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27.07.2012, 10:00 Uhr

US-Schwimmer Phelps will genießen

London (dpa) - Bei den Spielen 2008 war Michael Phelps mit acht Olympiasiegen der unbestrittene Hauptdarsteller, vier Jahren später will sich Ryan Lochte nicht mehr mit einer Nebenrolle begnügen. Die Rolle des bösen Buben will der seit 2009 erfolgreichere Lochte aber nicht spielen.

Die Show stehlen könnte den beiden US-Stars die erst 17-Jährige Missy Franklin. Wie Phelps plant sie bei den Schwimm-Wettkämpfen vom Samstag an im Aquatics Centre sieben Starts und hat dabei sogar bessere Chancen als die erfahrenen Männer.

Die drei US-Vorschwimmer präsentierten sich jeder auf seine Weise betont locker. "Mir macht es einfach Spaß. Ich möchte wissen, wie viel zusätzliche Schokoladenstückchen ich auf meiner Eiscreme haben werde", sagte der 14-malige Olympiasieger Phelps am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des US-Schwimmteams in London. Dem 27-Jährigen fehlt bei seinen voraussichtlichen sieben Starts noch dreimal Edelmetall, um die 18 Olympia-Medaillen der sowjetischen Turnerin Larissa Latynina zu toppen.

Gleich am ersten Wettkampftag im Aquatics Centre kommt es über die 400 Meter Lagen zum mit Spannung erwarteten direkten Duell mit seinem größten Konkurrenten. Weltmeister Ryan Lochte schlug Phelps, der sich nach Olympia 2008 diese Strecke eigentlich "nie wieder" antun wollte, auch vergangenen Monat bei den US-Trials. "Wir haben eine tolle Rivalität. Nach dem Rennen werden wir weiter Freunde sein", betonte Lochte, nachdem Phelps seine Solo-Fragerunde im voll besetzten Saal beendet hatte.

"Wenn wir alle zusammen sitzen würden, wären wir nach 30 Fragen nur für Michael schon eingeschlafen", kommentierte Natalie Coughlin grinsend die Sonderstellung samt eigener Fragerunde für Superstar Phelps. Der betonte, wie sehr Spaß ihm diese Spiele bisher machen. Seine Erfahrungen wollte er auch den Jüngeren im Team mitteilen, doch die sportlichen Tipps des großen Michael Phelps waren Missy Franklin bislang keinen Anruf wert. Sie werde ihn aber nach dem richtigen College fragen, antworte sie keck.

Rekord-Olympiasieger Phelps wäre der erste Schwimmer überhaupt, der auf einer Strecke dreimal Olympia-Gold in Serie holt. Bei den Frauen war das zuvor der Australierin Dawn Fraser über 100 Meter Freistil (1956, 1960 und 1964) und der ungarischen Rückenschwimmerin Krisztina Egerszegi (200 Meter/1988 - 1996) gelungen. Das direkte Duell Nummer zwei gibt es am Donnerstag über die halbe Lagen-Distanz. Über beide Strecken hatte Phelps bei der WM 2011 bittere Niederlagen gegen Lochte schlucken müssen.

Das dritte mögliche Aufeinandertreffen fällt hingegen ins Wasser. Phelps lässt die 200 Meter Freistil gegen Weltmeister Lochte und Weltrekordler Paul Biedermann aus. Der deutsche Doppel-Weltmeister von 2009 mochte an einen Startverzicht von Phelps über die Prestigestrecke noch nicht so recht glauben, Ian Thorpe hält Phelps für klug beraten. Das technische Meeting am Donnerstag beseitigte letzte Zweifel - Phelps startet nicht.

Nach seinen historischen acht Goldmedaillen bei den Spielen von Peking hatte Phelps keine einfache Zeit. Fotos mit einer Marihuana-Pfeife sorgten für Wirbel und eine Sperre des US-Verbandes. Lochte lief ihm den Rang ab, ließ immer öfter die Finger vom geliebten Fast Food und war bei der WM in Shanghai mit fünf Titeln erfolgreichster Schwimmer.

Alle News vom: 27. Juli 2012 Zur Übersicht: Olympia

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