Ein politisch turbulentes und krisengebeuteltes Jahr geht zu Ende. Stimmen Sie ab: Wer Sie politisch begeistert hat, erhält fünf Sterne. Für enttäuschende Politiker geben Sie dagegen nur einen Stern.

Der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken hatte im Juni diesen Jahres den Rückzug aus seinem Amt erklärt. Anfang Oktober hat er seine letzte Rede als Linken-Fraktionschef im Bundestag gehalten. Eine seiner Reden, die zur Euro-Rettung, wird im Gedächtnis bleiben. "Herr Schäuble, Sie sind dabei, die europäische Idee zu zerstören", sagte Gysi im Juli im Bundestag.
SPD-Mann Heiko Maas gilt als härtester Pegida-Kritiker der Regierung. Bekannt ist er unter anderem für seine zahlreichen TV-Auftritte - unter anderem bei Günther Jauch. Dort hatte er den Parolen von AfD Politiker Björn Höcke mit souveräner Leichtigkeit die Stirn geboten. Den Auftritt des AfDler bezeichnete er als "widerlich". Maas besetzt ein Thema nach dem anderen - und generiert Gesetze: Frauenquote, Mietpreisbremse, Maklerrecht.
Die aktuelle US-amerikanische Präsidentschaftskandidatin der Demokraten gilt als Favoritin für das höchste Amt. Sowohl der amtierende Präsident Barack Obama, als auch der ehemalige US-Präsident und Ehemann Bill Clinton unterstützen sie in ihrem Wahlkampf. Bei den Demokraten ist sie nahezu konkurrenzlos. 62 Prozent würden für die ehemalige US-Außenministerin stimmen. Ende Januar wird sich entscheiden, ob Clinton die parteiinterne Vorwahlen für sich entscheidet.
2015 war ein trauriges Jahr für Frankreich und seinen Präsidenten . Die Terroranschläge von Januar und November erfordern einen entschlossenen und gleichzeitig mitfühlenden Präsidenten. "Wir werden gnadenlos reagieren", kündigte Hollande einen Tag nach den Anschlägen des 13. November an. Die EU-Partner will er zum Beistand verpflichten - durch eine besondere Klausel des EU-Vertrages. Im Kampf gegen den Terror sucht er zudem Verbündete wie die USA, Russland und China.
Der US-amerikanische Präsident steht zum Ende des Jahres innen- und außenpolitisch unter Druck. Ihm wird intern und extern Schwäche gegen den Islamischen Staat vorgeworfen. Der Präsident gibt sich als jemand, der im Sturm der Anschläge kühlen Kopf bewahrt. "Wir haben eine Strategie, und daran halten wir fest", lautet seine Botschaft. Das Dumme ist nur, zumindest aus Sicht seiner innenpolitischen Gegner: Die Strategie funktioniert nicht. Selbst unter Obamas Demokraten wird die Forderung erhoben, zumindest die Zahl der Luftangriffe schnell zu erhöhen. Obama hat in den vergangenen Jahre viel an Vertrauen verloren. So stimmte die Mehrheit bei den Kongresswahlen 2014 für seine politischen Gegner, die Republikaner.
Ukraine-Krise, Griechenland-Krise, Flüchtlingskrise - Angela Merkel machte 2015 politische Krisen zur Chefsache. Dabei entschied sich die Kanzlerin mehrfach und entgegen ihrer Gewohnheit klar und pointiert, ein Machtwort zu sprechen. "Wir schaffen das", sagte die Kanzlerin, als sie das Go gab, Flüchtlinge von Ungarn nach Deutschland zu lassen. Merkel hat ihrer CDU schon viel zugemutet: Atomausstieg, Ende der Wehrpflicht, moderneres Familienbild, nun die Flüchtlinge. Die Flüchtlingskrise wird ihre Amtszeit prägen - von der man nach zehn Jahren Kanzlerschaft auch von einer Ära Merkel sprechen darf.
Ungarn ist im Zuge der zunehmenden Flüchtlingsströme zu einen Transitland geworden. Der ungarische, rechtskonservative Ministerpräsident Viktor Orbán reagierte darauf mit der Aufstellung von Zäunen an den Grenzen zu Serbien und Kroatien. Seitdem ziehen die Migranten an Ungarn vorbei. Orbán erntete für diese Reaktion heftige Kritik. Seine jüngste Aussage, dass "alle Terroristen letztlich Migranten" sind, dürfte ihn endgültig zur Reizfigur für liberale Europäer machen.
Wladimir Putin polarisiert wie kein anderer. Ob auf nationaler oder internationaler Ebene - der russische Präsident ist für die einen ein cleverer Stratege, für andere ein "zynischer, kaltblütiger Machtpolitiker" und ein "schrecklicher Zar". Internationale Kritik hagelte es für die Annexion der Krim. Kritiker werfen ihm zudem eine Mitschuld am Mord von Boris Nemzow vor. Doch seit Putin sich in den Kampf gegen den IS eingeschaltet hat, scheint sich sein Bild international zu wandeln - wieder einmal.
Der bayerische Ministerpräsident machte auch 2015 seinem Spitznamen "Crazy Horst" alle Ehre. Vor allem in der Flüchtlingsdebatte probte der CSU-Chef gegen die Schwesterpartei den Aufstand. Transitzonen und Obergrenzen will Seehofer der Kanzlerin als Zugeständnis abringen. Seehofer führt Merkel sogar auf dem CSU-Parteitag vor - wie ein "Schulmädchen" wie Medien kommentieren.
Der Bundesfinanzminister spielte in der Euro-Krise eine entscheidende Rolle. In den Verhandlungen mit Athen positionierte er sich als Hardliner und Klartext-Minister. Er empfahl er den Griechen sogar zweitweise den Euro zu verlassen. Am Ende aber sprach er sich für ein Ja zum Rettungspaket aus, obwohl sein Wunschergebnis am Verhandlungstisch offenbar nicht zustande kam.
Der SPD Parteichef und Vizekanzler ist für seine markigen Worte nur allzu bekannt. Bisweilen watscht er im Interview auch gestandene Journalistinnen wie Bettina Schausten ab. "Nichts von dem, was Sie sagen, ist richtig", sagte Gabriel in ZDF-Sendung "Berlin direkt". Auf politischer Ebene gab es auch reichlich Zoff: So positioniert er sich in der Flüchtlingsfrage klar gegen Transitzonen, Angela Merkel und Horts Seehofer wirft er Verantwortungslosigkeit vor.
Vom rebellischen Schüler und Demonstranten zum griechischen Ministerpräsidenten. Innenpolitisch hat der Syriza-Chef seit seinem Wahlsieg im Januar wenig bewirkt. Jeder vierte Grieche ist ohne Job; die Einnahmen des Staates schrumpfen; Wachstum ist nicht in Sicht. Dennoch schafft Tsipras es immer wieder, das Volk hinter sich zu bringen.
Gianis Varoufakis Aufstieg verlief so schnell wie sein Fall. Nach der Wahl im Januar bekommt er das Amt des griechischen Finanzministers, unmittelbar nach dem Referendum am 5. Juli über das Sparprogramm der europäischen Geldgeber für Griechenland tritt er ab. Einer seiner Fehler: Kaum im Amt verkündete der provokante Ökonom das Ende der Zusammenarbeit mit der Troika - ein politischer Affront. In zahlreichen Interviews teilte Varoufakis aus: Er bezeichnete die europäische Sparpolitik gegenüber Griechenland als "fiskalisches Waterboarding" und "Terrorismus". In seiner kurzen Amtszeit hat Varoufakis eine regelrechte Medientour hinter sich gebracht.