Das "System Hambüchen" setzt sich durch
Fabian Hambüchen hat sich nach seiner Verletzung eindrucksvoll zurückgemeldet. © dpa / Friso Gentsch
Allen Widrigkeiten zum Trotz kämpfte er verbissen um sein Ziel, ließ sich auch durch einen Achillessehnenriss im Januar 2011 nicht von seiner großen Mission abbringen. Nach Platz sieben in Athen, Rang drei in Peking und Platz zwei in London nahm er Gold ins Visier. "Da ist ja klar, was es für Rio 2016 für eine Zielstellung gibt", scherzte Hambüchen nach dem dramatischen Finale in der North Greenwich Arena entspannt.
Seine zähe Rehabilitationsphase durchschritt er in den vergangenen Monaten mit seinem "Team Hambüchen" ebenso individuell wie sorgfältig. Der Hesse trainierte abseits des Nationalteams, verzichtete auf die EM in Montpellier und konzentrierte sich nur auf London. Erst im Mai kehrte er, vor Kraft strotzend, bei den deutschen Meisterschaften zurück. Hambüchen wies auf Anhieb alle Konkurrenten in die Schranken, die sich in seiner Abwesenheit Hoffnungen gemacht hatten, ihn auf dem Thron zu beerben.
Das System Hambüchen hat sich im Lauf seiner Karriere perfektioniert. Der gesamte Familienclan hat Anteil an seinem Erfolg - den meisten wohl Vater Wolfgang Hambüchen, der das Bewegungstalent im vierten Lebensjahr an die Geräte herangeführt hatte. Oft unbequem mit seinen Forderungen an den Verband, brachte er mit seinen Fachkenntnissen den Sprössling in für deutsche Turner ungeahnte Sphären. "Alles was ich heute kann, verdanke ich ihm", bekannte Fabian und widmete dem Vater seine Medaille.
"Schade, dass er jetzt nicht mit hierstehen kann. Er hat einen Riesenanteil an Silber", sagte Hambüchen in der Stunde des Erfolges. Dabei hatte er sich gerade in der Pubertät so manches Scharmützel mit dem Papa in der Halle geliefert. "Manchmal haben wir einen Tag nicht miteinander gesprochen. Aber dann war es wieder gut, wir ziehen ja schließlich am gleich Strang", berichtete Hambüchen junior.
Insofern war es für ihn ein Rückschlag, dass ihn der Vater in London nicht an den Geräten betreuen durfte. Gereift und professionell meisterte Hambüchen auch diese Hürde. Beim größten Erfolg seines Schützlings saß der mit dem Wohnmobil angereiste Vater ganz oben in der Riesenarena, von wo er die große Show gut mitverfolgen konnte. "Es war absolut begeisternd. Er hat absolut auf den Punkt geturnt", lobte der Coach. "Einfach ein Hammer."
Der Aufstieg von Fabian Hambüchen zum internationalen Turn-Star ist zudem ein Verdienst von Onkel Bruno, der vor neun Jahren die wichtige Rolle als Mentaltrainer übernommen hatte. Er vermittelt das positive Denken auch in schwierigen Phasen. Kein Rückschlag sollte sich im Kopf des Neffen verfestigen. "Bei diesen gigantischen Übungen muss er den Kopf freihaben, sonst geht nichts", lautet Brunos Devise. Mutter Beate wehrte jahrelang alle äußeren Störfaktoren ab, kümmerte sich um Freistellungen von der Schule und hielt die Familie zusammen.
In der langen wettkampffreien Zeit hat sich Hambüchen vom "Ich" zum "Wir" gewandelt. Obwohl er auf sich fixiert ist, vernachlässigte er nie den Teamgedanken - und gratulierte seinem Konkurrenten Marcel Nguyen zu dessen zwei Silbermedaillen "von ganzem Herzen".
1 Meinungen zu "Hambüchen setzt sich durch"
-
wolfi10
Mittwoch, 08.08.2012, 10:51 Uhr cayenne und alle, die nach Nygens Auftritt fragten "wer ist Hambüchen" Hier die Antwort. Ein Spitzensportler, der sich nach Verletzungen (u.a. Achillessehnenabriss) zurückgekämpft hatte. Nur weil jemand übermäßig von den Medien gehyped wurde, braucht man nicht teilnehmen, wenn er anschließend niedergemacht wird, weil er Erwartungen nicht erfüllt.
- Medaillenspiegel
- Leichtathletik
- Olympia Zeitplan
- Usain Bolt
- Olympia Live-Ticker
- Beachvolleyball
zu Olympia





































