Die Übergriffe an Silvester haben die Deutschen verunsichert: Laut einer ARD-Umfrage will knapp ein Drittel angesichts der Ereignisse Menschenansammlungen meiden. Bei Frauen liegt die Zahl noch höher.

Nach den Silvesterübergriffen von Köln will knapp jeder dritte Bürger in Deutschland größere Menschenansammlungen meiden. 30 Prozent der Befragten haben dies bei einer Umfrage für den ARD-"Deutschlandtrend" angegeben. Bei den Frauen lag die Zustimmung bei 37 Prozent.

Unter anderem in Köln, Hamburg und Stuttgart ist es in der Nacht auf den 1. Januar zu zahlreichen Übergriffen auf Frauen gekommen. Bei der Polizei in Köln sind inzwischen mehr als 100 Anzeigen eingegangen, 16 Tatverdächtige wurden ermittelt.

Übergriffe in Köln: Nach und nach werden immer mehr Details bekannt.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber forderte nach den Übergriffen mehr Videoüberwachung und mehr Licht auf öffentlichen Plätzen von deutschen Großstädten. "Man muss Räume schaffen, in denen so etwas nicht geschieht, einfach weil es nicht im Dunkeln geschehen kann", sagte er.

Bei der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap sprachen sich nun 82 Prozent der Befragten für eine Ausweitung der Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen aus. 17 Prozent der Teilnehmer an der Umfrage lehnen dies ab.

Mehrheit für Wiedereinführung von Grenzkontrollen

Auch Ausweiskontrollen an Deutschlands Grenzen waren Thema der ARD-Umfrage: 57 Prozent der Befragten gaben an, solche Überprüfungen angesichts des Zuzugs von Flüchtlingen wieder aufnehmen zu wollen. Im September 2015 hatten sich erst 45 Prozent dafür ausgesprochen.

Seit März 1995 werden gemäß dem Schengenabkommen die Ausweise von Reisenden zwischen Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien in der Regel nicht mehr geprüft. Schrittweise wurde der Schengenraum erweitert.

In einigen Mitgliedsländern der EU gibt es seit Längerem Grenzkontrollen, um den Flüchtlingszuzug zu begrenzen. In den vergangenen Tagen haben auch Schweden und Dänemark solche Maßnahmen eingeführt. Mehr zu den Hintergründen der neuen skandinavischen Härte in der Flüchtlingskrise lesen Sie hier.

Eine Obergrenze für Flüchtlinge, wie sie derzeit etwa von der CSU gefordert wird, verliert laut der Umfrage in der Bevölkerung an Zustimmung. 61 Prozent sprechen sich für die Einführung einer Obergrenze aus - das waren 11 Punkte weniger als noch im Dezember. 36 Prozent der Befragten lehnten eine solche Maßnahme ab.

Daten zur Umfrage über die Übergriffe in Köln

Stichprobe: Infratest dimap befragte telefonisch 500 Bundesbürger

Zeitraum: 6. Januar 2016

Statistische Fehlertoleranz: 1,9 bis 4,4 Prozentpunkte je nach Anteilswert

Daten zur Umfrage über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen und eine Obergrenze

Stichprobe: Infratest dimap befragte telefonisch 1004 Bundesbürger

Zeitraum: 4. bis 5. Januar 2016

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte je nach Anteilswert© SPIEGEL ONLINE