Rudi Cerne behandelt in seiner Sendung die Überfalle früherer RAF-Terroristen auf Geldtransporte. Ein Ermittler schildert neue Details, ein Fahndungsfoto wird gezeigt. Die Sendung offenbart aber auch, wie erschreckend wenig die Polizei über die abgetauchten Täter weiß.

"Es ist eine Bilanz des Schreckens!" Rudi Cerne beginnt "Aktenzeichen XY ... ungelöst" am Mittwochabend mit einer abgegriffenen Phrase. Dennoch: Sie passt.

Thema sind die kürzlich bekannt gewordenen Überfälle ehemaliger Terroristen der "Rote Armee Fraktion" (RAF) auf Geldtransporter im Jahr 2015.

Cerne bringt die wichtigsten Informationen auf den Punkt, wie man es kennt. "Noch immer nutzen sie kriminelles Knowhow, um Verbrechen zu begehen. Genauso skrupellos wie in ihrer heißen Phase."

Fall wird fehlerhaft nachgestellt

Es folgt der Einspieler. Der hat einen entscheidenden Fehler. Cerne versucht ihn hinterher zwar kleinzureden, er ist aber beispielhaft für eine auch sonst wenig gelungene Schilderung des Geschehens.

Die drei früheren RAF-Terroristen Daniela Klette, Ernst-Volker Wilhelm Staub und Burkhard Garweg sollen am 6. Juni 2015 einen Geldtransporter vor einem "real"-Markt südlich von Bremen überfallen haben.

So realistisch ist eine Rückkehr der "Rote Armee Fraktion".

In den nachgestellten Szenen sind statt zwei Männern und einer Frau aber drei Männer zu sehen. Das irritiert.

Vermutungen über Vermutungen

Dasselbe gilt für die ganzen Mutmaßungen darin. Dass das Trio vermutlich im Herbst 2014 für einen Überfall wieder zusammengekommen sei, vermutlich mit einem Ziel im Kreis Oldenburg-Bremen.

Eher wahrscheinlich ist laut aktuellen Expertenaussagen vielmehr, dass die früheren RAF-Terroristen gemeinsam im Untergrund leben.

Polizei weiß wenig, das dafür im Detail

Was die Polizei weiß, wird indes kleinteilig erzählt. Etwa, dass die drei im Spätherbst 2014 einen VW-Bus gekauft hatten, den sie bar bezahlten.

Es wird detailliert nachgestellt, wie die Sicherheitsleute mit dem Geldtransporter ihre Route fahren. Und das sie das seit über fünf Jahren gemeinsam tun.

Erzählt wird auch, wie die drei Täter den Überfall planen. Panzerbrechende Munition ist zu sehen, eine Panzerfaust, Kalaschnikows, ein elektrisches Gerät, um Funkfrequenzen zu stören.

Überfall-Szenen werfen Fragen auf

Schließlich wird der Überfall nachgestellt. Auch dabei gibt es Szenen, die Fragen aufwerfen. War es wirklich so?

Es irritiert, dass die mutmaßlichen Täter offen den Parkplatz auskundschaften. Zudem tragen sie beim Überfall schusssichere Westen mit der Aufschrift "Polizei".

Schließlich wird es pathetisch: "Als ich die Panzerfaust gesehen habe, hatte ich Todesangst", sagt der eine Transporterfahrer zum anderen. Storytelling nennt man sowas wohl.

Polizist erklärt Drei-Männer-Theorie

Polizeikommissar Jürgen Hage aus Diepholz, der die Ermittlung leitet, erklärt, warum im Einspieler nur männliche Täter gezeigt wurden.

Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass es sich nur um Männer handle. Erst die jüngst veröffentlichten DNA-Tests hätten Klarheit über die Identität der Täter geschaffen.

Niemand habe es wissen können.

Fragt sich nur, warum das ZDF die Szenen nicht authentischer darstellen konnte. War das Thema unabhängig von den aktuellen Ermittlungsergebnissen etwa schon länger geplant? Ein fader Beigeschmack bleibt.

Kein neuer RAF-Terror

Polizist Hage bittet nun die Bevölkerung um Mithilfe. Er befürchte keinen neuen Terror von links, sagt er. "Ich denke, die Menschen brauchen nur Geld."

Wie wenig die Polizei auch zweieinhalb Jahrzehnte nach dem RAF-Terror über die Täter weiß, belegen die weiteren Ausführungen des Kommissars.

Fahndungsfotos aus den 1980ern

Hage versucht gemeinsam mit Cerne, anhand von Fotos von 1988 aufzuzeigen, woran man die Verdächtigen heute noch erkennen könnte. Ernst-Volker Staub habe etwa zwei acht Zentimeter große Narben, bei Burkhard Garweg sei die Form der Unterlippe markant.Detaillierter wird es nicht.

Einige Hinweise haben Hage und Cerne noch: Jeweils 1.000 Kilometer seien die Tatfahrzeuge - ein VW-Bus und ein silberfarbener Ford Focus - in einem Umkreis von 500 Kilometern gefahren worden.

"Wo waren diese Fahrzeuge gemeinsam abgestellt?", fragt Polizist Hage in die Kamera. "Das ist ein ganz wichtiges Indiz."

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Geldtransporter-Überfälle: Spur zu RAF-Terroristen

© dpa

Weiterer Überfall in Wolfsburg

Auch ein Überfall auf einen Geldtransporter am 28. Dezember 2015 in Wolfsburg soll auf das Konto der drei ehemaligen RAF-Terroristen gehen.

Die Parallelen sind deutlich: "Wieder waren es drei Täter, wieder vor einem 'real'-Markt. Wieder mit einer Panzerfaust", schildert Hage. Und wieder hätten DNA-Spuren die drei Täter eindeutig identifiziert. In Wolfsburg fuhren die Verdächtigen unter anderem einen dunkelgrünen VW-Golf, der in Celle gekauft worden sei.

"Wir wissen nicht, wie sie aussehen"

Schließlich zeigt Hage ein neues Phantombild, das nach den Schilderungen eines Zeugen aus Wolfsburg angefertigt wurde. Einer der Täter in Wolfsburg hatte keine Maske getragen.

Darauf zu sehen: Ein circa 50 Jahre alter Mann, 1,80 bis 1,90 Meter groß, fransige Haare, schwarz-grauer Bart. Cerne fragt Hage, ob es sich dabei um Staub oder Garweg handle.

"Ich kenne die beiden nicht. Wir wissen nicht, wie sie aussehen", sagt der ermittelnde Kommissar. Und weiter: "Ich gehe davon aus, dass sie irgendwo unauffällig leben, vielleicht in Norddeutschland, möglicherweise zusammen." Recht viel Konjunktiv.

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