Missoula/Hamburg (dpa) - Einen Monat nach dem Urteil gegen den Todesschützen des Hamburger Austauschschülers Diren im US-Staat Montana hat die Verteidigung einen neuen Vorstoß gestartet.

In einem Antrag an den Richter in Missoula dringen die Anwälte auf einen neuen Prozess, weil ihr Mandant keine echte Chance auf einen fairen Prozess gehabt habe. Die Berichterstattung der Medien habe die Geschworenen beeinflusst.

Ähnliche Vorwürfe hatten die Anwälte bereits vor dem Prozess erhoben und deshalb eine Verlegung in eine andere Stadt verlangt - was der Richter ablehnte. Ersatzweise beantrage die Verteidigung nun, den Schuldspruch der Jury wegen vorsätzlicher Tötung aufzuheben, sagte der Rechtsvertreter von Direns Eltern, Bernhard Docke, der Deutschen Presse-Agentur. Die Verteidigung wolle damit eine Verurteilung wegen eines minder schweren Tötungsdelikts erreichen.

Der 30-jährige Angeklagte Markus K. war kurz vor Weihnachten schuldig gesprochen worden. Er habe Diren im April 2014 erschossen, als dieser nachts in seine Garage eingedrungen war. Das Strafmaß soll am 12. Februar verkündet werden. Die Mindeststrafe beträgt 10, die Höchststrafe 100 Jahre. Anwalt Docke will mit Direns Vater zu diesem Termin in die USA reisen.

Die zwölf Geschworenen waren der Staatsanwaltschaft gefolgt, die Markus K. vorwarf, Diren in eine Falle gelockt und kaltblütig hingerichtet zu haben. Dagegen hatte die Verteidigung auf Notwehr plädiert. K. habe nach zwei vorherigen Einbrüchen Angst gehabt. Der Fall machte in Deutschland Schlagzeilen, in den USA fand er landesweit kaum Beachtung.

Rechtsanwalt Docke sagte, er räume diesem Vorstoß der Gegenseite kaum Chancen ein. Auf 23 Seiten werde im Antrag praktisch nur die angebliche Beeinflussung der Jury durch die Medienberichte dargelegt. "Das Argument halte ich nicht für stichhaltig und erfolgversprechend, weil sonst kein Prozess mehr abgewickelt werden könnte, der große öffentliche Aufmerksamkeit erregt." Er halte es für wahrscheinlich, dass der Richter in Missoula alle Anträge ablehnen und die Verteidigung sich dann an den Supreme Court von Montana wenden werde.© dpa