Amsterdam (dpa) - Die Ankunft des niederländischen Nikolaus zu seiner traditionellen vorweihnachtlichen Reise ist von Rassismus-Vorwürfen, Rangeleien und Festnahmen überschattet worden.

Beim Auftakt der Umzüge von Sinterklaas mit seinen umstrittenen schwarzen Helfern in der Käsestadt Gouda wurden am Samstag mehr als 90 Demonstranten vorübergehend festgenommen.

Auch in Amsterdam war am Sonntag ein Großaufgebot von Polizisten im Einsatz, um Störaktionen zu verhindern. Zehntausende Schaulustige - vor allem Kinder mit ihren Eltern - waren trotz strömenden Regens unterwegs, um dem Sinterklaas im roten Bischofsmantel zuzujubeln.

Am Vortag war der Weißbärtige in Begleitung zahlreicher bunt kostümierter Zwarter Pieten ("Schwarzer Peter") mit einem Dampfschiff voller Geschenke, das der Legende nach jedes Jahr aus Spanien kommt, in Gouda eingetroffen und ebenfalls von Zehntausenden begrüßt worden. Am Rande gab es jedoch heftige Rangeleien zwischen Gegnern und Befürwortern der Pieten, die nach altem Brauch eine - zumeist lediglich aufgemalte - dunkle Hautfarbe haben. "Schwarze Pieten sind Rassismus", riefen Demonstranten in Sprechchören. Und "Sinterklass gibt es nicht."

"Es ist bedauerlich, dass der Einzug des Sinterklaas seine Unschuld verloren hat", sagte Goudas Bürgermeister Milo Schoenmaker. Unter den Festgenommenen seien etliche "Berufsdemonstranten" gewesen, die bei allen möglichen Anlässen allein auf Tumulte aus seien.

Ministerpräsident Mark Rutte nannte die Störaktionen "tief, tief traurig". Er rief die Niederländer auf, bei den Nikolaus-Festen, die bis Anfang Dezember überall im Land stattfinden, Ruhe und Ordnung zu bewahren. "Wir können uns endlos über die Hautfarbe der Zwarten Pieten streiten, aber man darf doch ein Kinderfest nicht derartig stören." Sinterklaas-Feste in zahlreichen anderen Orten verliefen am Wochenende ruhig.

In den Zwarten Pieten sehen Kritiker ein Symbol der Sklavenzeit sowie der Diskriminierung von Menschen mit dunkler Hautfarbe im Alltag. Für die meisten Niederländer sind sie einfach freundliche Burschen, die Kindern am 5. Dezember Geschenke bringen und dafür heimlich durch rußschwarze Schornsteine in die Häuser kriechen.

Trotz monatelanger Debatten um die Hautfarbe der Pieten erschienen nun die weitaus meisten der freiwilligen Nikolaushelfer mit schwarz angemalten Gesichtern. Einige verzichteten auf jegliche Farbe. Andere schminkten sich bunt oder nur mit Rußflecken.© dpa