewaltigen Knall ab.

Drehend schlittert die Maschine einige hundert Meter über das Rollfeld, bleibt schließlich mit aufgerissener Kabinendecke im Gras liegen. Einige Sekunden ist alles still, dann platzen die Notrutschen aus den Türöffnungen und schreiend fliehen die Menschen ins Freie, während am Wrack schwarzer Rauch aufsteigt.

Malaysia März 2014

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Den 6. Juli werden die Passagiere des Asiana Fluges 214 von Singapur nach San Francisco wohl nie vergessen. "Ich bin gerade in SFO bruchgelandet. Heck abgerissen. Den meisten scheint es gut zu gehen. Mir geht's gut. Surreal...", twitterte ein Manager, der nach eigenen Angaben an Bord des Flugzeugs war. Ein Mann namens David Eun berichtet über den Kurznachrichtendienst: "Feuerwehrleute und Retter überall. Sie holen die Verletzten raus. Habe mich nicht so gefühlt seit 9/11", dem Tag des Terroranschlags auf das World Trade Center im Jahr 2001.

Vedpal Singh saß mit seiner Familie in einer der Mittelreihen und entkam dem Inferno mit leichten Verletzungen. "Es gab keinerlei Vorwarnungen aus dem Cockpit oder von der Bordcrew", berichtete er. "Das Flugzeug setzte hart und mit einem lauten Krachen auf. Wir wussten sofort, dass etwas Schreckliches passiert war."

Angesichts der erschreckenden Bilder erscheint es wie ein Wunder, dass so viele Passagiere lebend entkommen sind. Zwei Menschen wurden getötet, alle anderen 305 Insassen der Maschine überlebten das Unglück. Insgesamt seien 182 Menschen verletzt worden, erklärte Dale Carnes von der Feuerwehr am Samstagabend (Ortszeit) nach Angaben des Fernsehsenders CNN. 123 Menschen seien unverletzt ins Flughafengebäude gebracht worden. Die beiden Opfer sind nach Angaben Angaben des Chefs der Asiana Airlines, Yoon Young-doo zwei Chinesinnen im Teenager-Alter. Sie wurden wahrscheinlich aus der Maschine geschleudert als der Rumpf barst, denn die Rettungskräfte fanden sie später auf der Rollbahn.

Pilotenfehler nicht ausgeschlossen

Ganz knapp entgingen Facebooks Vizechefin Sheryl Sandberg, ihre Familie und einige Kollegen dem Unglück: Wie Sandberg auf ihrer eigenen Facebook-Seite schrieb, wollte sie ursprünglich in der Asiana-Maschine mitfliegen, doch sie buchte um auf einen Flug von United Airlines, der Meilen wegen. Ihre Maschine habe zeitgleich ankommen sollen, sei aber 20 Minuten vor dem Unglücksflieger sicher gelandet. Einem Freund, der an Bord der verunglückten Maschine gewesen sei, gehe es ebenfalls gut. "Es ist ein Moment, um dankbar zu sein."

Die US-Transportsicherheitsbehörde NTSB begann unmittelbar nach dem Löschen des Feuers mit der Suche nach der Unglücksursache. Noch ist nicht klar, ob die Bruchlandung auf einen Pilotenfehler oder ein technisches Problem zurückzuführen ist. Einen Terroranschlag schloss die Bundespolizei FBI aus.

Die Flugaufsichtsbehörde FAA stufte den Vorfall offiziell als Bruchlandung ein. Augenzeugen, die die Maschine beim Landeanflug beobachtet hatten, berichteten im Fernsehen von einem Knall oder einer Explosion am Fahrwerk. Weißer Rauch sei zu sehen gewesen, dann habe sich das Flugzeug mehrfach gedreht. Im Internet kursierende Fotos zeigten Menschen, die von dem Jumbojet wegrennen.

"Das Fahrwerk war zu schnell zu weit unten", berichtete ein Augenzeuge im Fernsehsender CNN. Er habe zunächst geglaubt, eine ganz normale Landung zu beobachten. "Doch dann merkte ich, dass etwas nicht stimmt." Die Räder hätten ein Hindernis gerammt, danach habe das Flugzeug unmittelbar damit begonnen, auseinanderzubrechen. "Nach einer Weile schlitterte es und drehte sich. Die Tragflächen schlugen auf der Landebahn auf."

Den Eindruck, dass das Flugzeug sei zu tief angeflogen sei, hatte auch Benjamin Levy, der in der Maschine direkt an einem der Notausgänge saß. Kurz vor dem Aufsetzen habe der Pilot die Maschine hochgezogen und damit wohl einige Leben gerettet, so der 39-Jährige.

Flugverkehr stundenlang unterbrochen

Anhand der Zeugenberichte und der im Internet kursierenden Videoaufnahmen hält es auch Mike Barr für möglich, dass die Maschine zu niedrig angeflogen ist. Der ehemalige Militärpilot, der an der Universität Süd-Kalifornien Vorlesungen über Flugsicherheit hält, vermutet, das Flugzeug könnte an dem Wall hängen geblieben sein, der die Landebahn vom Wasser trennt. Diese Schutzwälle dienen dazu, Flugzeuge im Unglücksfall davor zu bewahren, ins Wasser zu stürzen. Er könne keinen Grund erkennen, warum die Maschine so niedrig flog, erklärte Barr der Nachrichtenagentur AP.

Es dürfte noch eine Weile dauern, bis die Unfallursache eindeutig geklärt ist. Wichtige Hinweise erwarten die Behörden von den Aufzeichnungen von Flugschreiber und den Gesprächsaufzeichnungen aus dem Cockpit.

Auf dem internationalen Airport von San Francisco blieb der Flugverkehr stundenlang unterbrochen. Ankommende Flüge wurden auf andere Ziele an der Westküste umgeleitet. Nach dem Nationalfeiertag am vergangenen Donnerstag und wegen der Schulferien gehört das Wochenende zu den geschäftigsten Reisetagen. US-Präsident Barack Obama dankte laut einer Mitteilung den Ersthelfern für ihr schnelles Eingreifen.

Asiana ist nach Korean Air die zweitgrößte Fluggesellschaft Südkoreas und Mitglied der Star Alliance, in der auch die Lufthansa ist. Sie fliegt besonders an der Westküste der USA viele Ziele an. Asiana operiert mit zwölf Boeing 777-200, die jeweils ungefähr 300 Passagiere aufnehmen können. Sowohl der Flugzeugtyp als auch die Airline gelten bei Luftfahrtexperten als sehr sicher.

© SPIEGEL ONLINE

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