Harting holt Diskus-Gold
Der 27-jährige Berliner hielt am Dienstagabend dem enormen Erfolgsdruck im größten Wettkampf seines Lebens stand und triumphierte nach zwölf Jahren als erster deutscher Leichtathlet bei Olympischen Spielen. "Es war echt spannend, auf jeden Fall. Ich bin selbst ein bisschen überrascht. Selbst der Siegeswurf war alles andere als optimal", kommentierte Harting.
Mit sieben PS im Arm und einer Abwurfgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern schnellte sein Diskus beim Siegeswurf in den Londoner Nachthimmel. Die Vorgabe des 2,01 Meter großen Athleten konnte in einem dramatischen Finale auch der bis dahin mit 68,18 Metern führende Iraner Ehsan Hadadi nicht mehr überbieten.
Der WM-Dritte wurde mit dieser Leistung Zweiter. Bronze ging mit 68,03 an den Esten Gerd Kanter, den Olympiasieger von Peking 2008. Als Hadadi seinen letzte Chance vergeben hatte, zerriss Harting wie bei seinen beiden Weltmeisterschaftstiteln 2009 und 2011 im Siegesrausch unter lautem Gebrüll sein Nationaltrikot. Dann hüllte er sich in eine Deutschland-Fahne und startete zur Ehrenrunde. Er hatte sogar noch Kraft, um fast einen gesamten Hürdenlauf hinzulegen. "Das ist absolut geil gerade", sagte er im ZDF-Interview: "Ich freue mich für Deutschland und Berlin", erklärte er strahlend im Regen..
"Das ist der Olympiasieger, auf den wir fest gebaut haben. Wie er den Druck ausgehalten hat, ist fantastisch. Es lastete der Druck einer ganzen Leichtathleitk-Nation auf ihm", sagte Thomas Kurschilgen, der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Martin Wierig aus Magdeburg kam bei seinem Olympia-Debüt mit 65,85 Metern auf den sechsten Platz. "Ich habe geschafft, was ich mir vorgenommen habe", kommentierte er.
Vor Hartings Siegeswurf war der letzte goldene Olympia-Tag für die deutsche Leichtathletik der 29. September 2000, als in Sydney die Weitspringerin Heike Drechsler gewann. Der letzte Diskus-Olympiasieg lag noch weiter zurück: 1996 in Atlanta wurde Lars Riedel gefeiert. Davor gelang dies nur noch Rolf Danneberg (1984) und Jürgen Schult (1988).
"Ich will dieses verdammte Gold", hatte der 27-jährige Berliner gesagt, als im Herbst 2011 sein stark lädiertes Knie das goldene Olympia-Projekt in Gefahr brachte, "und wenn ich später im Rollstuhl sitze." Mit der zweitbesten Weite von 67,79 Metern startete er gut ins Finale - 39 Zentimeter fehlten aber auf den führenden Hadadi. Im zweiten Durchgang schleuderte der Hüne aus Berlin die Scheibe ins Fangnetz, das Nervenspiel war eröffnet. Ein solider dritter Versuch (67,27 Meter) und ein schwächerer vierter (66,45) folgten - es wurde eng.
Im fünften Versuch schockte ihn dann auch noch Kanter mit einem kraftvollen Versuch auf 68,03 Meter, mit dem der Olympiasieger von Peking Harting auf den Bronze-Rang zurückwarf. Doch der Berliner erwies sich als Champion, schlug selbst zurück und durfte Minuten später ausgelassen jubeln.
Gold war programmiert, es war Hartings 29. Sieg in Serie. In diesem Jahr hat keiner weiter geworfen als der sechsmalige deutsche Serienmeister: Erstmals in seiner Karriere durchbrach der Olympia-Vierte von 2008 mit der Zwei-Kilo-Scheibe die 70-Meter-Marke. Einmal landete sie sogar bei 70,66 Meter. Nur 3,42 Meter fehlen noch zum weitesten Wurf aller Zeiten.
"Der Weltrekord ist für uns viel weniger ein Thema als für die Öffentlichkeit", sagte Harting-Trainer Werner Goldmann. "Öfter 69,70 Meter zu werfen, ist für mich mehr Nachweis von Klasse, als auf einer Segelwiese einen Weltrekord zu erzielen." Statt 74,08 Meter weit wie im Juni 1986 der Schweriner Jürgen Schult zu werfen, sammelt Harting lieber Titel. Nach WM- und EM-Sieg ist der Goldgewinn an der Themse die dritte Glanztat innerhalb von 365 Tagen.
84 Meinungen zu "Robert Harting wirft zu Gold!"
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wolfi10
Mittwoch, 08.08.2012, 10:46 Uhr "was hat der harting dafür geackert, entbehrt, gelitten!!!!!!!!" naja, wir wollen nicht zu sehr Hypen! Die Sportart Discus darf auch in Relation zu anderen Sportarten gesehen werden. Ihm tut das Knie weh und das Training ist wohl etwas eintönig. Sehe ich ein Silber für Hambüchen und eins für Nygen, dann sehe ich 2, die härter trainieren mussten, öfter auf die Fresse gefallen sind, mehr Schmerzen und auch Rückschläge (mit wirklichen Verletzungen) einstecken haben müssen. -
DrAlban
Mittwoch, 08.08.2012, 10:34 Uhr ...zum Glück gibt es solche typen noch....die das wahr machen was sie angekündigt haben.....alles erreicht, bereit für den nächsten schritt und sich nicht lebenslänglich auf seinen lorbeern ausruhen......keiner der jammert, der erstaunt ist das der gegener kämpft, der heulend und versteckt hinter dicken sonnenbrillen die arena verlässt. Viele athleten beherrschen mittlerweile die "BOLT-Gestik" Robert Hürdenlauf wird einzig bleiben......... Glückwunsch.....deine einstellung möge aauf die anderen überschwappen..... Hochgerechnet auf die einwohner und die gewonnenen medaillen erscheint deutschland überhaupt nicht in der statitik...grenada liegt an erster stelle............................... -
kurvenschneider
Mittwoch, 08.08.2012, 10:33 Uhr Ich hätte jetzt erwartet, das man dem Diskusgoldmedalliengewinner wenigstens sein eigenes Foto gönnt, und nicht das von Kanuten! :P
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