Die Hinweise auf eine Erkrankung von Andreas L. verdichten sich: Die Ermittler haben bei der Durchsuchung der Wohnungen des Co-Piloten, der den Germanwings-Airbus A 320 am vergangenen Dienstag in Frankreich abstürzen ließ, Krankschreibungen gefunden. Darunter eine, die für den Tag des Flugzeugabsturzes ausgestellt war. Die aktuellen Entwicklungen im Liveblog.

+++ Ermittler finden bei Hausdurchsuchung Krankschreibung des Co-Piloten Andreas L. +++

+++ Krankschreibung galt für Tag des Flugzeugabsturzes +++

+++ Kein Abschiedsbrief oder Bekennerschreiben gefunden +++

Liveblog

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15:45 Uhr: Das Universitätsklinik Düsseldorf dementiert Berichte, wonach der Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Jets dort wegen Depressionen in Behandlung war. Allerdings bestätigte das Klinikum, dass er als Patient behandelt wurde. "Meldungen, wonach Andreas L. wegen Depressionen in unserem Haus in Behandlung gewesen sei, sind jedoch unzutreffend", erklärte eine Sprecherin. Auskünfte über eventuelle Krankheiten des Mannes machte die Klinik nicht; auch nicht, in welcher Abteilung er Patient war.

Der Co-Pilot sei erstmals im Februar 2015 und zuletzt am 10. März als Patient am Uni-Klinikum vorstellig geworden. "Es handelte sich um diagnostische Abklärungen", teilte die Klinik mit. Einzelheiten unterlägen der ärztlichen Schweigepflicht.

15:19 Uhr: Der "Tagesspiegel" berichtet, dass Co-Pilot Andreas L. in der Uniklinik Düsseldorf wegen Depressionen in Behandlung gewesen sein soll. Auch Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" sollen ergeben haben, dass L. bei mehreren Medizinern in psychiatrischer Behandlung. Bereits am Morgen hatte der "Spiegel" über eine psychische Erkrankung des Co-Piloten spekuliert.

14:21 Uhr: Germanwings äußert sich inhaltlich nicht zu den Ermittlungsergebnissen, dass der Copilot am Unglückstag krankgeschrieben war. Wenn der 27-Jährige die Krankschreibung nicht von sich aus beim Arbeitgeber eingereicht habe, habe Germanwings davon keine Kenntnis bekommen, so ein Sprecher. Das sei wie bei anderen Berufen auch.

13:53 Uhr: Wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in Berlin mitteilt, führen die deutschen Fluggesellschaften ab sofort die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein. Die Umsetzung ist freiwillig und liegt in der Hand der einzelnen Airlines.

13:44 Uhr: Angehörige der Absturzopfer aus der Germanwings-Maschine sind in der Nacht zu Freitag wieder in Düsseldorf gelandet. Die Hinterbliebenen der Passagiere und der Crew seien getrennt mit Flugzeugen von Lufthansa sowie Germanwings zurückgekehrt, bestätigte ein Sprecher des Flughafens am Freitag. In der Maschine mit den Angehörigen sei die Stimmung "sehr ruhig und gefasst" gewesen, sagte ein Lufthansa-Sprecher, der mit an Bord war.

13:40 Uhr: Mit großer Verärgerung haben Pilotenverbände darauf reagiert, dass Ermittlungsinformationen zum Germanwings-Absturz vorab an Medien weitergegeben worden sind. Der französische Pilotenverband SNPL kündigte am Freitag an, Anzeige wegen Verrats von Berufsgeheimnissen zu erstatten. Dass Daten aus dem Stimmenrekorder der Germanwings-Maschine so schnell öffentlich gemacht worden seien, sei ein schwerer Verstoß gegen akzeptierte Standards der Unfallaufklärung, kritisierte der Brüsseler Verband.

Pilot war am Tattag krankgeschrieben

13:26 Uhr: Die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Wortlaut finden Sie hier.

12:45 Uhr: Bei den Durchsuchungen wurde laut Staatsanwaltschaft Düsseldorf kein Abschiedsbrief oder Bekennerschreiben gefunden. "Ebenso wenig haben sich Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens ergeben", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Dramatische Wende in der Untersuchung des Flugzeugabsturzes des Germanwings-Airbus in Frankreich: Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde absichtlich ein Sinkflug des Flugzeugs eingeleitet. Zuvor hatte der Kapitän das Kommando an seinen Co-Piloten übergeben und das Cockpit verlassen. Die aktuelle Entwicklung bei uns im Liveblog.

12:23 Uhr: Bei der gestrigen Durchsuchung wurden Dokumente gefunden, "die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinweisen." Das teilte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung mit. Demnach wurde eine für den Unglückstag geltende Krankschreibung gefunden. Diese sei - ebenso wie weitere Krankschreibungen - zerrissen worden. Laut Staatsanwaltschaft deute das darauf hin, dass "der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat."

Zuvor hatten bereits "Spiegel Online" und die "Bild" über eine möglicherweise bestehende Erkrankung des 27-Jährigen berichtet.

12:15 Uhr: Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) wollte einen Bericht der "Bild"-Zeitung auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, wonach eine Akte des Co-Piloten angeblich mit dem Code SIC vermerkt ist. Der Code SIC weist auf "besondere regelhafte medizinische Untersuchungen" hin. Dies wird nach Auskunft des Luftfahr-Bundesamtes in der Lizenz und im Tauglichkeitszeugnis eingetragen.

Das wissen wir über den 27-Jährigen, der den A320 zum Absturz brachte.

Ob der Vermerk auch auf psychische Probleme hindeuten könnte, dazu macht das LBA keine Angaben. "Das Luftfahrt-Bundesamt hat im Zuge der Ermittlungen jetzt beim Aeromedical-Center der Lufthansa um Akteneinsicht gebeten. Über die genauen Inhalte können wir keine Auskunft geben", sagt Pressesprecher Holger Kasperski im Gespräch mit unserem Portal. Und weiter: "Das Luftfahrt-Bundesamt wird seine Unterlagen der französischen Staatsanwaltschaft übergeben. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns nicht weiter zu den laufenden Ermittlungen äußern können."

12:05 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck hat den Angehörigen der Absturzopfer von Germanwings sein Mitgefühl ausgedrückt und Unterstützung versprochen. Nach dem Besuch eines Gedenkgottesdienstes im westfälischen Haltern sagte er, es entstehe ein "Band des Mitleidens und Mittrauerns". In der Notsituation erweise sich, "dass wir in einer Gesellschaft von Menschen leben und nicht nur von funktionierenden Wesen".

11:30 Uhr: Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft will sich noch heute zum Stand der Ermittlungen nach dem Germanwings-Absturz äußern. Die Düsseldorfer Polizei kündigte für die Behörde eine schriftliche Mitteilung an.

Britische Medienberichte über einen "entscheidenden Fund" in den Unterlagen des Germanwings-Copiloten stufte die Polizei als sprachliches Missverständnis ein. Einem englischen Journalisten habe man wie zuvor deutschen Journalisten bestätigt, dass bei den Durchsuchungen "Beweismittel sichergestellt" worden seien. Dies sei aber nach deutschem Verständnis neutral für alle beschlagnahmten Gegenstände gemeint, nicht im Sinne eines entscheidenden Beweises. Berichte vom Fund eines Abschiedsbriefes wurden ebenfalls zurückgewiesen: "Niemand hat irgendetwas von einem Abschiedsbrief gesagt", sagte ein Polizeisprecher. "Die Sachen müssen erst ausgewertet werden."

10:56 Uhr: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer warnt davor, den Absturz des Germanwings-Airbus für aufgeklärt zu halten und vorschnelle Schlüsse zu ziehen. In der ZDF-Sendung "Maybrit Illner" sagte der CSU-Politiker am Donnerstagabend, auch wenn die französische Staatsanwaltschaft behaupte, der Co-Pilot habe die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht, heiße das "noch lange nicht, dass es wirklich definitiv so ist". Viele Staatsanwaltschaften hätten "schon viel in die Welt gesetzt", viele Urteile hätten aber am Ende ganz anders ausgesehen, sagte Ramsauer. Auch mit Rücksicht auf die Angehörigen sei Besonnenheit gefragt.

Angehende Piloten werden auch auf psychische Eignung getestet.

10:45 Uhr: Aktuell kursieren zahlreiche Gerüchte über die Hintergründe des Absturzes. Nach den Worten des französischen Premierministers Manuel Valls deute derzeit zwar alles auf einen vorsätzlich herbeigeführten Absturz hin. Aber: "Im Prinzip kann aber keine Möglichkeit ausgeschlossen werden", sagte er dem Sender iTele. Angehörige und Freunde der Opfer hätten ein Recht auf Wahrheit. Es sei Sache der Justiz, der deutschen Ermittler und auch von Lufthansa, alles aufzudecken.

10:10 Uhr: Der Bundesrat hat zu Beginn seiner Sitzung der Opfer gedacht. Solche Verluste "ändern buchstäblich alles", sagte Bundesratspräsident Volker Bouffier.

10:09 Uhr: Bundespräsident Joachim Gauck ist am Freitagmorgen in der westfälischen Stadt Haltern eingetroffen, um an einem Gedenken für die Opfer des Germanwings-Absturzes teilzunehmen. In Begleitung der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist Gauck direkt nach seiner Ankunft in die Sixtus-Kirche gegangen. Dort findet ein ein ökumenischer Gottesdienst statt.

Bundespräsident Joachim Gauck kommt nach Haltern

9:13 Uhr: Drei Tage nach dem Flugzeugabsturz über Frankreich besucht Bundespräsident Joachim Gauck heute die besonders vom Unglück betroffene westfälische Gemeinde Haltern am See. Das Staatsoberhaupt wird gegen 10:00 Uhr in der Stadt am Rande des Ruhrgebietes erwartet, um mit den Bürgern zu trauern und seine Solidarität zum Ausdruck zu bringen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus sicherer Quelle in Berlin. Begleitet wird er von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD).

9:08 Uhr: Der CDU-Verkehrsexperte Oliver Wittke hat sich für die Einführung eines "Vier-Augen-Prinzips" im Cockpit ausgesprochen und sieht dabei die EU in der Verantwortung. "Da sind jetzt die europäischen Behörden gefordert. Das können wir nicht im nationalen Alleingang regeln", so Wittke im ARD-Morgenmagazin.

8:49 Uhr: Die angebliche Aussage eines NRW-Polizeipressesprechers in der "Daily Mail", es habe einen "signifikanten Fund" gegeben, beruht auf einem Kommunikationsfehler. Das erklärte eine Polizeisprecherin auf Nachfrage unseres Portals. Es seien bei den Durchsuchungen aber mehrere Beweismittel mitgenommen worden.

8:12 Uhr: Wie "Bild.de" berichtet, werden Bundespräsident Joachim Gauck und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft heute nach Haltern kommen.

7:52 Uhr: Die Bergungsarbeiten am Ort des Airbus-Wracks in den französischen Alpen sind in den vierten Tag gegangen. Am Morgen starteten die ersten Hubschrauber bei wolkenfreiem Himmel in Richtung Tête de l’Estrop - hinter diesem Gipfel war die Germanwings-Maschine zerschellt. Die Aufmerksamkeit der Einsatzkräfte gilt besonders der Suche nach dem zweiten Flugschreiber, der weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit liefern könnte.

Chefredakteur Thomas Rebbe erklärt unsere Germanwings-Berichterstattung.

7:35 Uhr: Nach einem Bericht der britischen "Daily Mail" haben die Ermittler eine "signifikante Entdeckung" bei den Hausdurchsuchungen gemacht. Es soll sich aber nicht um einen Abschiedsbrief des Co-Piloten handeln.

7:21 Uhr: Auch die französische Air France denkt nach der Katastrophe nun über die Besetzung in ihren Cockpits nach. Air France verfolge aufmerksam Entwicklung und Ergebnisse der juristischen und technischen Untersuchungen nach dem Unfall, heißt es in einer der dpa vorliegenden Erklärung der Airline. Die Frage der Anwesenheit einer zweiten Person im Cockpit sei ein wichtiges Thema. Air Franze zählt zu den führenden Linien-Fluggesellschaften.

7:14 Uhr: Die neue Zwei-Personen-Regelung wird heute Thema bei Gesprächen zwischen den deutschen Fluggesellschaften und dem Luftfahrt-Bundesamt. Mehrere Airlines hatten angekündigt, das neue Vorgehen unverzüglich umsetzen zu wollen. Nach Angaben von Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, wird die Regelung zunächst nur vorläufig eingeführt. In der Luftfahrt-Sicherheit seien "Schnellschüsse das Falscheste, was man machen kann", so Randow in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in den ARD-"Tagesthemen", man habe sich mit allen anderen großen deutschen Airlines entschieden mit den Behörden zu überlegen, "ob es kurzfristig Maßnahmen geben kann, die die Sicherheit noch weiter erhöhen".

Gedenkfeiern in Haltern

7:02 Uhr: In Haltern lädt das Joseph-König-Gymnasium heute zu zwei Trauerfeiern, um der ums Leben gekommenen Schüler und Lehrerinnen zu gedenken. Bei beiden Feiern ist die Öffentlichkeit nicht zugelassen. Bei der Katastrophe in den südfranzösischen Bergen waren 16 Jungen und Mädchen sowie 2 Lehrerinnen des Gymnasiums ums Leben gekommen.

6:56 Uhr: Von dem Absturz in den französischen Alpen ist indirekt auch Schlagersänger Jürgen Drews betroffen. "Ein Mädchen aus dem Freundeskreis meiner Tochter Joelina saß in der Germanwings-Maschine und ist verunglückt", sagte er der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse": "Plötzlich sind solche Tragödien ganz nah."

6:50 Uhr: Der ausgesperrte Pilot hat offenbar wenige Minuten vor dem Aufprall der Maschine versucht, die verriegelte Panzertür des Cockpits mit einer sich an Bord befindlichen Axt zu öffnen. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf hochrangige Sicherheitskreise. "Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt", bestätigte eine Germanwings-Sprecherin gegenüber der Zeitung.

6:43 Uhr: In der Region des Absturzes wird erneut nach Opfern gesucht. Auch die Suche nach dem zweiten Flugschreiber wird fortgesetzt.

6:30 Uhr: Bei Germanwings herrscht nach dem vermutlich vorsätzlich durch den Co-Piloten herbeigeführten Absturz Fassungslosigkeit und Entsetzen. "Wir sind alle unter vollkommenem Schock", so Germanwings-Chef Thomas Winkelmann. Die Tat sei "völlig unerklärlich". Man werde alles tun, damit ein solches Ereignis niemals wieder vorkommen werde.

Ermittler haben die Wohnungen von Andreas L. untersucht und werten gefundenes Material aus

6:25 Uhr: Möglicherweise gibt es neue Informationen der Polizei. Die Wohnung des Co-Piloten in Düsseldorf sowie das Haus seiner Eltern in Montabaur sind durchsucht worden. Die Ermittler erhoffen sich Hinweise auf das Motiv des Mannes, der die Katastrophe wohl vorsätzlich herbeigeführt hat. Das gefundene Material wird ausgewertet.

(mit Material der dpa)