Zika-Virus: Tausende Babys wurden in Lateinamerika mit Missbildungen geboren, 23 Staaten haben Infektionsfälle gemeldet. Die WHO hat den weltweiten Notstand ausgerufen. Wie gefährlich ist das Virus?

Was ist das Zika-Virus?

Die WHO schlägt weltweiten Alarm wegen des Zika-Virus. Doch wie groß ist die Bedrohung wirklich?

Das Zika-Virus wurde 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt. Eine Infektion verläuft häufig ohne oder nur mit milden grippeähnlichen Symptomen, die sich drei bis zwölf Tage nach der Ansteckung äußern.

Nur rund 20 Prozent der Infizierten haben für zwei, drei Tage leichtes Fieber, Hautausschlag, Muskel-, Kopf- oder Gelenkschmerzen.

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Bekannt ist, dass Mücken der Aedes-Gattung das Zika-Virus übertragen - vor allem durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, eventuell auch durch die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus.

Möglicherweise aber kann es auch von Mensch zu Mensch gelangen, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mitteilte. Denn es gibt Hinweise, dass der Erreger über Blut übertragbar ist.

Zudem wurden Zika-Viren in Samenflüssigkeit nachgewiesen, sie könnten also auch sexuell übertragen werden. Weitere Studien dazu sind aber notwendig.

Für wen kann das Virus gefährlich werden?

Zika gilt nun als internationales Gesundheitsproblem. Die WHO hat damit viele Möglichkeiten, den Erreger zu bekämpfen. Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Das hat Einfluss ...

Gefährlich kann eine Zika-Infektion offenbar für Schwangere sein. Sie können das Virus auf ihre ungeborenen Kinder übertragen, bei denen es vermutlich zu Fehlbildungen führen kann.

Allein in Brasilien wurden seit dem vergangenen Oktober rund 4000 Neugeborene mit Mikrozephalie, das heißt mit einem zu kleinen Kopf, registriert - für gewöhnlich ist das sehr selten.

In allen davon analysierten Fällen hatten sich die Mütter während der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert.

Wie kann eine Infektion behandelt werden?

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Zurzeit gibt es keine Impfung gegen eine Zika-Infektion. Die Symptome können mit üblichen Schmerz- und Fiebermedikamenten gelindert werden.

Wo genau gibt es Infektionen?

Das Virus kommt in tropischen Gegenden rund um die Welt vor. Seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm und inzwischen ganz Lateinamerika betrifft.

Die WHO hat vor einer Ausbreitung auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gewarnt - mit Ausnahme von Chile und Kanada, wo es die Überträger-Mücken nicht gibt. Der Erreger sei schon in 23 der 55 Länder des Kontinents festgestellt worden.

Neben Brasilien ist Kolumbien besonders stark betroffen. Hier wurden seit Oktober rund 13.500 Zika-Infektionen registriert.

Außerdem wurden in Lateinamerika Fälle aus diesen Ländern gemeldet:

Barbados, Bolivien, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guyana, Guatemala, Guadeloupe, Guyana, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Saint Martin, Surinam und Venezuela.

Auch in den USA ist das Virus bereits eingeschleppt worden. Von dort wurden bisher ein Dutzend Fälle gemeldet. In Großbritannien ist der Erreger bei drei Reisenden diagnostiziert worden, die sich zuvor in Kolumbien, Surinam und Guayana aufgehalten hatten.

Gibt es auch Zika-Infektionen in Deutschland?

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Ja, es gab rund ein Dutzend Fälle von Zika-Infektionen - allerdings hatten sich die Reisenden im Ausland angesteckt. Zum Beispiel wurde die Erkrankung laut Robert Koch-Institut (RKI) bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti diagnostiziert, auch wiederholt bei aus Asien heimkehrenden Touristen.

Kann man noch nach Lateinamerika reisen?

Die brasilianische Regierung hat Schwangeren von einer Reise zu den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) abgeraten. Außer bei Schwangeren ist die Gefahr bei einer Zika-Infektion laut WHO vergleichsweise gering.

Auch das Auswärtige Amt empfiehlt Schwangeren, Reisen in Ausbruchsgebiete "möglichst zu vermeiden". Sie dürfen Reisen in die betroffenen Länder kostenlos umbuchen oder stornieren.

Was sollen Schwangere tun, die trotzdem reisen müssen? Und Familien mit Kindern?

Schwangeren Frauen empfiehlt die WHO, vor und nach dem Besuch einen Arzt aufzusuchen. Das RKI empfiehlt auch Menschen mit einer Immunstörung oder einer anderen schweren chronischen Krankheit sowie Reisenden mit kleinen Kindern, sich vor der Reise vom Hausarzt oder einem Reisemediziner beraten zu lassen.

Wie können sich Reisende in den Ausbruchsgebieten schützen?

Reisende sollten sich genau informieren, wo Infektionen vorgekommen sind, und sich sowohl in geschlossenen Räumen als auch im Freien gegen Stechmücken schützen. Das RKI empfiehlt Insektenschutzmittel, helle, bedeckende Kleidung und Moskitonetze.

Im Allgemeinen sollten Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, laut RKI einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

In Brasilien beginnt der Karneval, im Sommer finden dort die Olympischen Spiele statt. Was tut die Regierung gegen das Zika-Virus?

Am 13. Februar will Brasiliens Regierung 220.000 Soldaten einsetzen, die in betroffenen Gebieten von Haus zu Haus gehen, um Broschüren zu verteilen und den Menschen Tipps zum Mückenschutz zu geben. Außerdem sollen mindestens 400.000 Schwangere mit Mückenschutzmitteln versorgt werden.

Die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro will nach eigenen Angaben alles unternehmen, um Athleten und Besucher der Olympischen Sommerspiele vor einer Ansteckung zu schützen.

Einen Monat vor der Eröffnungszeremonie am 5. August werde ein Expertenteam alle Wettkampfstätten inspizieren und Brutstätten der Stechmücken ausmerzen, die als Überträger des Virus gelten, kündigte sie an.

In den kommenden Wochen steht mit dem Karneval bereits ein Testlauf an, wie weit Rio für die Gesundheitsgefahren im Umfeld der Olympischen Spiele vorbereitet ist.© SPIEGEL ONLINE