Die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) übernimmt die Verantwortung für den Absturz einer russischen Passagiermaschine auf dem Sinai. IS-Kämpfer hätten das Flugzeug abgeschossen, heißt es in einer Twitter-Mitteilung der Islamisten. Die Maschine der sibirischen Gesellschaft Kolavia war am Morgen von Radar der ägyptischen Behörden verschwunden.

Bei dem Absturz des Airbus A-321 kamen alle 224 Insassen ums Leben. Entgegen der Bekanntmachung des Islamischen Staates gehen die ägyptischen Behörden von einem technischen Defekt aus. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Samstag aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde ein Terrorangriff ausgeschlossen: "Der Unfall war das Ergebnis eines technischen Problems", sagte ein Behördenmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden.

Die russische Fluggesellschaft Kolavia als Besitzer der Unglücksmaschine schloss menschliches Versagen als Grund für den Unfall ebenfalls aus. Mit 12.000 Flugstunden sei der Pilot sehr erfahren gewesen. Die Maschine habe über alle nötigen Zertifikate verfügt, sagte ein Sprecher. Der mehr als 18 Jahre alte Airbus hatte Moskauer Medien zufolge seit 1997 mehrere Besitzer, unter anderem im Libanon.

Die Russische Luftfahrtbehörde teilte mit, dass die Maschine vom Typ A-321 unterwegs vom Scharm el Scheich nach St. Petersburg war. Dort wurde sie um 10.20 Uhr MEZ (12.20 Uhr Ortszeit) erwartet. Das Flugzeug habe der sibirischen Gesellschaft Kolavia mit Sitz in Tjumen (Sibirien) gehört, sagte ein Sprecher der Interfax zufolge in Moskau. Es war russischen Medienberichten zufolge gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012. Laut Moskauer Medien wurde Flug 9268 vom Subunternehmen MetroJet durchgeführt.

Putin setzt Untersuchungskommission ein

Trotz der Bemühungen der ägyptischen Behörden und vor der Mitteilung des IS hat der russische Präsident Wladimir Putin die Bildung einer staatlichen Untersuchungskommission angeordnet. Die Leitung übernehme Regierungschef Dmitri Medwedew, teilte der Kreml in Moskau mit. Putin ordnete zudem sofortige Hilfe für die Angehörigen der Opfer an und sprach ihnen sein Beileid aus. Die russische Generalstaatsanwaltschaft leitete der Agentur Interfax zufolge eine Prüfung der Tragödie ein.

Maschine zerschellt in Ägypten - alle 224 Insassen sterben.

Zudem hat die Regierung in Moskau diesen Sonntag zum Tag der Trauer erklärt. Ministerpräsident Dmitri Medwedew nannte den Tod der 224 Menschen an Bord am Samstag einen "nicht gutzumachenden Verlust". Bei dem Unglück kamen den Behörden zufolge auch 24 Kinder ums Leben. Die meisten Opfer seien Russen, einige andere Passagiere stammten vermutlich aus der Ukraine und aus Weißrussland, hieß es.

Psychologen betreuten die Hinterbliebenen am Flughafen von St. Petersburg, wo der Airbus 321 aus Ägypten um die Mittagszeit hätte landen sollen. Die Behörden zufolge sollen die Angehörigen an der Unglücksstelle auf der Sinai-Halbinsel Abschied nehmen können. Ein Großteil der Region ist wegen Terrorgefahr allerdings Sperrgebiet.

Internationale Anteilnahme nach Absturz

Außenminister Frank-Walter Steinmeier übermittelte der russischen Bevölkerung sein Beileid: "Unsere Gedanken sind jetzt bei all denen, die durch dieses tragische Unglück so plötzlich ihre Liebsten verloren haben", sagte er in Berlin. "Ich möchte in diesen schweren Stunden der ganzen russischen Bevölkerung mein aufrichtiges Beileid aussprechen."

Der französische Präsident François Hollande hat nach dem Absturz des russischen Flugzeugs Rußlands Präsidenten Wladimir Putin ebenfalls das Beileid Frankreichs übermittelt. "Es war mir wichtig, dem russischen Volk nach dieser Katastrophe unsere Solidarität auszusprechen", sagte Hollande am Samstag bei einem Besuch der Abtei Mont-Saint-Michel an der Küste der Normandie.

Der Generalsekretär des Europarates in Straßburg, Thorbjørn Jagland, äußerte sich schwer erschüttert. "Dies ist ein schrecklicher Verlust für unser Mitgliedsland Russland", sagte Jagland. Im Namen des Europarates und aller seiner Mitgliedsstaaten sprach er den Russen seine tiefste Trauer und sein Mitgefühl aus. (dpa / mgb)© dpa