Norddeich (dpa) - 22 Stunden lang mussten Hunderte Bahnreisende auf ihre Weiterfahrt im Intercity von der Nordseeküste nach Köln warten - vereiste Oberleitungen haben ihre Fahrpläne durchkreuzt.

Die kalte Nacht verbrachten die Fahrgäste im beheizten Zug oder in der Halle einer Fährgesellschaft in Norddeich, wie ein Bahnsprecher sagte. Helfer der Bahn und des Roten Kreuzes versorgten sie mit Getränken und Mahlzeiten. Statt wie geplant um 11.36 Uhr am Sonntag verließ der Zug Norddeich erst gegen 9.30 Uhr - und strandete wegen einer Weichenstörung in Emden kurzzeitig erneut. Erst am Nachmittag erreichte der IC den Zielbahnhof Köln.

Die Panne in Emden wurde laut Bahn nach zehn Minuten behoben, dennoch schlug die weitere Zwangspause auf die Stimmung im Zug, wie Fahrgast Maximilian Mühlens sagte. "Hier ist es spiegelglatt. Aber in Russland fahren die Züge ja auch", sagte der Student aus Bonn. "Warum das bei der Bahn nicht klappt, ist mir ein Rätsel." An Bord des IC2203 waren Mühlens zufolge etwa 600 Passagiere, darunter rund 30 Kinder. "Von der Bahn kamen leider keine Infos, ob man zum Beispiel ein Hotelzimmer nehmen oder wie es weitergehen kann", sagte der Berliner Lokalpolitiker Thorsten Schatz (CDU), der ebenfalls im Zug war.

Das macht der Schnee mit Deutschland - und die Menschen mit ihm.

Ein anderer IC von Köln nach Emden, der am Sonntag einen Kilometer vor dem Bahnhof Emden vermutlich auch wegen einer vereisten Weiche liegen geblieben war, wurde geräumt. "Die Passagiere sind die kurze Strecke bis nach Emden zu Fuß gegangen", sagte ein Bahnsprecher.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte mehr Reservezüge im Winter. Es könne nicht sein, dass auch einen Tag nach dem plötzlichen Wintereinbruch zwischen Bremen und Hannover Regionalzüge ausfielen, sagte Pro-Bahn-Sprecher Karl-Peter Naumann. Im Fall des bei Norddeich blockierten IC habe die Bahn allerdings richtig gehandelt und den Zug nach Norddeich zurückgeschleppt, um die Reisenden dort gut versorgen zu können.

Spiegelglatte Straßen überraschten auch viele Autofahrer. In Niedersachsen und Bremen gab es binnen 24 Stunden mehr als 300 Unfälle. "Es hätte noch schlimmer kommen können", sagte ein Polizeisprecher. Im Südwesten lösten Schnee und Glatteis ebenfalls mehrere Staus und Unfälle aus. Auf der A8 zwischen Ulm und Merklingen blockierten etwa 20 Lastwagen beide Fahrspuren in Richtung Stuttgart, wie die Polizei mitteilte.

In Berlin legten Weichenstörungen drei S-Bahn-Linien lahm, nachdem es in der Nacht teilweise bis unter minus zehn Grad kalt geworden war. Die Ursachen waren zunächst unbekannt. Die Betreiber der S-Bahn versuchen bereits seit Jahren zu verhindern, dass die Weichen bei hohen Minustemperaturen einfrieren.

Die Kälte beeinträchtigte auch die Arbeit der Feuerwehr: In Mecklenburg-Vorpommern konnte ein Brand auf dem Gelände einer Recyclingfirma in Malchow erst nach Stunden kontrolliert werden. "Uns sind immer wieder die fast ein Kilometer langen Schläuche eingefroren", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr.

Wintersportler etwa im Thüringer Wald müssen sich trotz des Winterwetters gedulden. Es seien zwar bis zu 12 Zentimeter Schnee gefallen, sagte eine Sprecherin des Regionalverbunds. Zum Spuren der Loipen müssten es aber 25 Zentimeter sein: "Im Moment beschränkt es sich noch auf Rodeln, Schneeballschlacht und Winterwandern."© dpa